A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)

13.2.2012 | Von:
Prof. Dr. Eckart D. Stratenschulte

Devisenmarkt und Staatsanleihen

Auf dem Devisenmarkt werden Wechselkurse gebildet, die jeweiligen Tauschwerte der Währungen untereinander. Steigt die Nachfrage nach einer Währung, steigt sie im Kurs. Händler kaufen oder verkaufen Währungen, um von der Kursentwicklung zu profitieren.

Pedestrians look at a digital screen flashing the fluctuation of the recent quotation rate of the U.S. dollar against Japanese yen in downtown Tokyo Wednesday.Fußgänger in Tokio blicken auf eine elektronische Anzeigetafel, die den Kurs des japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar darstellt. (© picture-alliance, AP Photo)

Was uns an Geld interessiert, ist, was wir dafür kaufen können. Diese Kaufkraft im eigenen Land nennt man Binnenwert. Der Euro hat aber auch einen Außenwert, was uns bewusst wird, wenn wir in ein Land reisen, das nicht zur Euro-Zone gehört. Kaum sind wir in New York am Flughafen angekommen, müssen wir uns erst einmal US-Dollar besorgen. Wieviel der grünen amerikanischen Scheine wir für unsere bunten Euro-Noten erhalten, entscheidet der Außenwert des Euro.

Auch für Geld gibt es einen (internationalen) Markt, den Devisenmarkt. Dieser bewertet den Tauschwert der Währungen untereinander. Wie stark eine Währung ist, hängt natürlich im Wesentlichen davon ab, wie groß und stabil die dahinter stehende Wirtschaft ist. Auf den Devisenmärkten werden die verschiedenen Währungen der Welt täglich gehandelt. Das funktioniert wie auf jedem anderen Markt. Ist die Nachfrage nach Euro größer als das Angebot, steigt der Euro, der US-Dollar oder der japanische Yen verlieren demgegenüber an Wert. Umgekehrt geht es genauso.

Der
Eine Euro-Muenze steht am 5. Juli 2005 in Gelsenkirchen auf einer U.S.-Dollar-Note.Euro- und der Dollarkurs werden im freien Spiel der Kräfte bestimmt. (© AP)
Nun wird der Devisenkurs in der Realität aber sehr wenig von den Touristen beeinflusst, die an den verschiedenen Flughäfen dieser Welt ihre Reisekasse umtauschen. Tatsächlich werden sie bestimmt von internationalen Devisenhändlern, die für ihr Geld, ihren Investmentfonds oder ihren Rentenfonds eine gute Geldanlage suchen. In welchem Land oder Währungsraum gibt es Anleihen, die man kaufen kann und die eine gute Verzinsung garantieren? Das ist die erste Frage. Die zweite ist allerdings, wie es um die Inflation in diesem Land steht. Niemand hat etwas von zehn Prozent Zinsen pro Jahr, wenn das Geld gleichzeitig 20 Prozent seines Wertes verliert. Gesucht werden also zinskräftige Anleihen in einem stabilen Wirtschaftsraum, der zudem so zuverlässig ist, dass man sicher sein kann, sein Geld auch wiederzusehen. Argentinien hatte jahrelang internationale Anleger mit attraktiven Verzinsungsangeboten angelockt, sich dann aber Ende 2001 für zahlungsunfähig erklärt und die Rückzahlungen eingestellt. Erst vier Jahre später begann das Land wieder, seine Kredite zu bedienen, zahlte aber nur 25 Prozent der Kreditsumme zurück.

Und die dritte Frage, die sich jeder Devisenhändler stellt, ist natürlich, ob es nicht lukrativer ist, statt in Anleihen in Aktien zu investieren. Das hängt davon ab, wie sich die Börsenkurse entwickeln werden. Wie bei jedem Börsengeschäft sind also beim Devisenhandel die Erwartungen an die Zukunft ein Teil des Geschäfts. Daher wird jedes Zeichen aus der Wirtschaft oder der Wirtschaftspolitik aufmerksam registriert und die Devisenhänder reagieren dann sehr schnell. Kann man aus einer Erklärung des Präsidenten der amerikanischen Notenbank heraushören, dass die USA die Zinsen erhöhen werden? Schnell Dollar kaufen, damit man davon profitieren kann. Sind die Wachstumszahlen in den USA schlechter als ursprünglich angenommen? Schnell Dollar verkaufen, weil er an Wert verliert. So funktioniert das (durchaus ernste) Spiel.

Ein Passant schaut am Montag, 12. Mai 2003, auf eine Anzeigetafel fuer Devisenkurse in einer Frankfurter Bank .Ein Passant schaut auf eine Anzeigetafel für Devisenkurse. (© AP)
Euro- und der Dollarkurs werden im freien Spiel der Kräfte bestimmt. Dabei hat jede Kursveränderung natürlich Konsequenzen. Den Unterschied, ob der Dollar 80 Cent kostet oder, wie wir das auch schon hatten, 1,20 Euro merken wir, wenn wir in New York einen Kaffee trinken. Aber wir sind davon auch betroffen, wenn wir zu Hause bleiben. Steigt der Dollarkurs (und das heißt gleichzeitig: fällt der Euro-Kurs), wird für die Amerikaner nicht nur der Euro billiger, sondern alle Produkte aus dem Euro-Raum. Sie werden mehr davon kaufen, das ist gut für unseren Export. Aber alle Produkte, die wir aus den USA beziehen (oder die, wie arabisches Öl, in Dollar abgerechnet werden), werden teurer für uns. Steigt der Euro-Kurs, ist es genau umgekehrt: Amerikanische Produkte werden bei uns billiger. Das ist gut für den Verbraucher, aber es bedeutet für die deutschen Firmen eine verschärfte Konkurrenz. Gleichzeitig werden deutsche Produkte in den USA teurer, unsere Exporte nach Amerika werden dann wahrscheinlich sinken.

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