Europäische Schuldenkrise

Glossar

Haircut (engl., Haarschnitt, Synonym für Schuldenschnitt)



Steht in der Börsensprache allgemein für einen Abschlag, auch Schuldenschnitt genannt. Bei Anleihen oder Krediten bezeichnet der Schuldenschnitt eine nachträgliche Verringerung des ursprünglich vereinbarten Rückzahlungsbetrags. Beispiel: Wenn Gläubiger und Schuldner einen Haircut in Höhe von 20 Prozent vereinbaren, würden Gläubiger bei einer Anleihe im Wert von 100 Euro nur 80 Euro zurückerhalten. Ende des Jahres 2011 beliefen sich Griechenlands Schulden auf eine Höhe von 375 Milliarden Euro. Dies entsprach 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erlaubt sind laut EU-Konvergenzkriterien aber nur 60 Prozent. Da Griechenland die Schulden nicht mehr bedienen konnte, wurde eine Neubewertung der Staatsanleihen des Landes mit privaten Gläubigern – also Banken, Versicherern und Fonds – vereinbart. Die griechische Schuldenlast sollte dadurch um 107 Milliarden Euro sinken, die Gläubiger mussten auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Tatsächlich waren es sogar noch mehr, da in Folge des Haircut die Zinssätze auf die Staatsanleihen sanken. Auch der größte deutsche Gläubiger stimmte dem Schuldenschnitt zu. Die aus der verstaatlichten Hypo Real Estate hervorgegangene Bad Bank FMS Wertmanagement war am Schuldenschnitt über Anleihen und Kredite mit einem Nominalwert von rund 8,2 Milliarden Euro beteiligt. Für die Verluste, die der FMS so entstanden, musste der staatliche Bankenrettungsfonds SoFFin aufkommen – also letztlich der deutsche Steuerzahler.




16.06.2015


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