Europäische Schuldenkrise

9.6.2017 | Von:
Till van Treeck

Ersparnis, Investitionen und Finanzierungssalden in der offenen Volkswirtschaft (Deutschland 2015)

Anhand der Daten für Deutschland im Jahr 2015 wird der Zusammenhang zwischen Sparen und Investieren illustriert. Wenn ein Land mehr spart, als es investiert, müssen andere mehr investieren, als sie sparen. In diesem Fall heißt das: Dem deutschen Leistungsbilanzüberschuss müssen woanders Leistungsbilanzdefizite gegenüberstehen.

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Die Konsumausgaben der privaten Haushalte waren im Jahr 2015 mit etwa 1,633 Billionen Euro deutlich niedriger als die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte mit 1,969 Billionen Euro, so dass die Ersparnis der privaten Haushalte etwa 335 Milliarden Euro ausmachte. Weil die privaten Haushalte deutlich weniger investierten (188 Milliarden Euro, vor allem in Wohnungen und Häuser) als sie sparten, erzielten sie einen Finanzierungsüberschuss von etwa 147 (335-188) Milliarden Euro.
Verwendung und Verteilung des BIP bzw. der verfügbaren Einkommen in D 2015Verwendung und Verteilung des BIP bzw. der verfügbaren Einkommen in D 2015 (PDF-Icon Grafik zum Download) Lizenz: cc by-nc-sa/4.0/deed.de (bpb)

Die privaten Unternehmen gaben mit etwa 316 Milliarden Euro ebenfalls weniger für Investitionen aus, als sie sparten. (Die Ersparnis der Unternehmen entspricht exakt ihren verfügbaren Einkommen von 413 Milliarden Euro. Das liegt daran, dass Unternehmen per Definition nicht konsumieren, sondern nur investieren (in neue Maschinen, Gebäude, Software usw.). Der Finanzierungsüberschuss der privaten Unternehmen betrug daher etwa 97 (413-316) Milliarden Euro.

Der Staat verfügte über Einkommen (insbesondere aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen) von etwa 674 Milliarden Euro. Gleichzeitig gab er für Konsum (insbesondere für die Beschäftigung im öffentlichen Dienst) etwa 587 Milliarden Euro aus, für Investitionen etwa 66 Milliarden. Damit erzielte der Staat insgesamt einen Finanzierungsüberschuss von etwa 21 (587-66) Milliarden Euro.

Ersparnis, Investition, Finanzierungssalden in Deutschland 2015Ersparnis, Investition, Finanzierungssalden in Deutschland 2015 (PDF-Icon Grafik zum Download) Lizenz: cc by-nc-sa/4.0/deed.de (bpb)

Da alle inländischen Sektoren in Deutschland Finanzierungsüberschüsse erzielten (private Haushalte: 147 Milliarden Euro, private Unternehmen: 97 Milliarden Euro, Staat: 21 Milliarden Euro), betrug der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands mit etwa 265 (147+97+21) Milliarden Euro etwa 8,8 Prozent des BIP. Mit anderen Worten, in Deutschland wurde weniger investiert, als gespart wurde. Die inländischen Sektoren in Deutschland vergaben also Kredite ans Ausland, erwarben andere Vermögenswerte (z.B. Aktienanteile) oder reduzierten ihre eigenen Verbindlichkeiten. Dies bedeutet automatisch, dass im Rest der Welt mehr investiert wurde, als gespart wurde, und dass die ausländischen privaten Haushalte, privaten Unternehmen und Staaten in der Summe mehr für Konsum und Investitionen ausgegeben haben, als ihnen an Einkommen zur Verfügung stand. Hierfür mussten sie sich zusätzlich verschulden oder Vermögenswerte verkaufen.

Siehe auch Außenbeitrag, Leistungsbilanzsaldo und Staatshaushalt am Beispiel Spaniens.

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Autor: Till van Treeck für bpb.de
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