Emma Maersk Klasse

Mündige Mitarbeiter sind wünschenswert

Dominique Döttling


27.1.2005
Für Unternehmen ist es durchaus wichtig, mündige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben. Diese Mündigkeit wird nicht zuletzt durch politische Bildung gestärkt, so Unternehmensberaterin Dominique Döttling. Deshalb ist es entscheidend, politische Bildung innerhalb von Unternehmen neu zu definieren.

Mündige Mitarbeiter sind wünschenswert Für Unternehmen ist es durchaus wichtig, mündige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben. Diese Mündigkeit wird nicht zuletzt durch politische Bildung gestärkt, so Unternehmensberaterin Dominique Döttling. Deshalb ist es entscheidend, politische Bildung innerhalb von Unternehmen neu zu definieren. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (© 2004 Bundeszentrale für politische Bildung)
Es gab eine ganze Weile so eine Welle, dass man sagte: Marketing, das ist der Punkt! Wir müssen uns jetzt hier als Corporate Citizen darstellen, weil das gute Mitarbeiter bringt, weil das unseren Kunden ein gutes Gefühl gibt, Image usw. Aber Menschen lassen sich nicht über eine längere Frist hin manipulieren. Das heißt, das schlägt irgendwann zurück, weil die Erwartungshaltungen hoch sind – sowohl von Mitarbeitern als auch von Kunden. Und wenn dann etwas nicht geliefert wird, schlägt das zurück. Das heißt also: Die Firmen, die da auf den Zug aufgesprungen sind, die haben sich dabei gewaltig die Haare zerzaust.

Inzwischen ist schon klar: Man muß authentisch sein, als Unternehmen. Ich denke, dass nach und nach mehr Leute erkennen, dass der mündige Mitarbeiter, der unternehmerisch denkende Mitarbeiter, derjenige ist, der das Unternehmen weiterhin mit nach vorne bringt. Und deswegen glaube ich, dass da die politische Bildung eine Möglichkeit bietet, einzugreifen: Die Mündigkeit, das Vernetzte, das bietet ja auch die politische Bildung. Wer hat denn Politik oder die politische Bildung bisher in die Unternehmen hinein getragen? Das ging über die Gewerkschaften, die natürlich auch - durch Gesetze, Betriebsräte und so weiter - darauf gepocht haben, das auf ihre Art und Weise zu tun. Und jetzt ist folgendes passiert: Der Unternehmer hat jemanden freistellen müssen und der hat in der Zeit etwas getan, was der Unternehmer gar nicht direkt regeln konnte, von dem er auch nur oberflächlich Kenntnis hatte. Stellen Sie sich vor, dass Sie etwas finanzieren, was Ihnen vielleicht schadet – und das war nun einmal das Erlebnis vieler Unternehmer. Dass da politische Bildung erst mal mit einem gewaltigen Beigeschmack belegt wird, ist völlig logisch. Das heißt, wir müssen das also auch umdefinieren.

Wenn wir jetzt sagen, die politischen Bildungsträger wollen rein in die Kommunikation, dann müssen sie sich überlegen, wie sie kommunizieren wollen. Politische Bildung ist in vielen Unternehmen gewerkschaftsbelegt. Und das ist ja nicht politische Bildung gewesen, das war ja Lobbyismus und ist Klientelpolitik und nicht das, was eigentlich den Anspruch der politischen Bildung ausmacht. Ich glaube sogar, dass viele Gewerkschaften da reagieren werden, im Sinne von: Hey, das war doch unser Ding. Was macht Ihr denn da jetzt? Aber das ist wie bei allen Veränderungsprozessen: Wir müssen da alle mit einbeziehen, das heißt, dass natürlich der Betriebsrat mit eingebunden werden muss, damit man das auf alle Köpfe verteilt, die in einem Unternehmen vorhanden sind. Und dann wird das auch Erfolg haben können.

Eine klare Nutzendiskussion ist noch nicht Kommerz und ist noch nicht negativ, sondern das ist das Natürlichste von der Welt, dass man auch sagt: Okay, unser Ziel ist Mündigkeit. Unser Ziel ist es – und das kann durchaus sein –, dass da Leute raus kommen, die Freude haben an Gestaltung, und dass sich dann neue Sachen bilden müssen, weil vielleicht manche sagen: Ich will in der Kommunalpolitik auch meinen wirtschaftspolitischen Kenntnisstand anwenden können.

Ich kenne ein Unternehmen, das stellt Leute, die in der Kommunalpolitik aktiv sind, vor der Wahl zwei Wochen lang frei. Einfach, weil die sagen: Das macht für uns auch Sinn. Da muss es dann ständig weiter einen Dialog geben. Und da sehen Sie, wie weit ich hier die Nutzenargumentation stecke. Es geht nicht um irgendwelchen Geldtransfer, hin und her, sondern das ist ein großer Nutzen, der aber auch mal ganz offen besprochen werden muss.

06 Mai 2004



 

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