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Pressemitteilung (14.08.2009)

Immer mehr rechtsextreme Beiträge im Web 2.0


Jugendliche im Visier der Szene / Neonazis gründen eigene soziale Netzwerke / Mehr Maßnahmen der Betreiber gefordert

Mainz, 14.08.09. Rechtsextreme haben im vergangenen Jahr ihre Aktivitäten im Internet verstärkt. Sie nutzen die Möglichkeiten des Web 2.0, um menschenverachtende Inhalte zu verbreiten und Jugendliche mit Videos und Musik zu ködern. Neonazis gründen eigene soziale Netzwerke für Gleichgesinnte, in denen sie ungehindert gegen Minderheiten hetzen und demokratiefeindliche Thesen verbreiten können. Hier sind die Betreiber dieser Dienste gefordert. Sie müssen weitere Anstrengungen unternehmen, um den Missbrauch ihrer Plattformen durch Rechtsextreme zu verhindern.

Die Anzahl der allein von jugendschutz.net dokumentierten unzulässigen rechtsextremen Beiträge in Sozialen Netzwerken und Videoplattformen hat sich 2008 auf mehr als 1.500 verdoppelt. Auch gibt es derzeit so viele Szene-Websites wie nie zuvor: 1.707 Angebote recherchierte jugendschutz.net im vergangenen Jahr. Ein Trend zieht sich dabei durch beinahe alle Bereiche: Rechtsextreme sprechen mit bunten Websites, Symbolen aus verschiedenen Jugendszenen und griffigen Slogans junge Internetuser an. Vor allem Neonazi-Kameradschaften und so genannte Autonome Nationalisten, von denen jugendschutz.net 2008 insgesamt 321 Angebote sichtete, nutzen multimediale Möglichkeiten wie Filme und verschleiern ihre rassistischen und antidemokratischen Botschaften. In vielen Fällen ist der rechtsextreme Kontext nicht mehr auf den ersten Blick zu erkennen.

"Für Rechtsextreme sind Videos und Musik inzwischen das Propagandainstrument Nummer Eins. Und die Möglichkeiten, die sich durch Web 2.0-Plattformen für die Verbreitung ihrer Hass-Botschaften bieten, sind schier unbegrenzt", erläutert der Leiter des Arbeitsbereichs Rechtsextremismus von jugendschutz.net Stefan Glaser. "Hier müssen auch die Betreiber der Plattformen konsequent an effektiven Lösungen arbeiten, um die Verbreitung unzulässiger Inhalte über ihre Dienste auch eigeninitiativ zu verhindern", fordert Glaser.

Das Team von jugendschutz.net geht auch gezielt gegen unzulässige Inhalte vor, zum Beispiel durch die Kontaktaufnahme zu in- und ausländischen Providern. Insgesamt konnte jugendschutz.net im vergangenen Jahr in 80 Prozent der unzulässigen Fälle die Entfernung der Inhalte erreichen.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, die jugendschutz.net fördert, hält die Arbeit gegen Rechtsextremismus im Internet gerade im Hinblick auf die steigenden Zahlen und die gezielte Ansprache von Jugendlichen für enorm wichtig: "Heranwachsende verbringen immer mehr Zeit im Internet, gerade auch im Web 2.0. Damit das Medium weiterhin Demokratie und Toleranz fördern kann, muss Rechtsextremen in sämtlichen Diensten die Rote Karte gezeigt werden. jugendschutz.net leistet hierzu einen wesentlichen Beitrag."

Aktuell hat jugendschutz.net mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung (HLZ) die Broschüre "Klickt's? Geh Nazis nicht ins Netz!" veröffentlicht, um 12- bis 15-Jährige über rechtsextreme Internet-Propaganda aufzuklären und ihnen zu zeigen, wie sie sich gegen Beeinflussungsversuche und Diskriminierungen zur Wehr setzen können. Bisher fehlte es an Materialien speziell für diese Zielgruppe. Die Lücke wird mit der Broschüre geschlossen.

Auch die von der bpb geförderte Online-Beratung gegen Rechtsextremismus des Vereins "Gegen Vergessen – Für Demokratie" setzt auf Aufklärung im Internet. Die Stelle betreibt neben einem sozialpädagogischen Beratungsangebot für Personen, die mit Rechtsextremismus konfrontiert sind, seit Kurzem einen eigenen Channel auf der Videoplattform YouTube und wendet sich damit auch an jüngere Internet-User.

Der aktuelle Bericht von jugendschutz.net steht unter www.jugendschutz.net/rechtsextremismus/Aktuell zum Download zur Verfügung. Hinweise auf Rechtsextremismus im Internet können über die Online-Beschwerdestelle an jugendschutz.net gesendet werden: http://www.jugendschutz.net/hotline.
Kontakt für Rückfragen
Meike Steinle
ms@jugendschutz.net
Tel +49 (0)6131 3285-317

Über jugendschutz.net
jugendschutz.net drängt auf die Einhaltung des Jugendschutzes im Internet und sorgt dafür, dass Anbieter problematische Inhalte rasch ändern, löschen oder für Kinder und Jugendliche sperren. Die Jugendministerien der Bundesländer haben jugendschutz.net 1997 als Zentralstelle gegründet. Seit 2003 ist jugendschuz.net an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebunden, um eine einheitliche Aufsicht über Rundfunk und Internet zu gewährleisten.

Pressekontakt/bpb
Bundeszentrale für politische Bildung
Pressestelle
Adenauerallee 86
53113 Bonn
Tel +49 (0)228 99515-200
Fax +49 (0)228 99515-293
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