A distant view of London's Canary Wharf financial district, Tuesday Aug. 17, 2010. (AP Photo/Lefteris Pitarakis)
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Regulierung der Finanzmärkte

Wie erfolgreich sind die Bemühungen auf internationaler Ebene?

22.2.2012

Anstatt Stillstand: Nationale Alleingänge und mehr Stabilität?



Mehr als drei Jahre nach Beginn der Diskussion in der G-20 zeigt sich, dass von dieser Gruppe keine wichtigen Impulse zur Krisenprävention zu erwarten sein werden. Das Krisenmanagement bleibt die Stärke der G-20, die Verbesserung der Krisenprävention kommt indessen kaum voran.

Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als ob diese Blockade in der G-20 die Bemühungen um eine schärfere Bankenaufsicht und konsequentere Finanzmarktregulierung torpediert und Regierungen zur Tatenlosigkeit verdammt. Dies wäre indes eine Fehlinterpretation. Erstens zeigt das Beispiel der USA, dass Alleingänge in der Finanzmarktregulierung möglich sind. Aber auch kleinere Ökonomien außerhalb der G-20 haben sich unter dem Eindruck der schweren Krise vom Ideal einheitlicher Regulierungsstandards verabschiedet. Die Schweiz etwa stand vor dem Problem, dass sie zwei Großbanken, die Credit Suisse und die UBS, beheimatet, die so groß sind, dass diese beiden Finanzkonzerne bei einer künftigen Krise nicht mehr von der Schweizer Regierung gerettet werden könnten. Die Schweiz hat deshalb den beiden Banken die Auflage gemacht, nicht nur die gemäß Basel III für systemrelevante Banken bis 2018 zu erfüllte Mindestausstattung mit 13 Prozent Eigenkapital zu erfüllen, sondern setzte noch ein so genanntes Swiss Finish von weiteren sechs Prozent darauf. 2018 werden die Credit Suisse und die UBS also 19 Prozent Eigenkapital vorweisen müssen. Damit sinkt die Profitabilität dieser Banken, während ihre Fähigkeit deutlich steigt, Verluste zu verdauen.

Zweitens wird in der Wissenschaft und von einigen Bankenaufsehern zunehmend die Frage diskutiert, ob diese nationalen Alleingänge nicht sinnvoll und segensreich sind. In Analogie zur Stabilität von komplexen Ökosystemen nimmt diese Forschungsrichtung an, dass Diversität Systeme stabilisiert und Homogenität Systeme schwächt. Ein Mischwald ist resistenter gegen Krankheiten als eine Monokultur. Übertragen auf das internationale Finanzsystem heißt dies, dass Bankenaufseher nicht versuchen sollten, einem einheitlichen, weltweit implementierten Modell zu folgen, sondern nationale und regionale Wege einschlagen sollten.

Gerade für die zersplitterte deutsche Finanzindustrie ist die mögliche Abkehr vom Ideal einheitlicher globaler Regulierung tendenziell segensreich und sinnvoll. Die von den drei Säulen der deutschen Finanzindustrie haben zwei, die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken, nicht entscheidend zur Finanzkrise beigetragen, blendet man die Landesbanken aus dieser Betrachtung einmal aus. Es ist wenig plausibel, von regional operierenden Geldinstituten die Einhaltung globaler Standards zu fordern. Die Schwäche der G-20 in der Krisenprävention ist also gerade aus deutscher Sicht mit möglichen Vorteilen verbunden. Folgt man der Einschätzung, dass Diversität stabilisiert, verlieren auch die bislang geäußerten Vorbehalte gegen die nationale oder regionale Einführung von Einzelmaßnahmen, etwa die Einführung einer Finanzmarkttransaktionssteuer, an Gewicht.


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