Ein Containerschiff verlässt den Hafen von New York.

Kulturelle Homogenität als Wachstumshemmnis

Gisela Erler


27.1.2005
Kulturelle Mischung und eine vielfältige Zusammensetzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil, findet Gisela Erler - so spiegelt die Mitarbeiterstruktur diejenige der Kundschaft wider.



Tesxtversion des Video-Interviews

Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen für Firmen, das die Firmen dabei unterstützt, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Und das hat sich erweitert. Wir sind heute so genannte Diversity-Spezialisten, d.h., wir unterstützen Firmen dabei, verschiedene Gruppen ausländischer Mitarbeiter, Gruppen von Frauen, Gruppen aktiver Familienväter und auch homosexueller Mitarbeiter besser integrieren zu können und beraten sie, wie sie diese auch dabei unterstützen können, Karriere zu machen, um ihre Mitarbeiterpotentiale besser zu nutzen.

Das Interesse der Firmen ist natürlich im Kern nicht gesellschaftlich-politisch, sondern ist eigentlich ein wirtschaftliches. Es geht ihnen darum, dass sie bei den Marktveränderungen besser präsent sein können, dass sie die neuen Kundengruppen – seien es ältere Menschen oder Menschen im europäischen Ausland oder in Amerika – besser erreichen können, damit sie überhaupt Wachstumspotential haben. So ist ihre These, wenn sie ihre eigene Mitarbeiterstruktur in Einklang mit dem Menschenpotential bringen, dass sie auch verkaufen wollen.

Man braucht natürlich Hochtechnologie, um wachsen zu können, man braucht Talente. Das heißt, wir müssen alle Talente in unserer schrumpfenden Bevölkerung entwickeln und nicht große Gruppen einfach außen vor lassen – wie ausländische Mitbürger oder Frauen. Und wir brauchen auch Toleranz, also kreative Toleranz. Und da gibt es ja solche Thesen – wie zum Beispiel dass dort, wo besonders viele homosexuelle Menschen leben, in dem es nichteheliche Lebensgemeinschaften und erfolgreich integrierte Ausländer gibt – dass in solchen Regionen die Wirtschaft viel besser wächst als anderswo – nachweislich in den USA, aber auch bei uns.

Ich bringe immer dieses Beispiel: Es gibt viele Zeichen, die darauf hindeuten, dass eine Region – ich nehme jetzt mal exemplarisch Stuttgart – langfristig an dieser Stelle Wachstumsprobleme bekommen wird. Schon heute möchten junge kreative Potentiale nicht gern in eine solche Hauptstadt gehen, die doch als kulturell zu homogen empfunden wird, und damit zu eingeschränkt. Und ich will es noch mal zuspitzen und sagen: Es könnte sein, dass solche Krisen, wie sie Daimler heute hat, auch mit Problemen der Wahrnehmung, der Vielfalt zu tun haben. Das Selbe sagt man ja für Japan, dass die japanische Wirtschaft auch ihre Innovations- und Wachstumskrise hatte, weil sie vollständig homogen von japanischen Männern, ohne Frauen, ohne Ausländer, geführt wurde und dass das eine echte Sperre ist.

06. Mai 2004

Das Interview führte Sebastian Kauer
Kamera: Moritz Siebert
Schnitt: Steffi Niederzoll
 
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