Emma Maersk Klasse

Die Marktwirtschaft – Fairer Wettbewerb um die beste Lösung


17.1.2007
Marktwirtschaft und Wettbewerb werden oft mit dem Recht des Stärkeren und einer sozialen Ungerechtigkeit in Verbindung gebracht. Dabei geht es im Kern um nichts anderes, als um die effiziente Verteilung von Ressourcen, also die Vermeidung von Verschwendung.

Der Begriff "Marktwirtschaft" weckt bei vielen Menschen die durchaus hilfreiche Assoziation zum Wochenmarkt. Dort
(© Mick Vincenz)
können die Marktbesucher problemlos die Ware des einen Händlers mit der des anderen vergleichen und in ihre Kaufentscheidung die unterschiedlichen Preise einbeziehen, um das "günstigste" Angebot zu finden. Auch die Händler können sich gegenseitig beobachten und beispielsweise feststellen, ob der Kollege, der seinen Spargel plötzlich frisch geschält verkauft, damit mehr verdient.

Das gegensätzliche Konzept zur Marktwirtschaft ist die so genannte Zentralverwaltungs-, Plan- oder Kommandowirtschaft. Sie ersetzt das bunte Treiben des Marktes durch einen einzigen Gemüsehändler, der mit seinem festgelegten Angebot für die Gemüseversorgung der Stadt sorgt. Der Grund, warum diese Angebotsform deutlich langweiliger ist, ist derselbe, aus dem Ökonomen die Marktwirtschaft für die bessere Variante halten: Gibt es nur einen Händler, kann man weder vergleichen noch auswählen und es gibt selten Neues zu entdecken.

Eine Wirtschaftsordnung dient dazu, die Wünsche und Bedürfnisse der Bürger nach Dienstleistungen und Waren bestmöglich zu erfüllen. Dafür muss herausgefunden werden, welche Güter und Dienstleistungen die Bürger besonders dringend haben möchten. Zugleich muss ein Weg gefunden werden, mit den insgesamt zur Verfügung stehenden Mitteln möglichst sparsam umzugehen. Denn die Mittel, die zur Bereitstellung von erwünschten Waren und Dienstleistungen benötigt werden, stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Die bestmögliche Versorgung der Bürger kann daher nur erfolgen, wenn diese Ressourcen nicht verschwendet werden. Knappe Ressourcen in einer Volkswirtschaft sind dabei nicht nur Rohstoffe, Energie, Vorprodukte und Geld, sondern beispielsweise auch die Zeit, die Fähigkeiten und die Arbeitskraft der Erwerbsfähigen.

Der Beste soll den Auftrag bekommen



In der Wirtschaftsordnung der Marktwirtschaft veranstaltet man einen Wettbewerb, um herauszufinden, was die Menschen wollen und wer diese Wünsche am besten erfüllen kann. Wie sollte man dies sonst herausfinden? Schließlich geht es dabei um kaum objektivierbare Beurteilungen – ähnlich wie bei einem Schönheitswettbewerb. Im marktwirtschaftlichen Wettbewerb wird der Anbieter gewinnen, der die Kundenwünsche nicht nur treffend vorhersieht, sondern sie auch preisgünstig erfüllen kann. Wie bei sportlichen Wettkämpfen geht es also zugleich darum festzustellen, wer die bessere Technik einsetzt oder talentierter ist. Der Gewinner des Wettbewerbs hat die Waren im Sortiment, die sich die Kunden wünschen und er benötigt zur Herstellung dieser Waren relativ wenige Ressourcen, weshalb er günstige Preise verlangen kann. Die Belohnung für den Gewinner und der Anreiz zur Teilnahme am Wettbewerb besteht in der Marktwirtschaft darin, dass man um so höhere Markteinkommen erzielt, je begehrter das eigene Angebot ist und je geschickter man in der Herstellung knappe Ressourcen einspart.

Natürlich kennt jeder Wettbewerb auch Verlierer. Tröstlich für die weniger erfolgreichen Händler auf dem Wochenmarkt ist, dass sie sich bis zur nächsten Woche eine bessere Strategie einfallen lassen können: Bessere Ware auf dem Großmarkt suchen, die Kunden durch ein freundlicheres Gesicht anlocken und gegebenenfalls nächste Woche ebenfalls geschälten Spargel anbieten. Im marktwirtschaftlichen Wettbewerb werden die meisten Teilnehmer die Strategie des erfolgreichen Anbieters nachahmen und schnell ähnliche Produkte anbieten, die sie mit einer ähnlichen Produktionstechnologie herstellen. Oder sie lassen sich noch bessere Lösungen einfallen. Denn dauerhaft bleibt man in der Marktwirtschaft nur dann erfolgreich, wenn man sein Angebot ständig an die sich verändernden Bedingungen anpasst, also auf veränderte Kundenwünsche, Produktionsmöglichkeiten und Ressourcenknappheiten reagiert.

Wirtschaftswissenschaftler bezeichnen verschwendungsfreie und gleichzeitig zielführende Vorgehensweisen als "effizient". Im theoretischen Idealfall führt das freie Spiel der Marktkräfte dazu, dass nur die besten Produzenten genau die Güter herstellen, die die Konsumenten am dringendsten verlangen. Zur Herstellung dieser Güter verbrauchen sie dabei nur so viele knappe Ressourcen, wie unbedingt notwendig. Auch wenn die Idealbedingungen der ökonomischen Modellwelt selten wirklich vorliegen, erwarten Ökonomen, dass der Markt eher zu effizienten Ergebnissen führt als irgendein Versuch zentraler Wirtschaftslenkung. Denn es gibt auch keine ideale Planwirtschaft mit allwissenden und zugleich uneigennützigen Politikern. Aus ökonomischer Perspektive empfiehlt sich daher eine Beschränkung der politischen Eingriffe auf die ordnungspolitische Rahmensetzung.

Wettbewerb braucht Regeln



Dabei ist Wettbewerb nicht ganz so hart, wie manchmal unterstellt wird. In den meisten Fällen erfordert der marktwirtschaftliche Wettbewerb z.B. bereits aus sich selbst heraus eine Mannschaftsleistung. Verbissene Einzelkämpfer oder intrigante und boshafte Charaktere haben in der Marktwirtschaft keineswegs bessere Chancen als faire Teamspieler. Und natürlich wird auch der marktwirtschaftliche Wettbewerb von Regeln geleitet. Ebenso wie im Sport obliegt es den Organisatoren des Wettbewerbs – den Politikern –, die Spielregeln so zu bestimmen, dass sie unerwünschte Strategien und unfaire Praktiken wirksam unterbinden. So müssen Wettbewerbsgesetze und Wettbewerbsbehörden verhindern, dass einzelne Wirtschaftsakteure ihre wirtschaftliche Macht nutzen, um den marktwirtschaftlichen Wettbewerb zu ihren Gunsten außer Kraft zu setzen. Werden die Spielregeln unzureichend festgelegt oder wird ihre Einhaltung nicht sichergestellt, ist das kein Manko der Wettbewerbsidee, sondern ihre mangelhafte Umsetzung.

Auch der Vorwurf der Ungerechtigkeit verkennt die Aufgaben und Möglichkeiten der Wirtschaftsordnung. Im Marktprozess werden die Anbieter nach Maßgabe ihres Erfolgs im Bemühen um die Zufriedenstellung der Kunden belohnt. Diese originäre Marktverteilung verfolgt konsequent das Konzept der "Leistungsgerechtigkeit". Ähnlich wie bei Schönheits- und Sportwettbewerben nimmt also auch der marktwirtschaftliche Wettbewerb keine Rücksicht auf unterschiedliche Startchancen der Teilnehmer. Mehr oder minder marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnungen werden deshalb gewöhnlich um Sozialordnungen ergänzt. Diese etablieren beispielsweise umverteilende Steuersysteme, kollektive Versicherungsbeziehungen oder die Garantie einer sozialen Mindestsicherung und versuchen die Startchancen für Benachteiligte zu verbessern. Solche Umverteilungen sind jedoch nicht Zweck und Aufgabe des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs.



 

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