Emma Maersk Klasse

Kulturelle Homogenität als Wachstumshemmnis

Gisela Erler


27.1.2005
Kulturelle Mischung und eine vielfältige Zusammensetzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil, findet Gisela Erler - so spiegelt die Mitarbeiterstruktur diejenige der Kundschaft wider.

Kulturelle Homogenität als Wachstumshemmnis Kulturelle Mischung und eine vielfältige Zusammensetzung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen Unternehmen einen wirtschaftlichen Vorteil, findet Gisela Erler - so spiegelt die Mitarbeiterstruktur diejenige der Kundschaft wider. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (© 2004 Bundeszentrale für politische Bildung)
Wir sind ein Dienstleistungsunternehmen für Firmen, das die Firmen dabei unterstützt, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Und das hat sich erweitert. Wir sind heute so genannte Diversity-Spezialisten, d.h., wir unterstützen Firmen dabei, verschiedene Gruppen ausländischer Mitarbeiter, Gruppen von Frauen, Gruppen aktiver Familienväter und auch homosexueller Mitarbeiter besser integrieren zu können und beraten sie, wie sie diese auch dabei unterstützen können, Karriere zu machen, um ihre Mitarbeiterpotentiale besser zu nutzen.

Das Interesse der Firmen ist natürlich im Kern nicht gesellschaftlich-politisch, sondern ist eigentlich ein wirtschaftliches. Es geht ihnen darum, dass sie bei den Marktveränderungen besser präsent sein können, dass sie die neuen Kundengruppen – seien es ältere Menschen oder Menschen im europäischen Ausland oder in Amerika – besser erreichen können, damit sie überhaupt Wachstumspotential haben. So ist ihre These, wenn sie ihre eigene Mitarbeiterstruktur in Einklang mit dem Menschenpotential bringen, dass sie auch verkaufen wollen.

Man braucht natürlich Hochtechnologie, um wachsen zu können, man braucht Talente. Das heißt, wir müssen alle Talente in unserer schrumpfenden Bevölkerung entwickeln und nicht große Gruppen einfach außen vor lassen – wie ausländische Mitbürger oder Frauen. Und wir brauchen auch Toleranz, also kreative Toleranz. Und da gibt es ja solche Thesen – wie zum Beispiel dass dort, wo besonders viele homosexuelle Menschen leben, in dem es nichteheliche Lebensgemeinschaften und erfolgreich integrierte Ausländer gibt – dass in solchen Regionen die Wirtschaft viel besser wächst als anderswo – nachweislich in den USA, aber auch bei uns.

Ich bringe immer dieses Beispiel: Es gibt viele Zeichen, die darauf hindeuten, dass eine Region – ich nehme jetzt mal exemplarisch Stuttgart – langfristig an dieser Stelle Wachstumsprobleme bekommen wird. Schon heute möchten junge kreative Potentiale nicht gern in eine solche Hauptstadt gehen, die doch als kulturell zu homogen empfunden wird, und damit zu eingeschränkt. Und ich will es noch mal zuspitzen und sagen: Es könnte sein, dass solche Krisen, wie sie Daimler heute hat, auch mit Problemen der Wahrnehmung, der Vielfalt zu tun haben. Das Selbe sagt man ja für Japan, dass die japanische Wirtschaft auch ihre Innovations- und Wachstumskrise hatte, weil sie vollständig homogen von japanischen Männern, ohne Frauen, ohne Ausländer, geführt wurde und dass das eine echte Sperre ist.

06. Mai 2004



 

Mediathek

Die Verlagerung des Wohlstands

Die wirtschaftliche Verteilung in der Welt ist ständig im Wandel. Manche der Schwellenländer werden zu aufstrebenden Wirtschaftsmächten und holen gegenüber den OECD-Ländern kräftig auf. Weiter... 

Globalisierung

Handel und Investitionen

In keinem Bereich ist die Globalisierung weiter vorangeschritten als im Bereich der ökonomischen Verflechtung. Immer mehr Waren und Dienstleistungen werden grenzüberschreitend gehandelt, wobei der Handel inzwischen alle Produktgruppen erfasst hat. Entsprechend wird auch die Verflechtung der einzelnen Weltregionen immer enger. Weiter... 

Europäische SchuldenkriseDebatte

Europäische Schuldenkrise

Das Dossier veranschaulicht die wichtigsten Diskussionsstränge der Europäischen Schuldenkrise. Der ungelöste Disput zwischen Ausgaben- und Sparpolitik steht im Zentrum und wird anhand grundlegender Fragen und Infografiken sowie freier Bildungsmaterialien zum Thema erläutert. Weiter... 

TTIP CETA Protest Brüssel EUDebatte

Freihandel versus Protektionismus

Seit langem hat kein Thema in Deutschland mehr so viele Menschen zu Demonstrationen auf die Straße gebracht wie die transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP und CETA. Das Dossier klärt über die wichtigsten Streitpunkte anhand von Hintergrundanalysen, Kontroversen und Infografiken auf. Weiter...