Emma Maersk Klasse

Nicht allein der Shareholder Value zählt

Wolfgang Thierse


27.1.2005
Das unternehmerische Ziel sollte nicht nur der schnelle Gewinn sein. Vielmehr müssen Unternehmen begreifen, dass sie als soziale Organismen eine gesellschaftliche Verantwortung haben, so Wolfgang Thierse, früherer Bundestagspräsident.

Nicht allein der Shareholder Value zählt Das unternehmerische Ziel sollte nicht nur der schnelle Gewinn sein. Vielmehr müssen Unternehmen begreifen, dass sie als soziale Organismen eine gesellschaftliche Verantwortung haben, so Wolfgang Thierse, früherer Bundestagspräsident. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (© 2004 Bundeszentrale für politische Bildung)
Die Frage ist, ob Vertreter der Wirtschaftsunternehmen es für ihr wichtigstes Ziel halten, möglichst schnell möglichst große Gewinne zu machen; ob das das einzige und wichtigste Ziel ist oder ob Unternehmer auch begreifen, dass Unternehmen soziale Organismen sind, dass es darum geht, mit Arbeitnehmern zusammen Werte zu schaffen und natürlich Produkte herzustellen, die man verkaufen kann – wobei man Gewinne erwirtschaftet, aber wobei es nicht um die Schnelligkeit und die Größe des Gewinns alleine geht, sondern auch darum, dass man Beschäftigung erhält, dass man Menschen Lebensmöglichkeiten gibt, weil sie arbeiten können. Dieses Bewusstsein muss wieder gestärkt werden. Wenn nur der Shareholder Value zählt, dann wird eine Gesellschaft nicht zusammen zu halten sein.

Selbst die Wirtschaft, selbst Unternehmer haben vernünftigerweise eine Verantwortung für das Allgemeinwohl. Und sie stehen nicht über der Politik, sondern Politik ist ja die Regelung der gemeinsamen Angelegenheiten. Und dafür braucht man Information, dafür braucht man Wissen, dafür muss man eben das nötige Maß an politischer Bildung haben. Deswegen, denke ich, ist es gut, wenn Träger der politischen Bildung und Vertreter der Wirtschaft in ihren Organisationen mehr als bisher, viel mehr als bisher bei politischer Bildung zusammenwirken.

Natürlich gehört zur Gegenwart, dass wir ein Bewusstsein dafür haben, wie die internationalen Verflechtungen der Wirtschaft, aber auch der Politik, der Kultur, sind – also das, was Globalisierung wirklich darstellt. Und dann ist die Frage: Ist Globalisierung ein Selbstlauf? Folgt das nur wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten? Folgt das nur den Regeln des Marktes, wo die Starken immer die Überlegenen sind? Oder brauchen wir, so wie wir innerhalb unserer Gesellschaft Vorstellungen von Gerechtigkeit brauchen, brauchen wir die nicht auch im internationalen Maßstab, um des friedlichen Zusammenlebens der Völker auf diesem Globus Willen? Ich glaube, wir brauchen solche Vorstellungen von Gerechtigkeit, auf die wir uns einigen, politische Ziele, die wichtiger sind als der wirtschaftliche, kurzfristige, gewinnträchtige Erfolg.

06. Mai 2004



 

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