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Pressekonferenz Wahl-O-Mat

9.10.2017

"WE ARE PART OF CULTURE"

Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung im Hauptbahnhof Berlin am 27. September 2017


Meine sehr geehrten Damen und Herren,
lieber Herr Edmaier

Hanna Höch, die widerwillige „Grand Dame“ der DADA-Bewegung – Andreas Veitschegger hat sie für diese Ausstellung porträtiert – sagte einmal:

"Ich möchte die festen Grenzen auswischen, die wir Menschen mit einer eigensinnigen Sicherheit um alles, was in unseren Bereich kam, gezogen haben. Ich will aufzeigen, dass klein auch groß sein kann und groß auch klein ist; allein der Standpunkt, bei dem wir bei unserem Urteil ausgehen, muss anders gewählt werden.“

Die Künstlerin hat erkannt: Jede und Jeder kann alles mögliche sein. Auf die Perspektive kommt es an und auf die innere Einstellung im Umgang miteinander.

Wie wir mit unterschiedlichen Orientierungen und Lebensentwürfen umgehen, ist für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft entscheidend. Vielfalt als Selbstverständlichkeit und Normalität anzuerkennen ist in einer demokratisch verfassten Gesellschaft eine Notwendigkeit.

Nun ist es leider so, dass die Diskriminierung von Abweichungen heteronormativer Selbstverständnisse immer noch Alltags ist. Deshalb sehen wir, die Bundeszentrale für politische Bildung, es als Teil unseres Auftrags an, die Akzeptanz gesellschaftlicher Diversität zu fördern.

Ich freue mich deshalb sehr über die Art und Weise, mit der das Projekt 100% Mensch in der Ausstellung WE ARE PART OF CULTURE zeigt, was Persönlichkeiten, die von diesen – vermeintlichen – sexuellen Normen abweichen, zu unserem gesellschaftlichen Zusammenleben leisten. Das ist heute so, offensichtlich aber schon seit Menschengedenken. Die historischen Persönlichkeiten in der Ausstellung – zurückreichend bis in die Antike – zeigen das in aller Deutlichkeit.

Eigentlich darf es in einer fortschrittlichen und aufgeklärten Gesellschaft also keine zwei Meinungen geben: LSBTTIQA-Persönlichkeiten haben ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft. Viele Entwicklungen zeigen uns auch, dass dies immer breitere Anerkennung findet. Nicht zuletzt die Verabschiedung des Gesetzentwurfs zur „Ehe für alle“ durch den Bundestag am 30. Juni 2017.

Gesellschaftlicher Konsens – oder auch nur politischer Konsens – ist die Gleichbehandlung aller sexuellen Orientierungen aber leider noch nicht. Lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, non-binäre, intersexuelle, queere und asexuelle Menschen werden diskriminiert und von sehr vielen Menschen auch auf ihre Sexualität reduziert.

Dabei sind sie so viel mehr. Und die Ausstellung zeigt die Menschen hinter der sexuellen Orientierung. Hier sehen wir die Künstlerinnen und Künstler, Politikerinnen und Politiker, Forscherinnen und Forscher. Menschen der Regenbogen-Community sind aber auch: Nachbarinnen und Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen, Veganer oder Carnivoren, falschparkende Geländewagenfahrer und Kampfradler, Nichtwähler und Politaktivisten.

Die Ausstellung bringt das Thema an Orte, die „mitten im Leben“ sind, wie sonst nur wenige: Bahnhöfe. Ich bin begeistert von der Sichtbarkeit und Zugänglichkeit, die dadurch erreicht wird. In unserem Fachgebiet, der politischen Bildung, nennen wir so etwas einen „aufsuchendes Bildungskonzept“.

Gerade darum bin ich auch besonders gespannt auf die Aufbereitung der Ausstellung für den Einsatz im Schulbereich. Aus Studien wissen wir, dass die Darstellung von Geschlechtern und sexuellen Orientierungen in Schulbüchern nach wie vor der Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler hinterherhinkt. Homosexualität wird zwar behandelt, aber meist als Ausnahme zur Normalität der Heterosexualität. Inter* und Trans* kommen so gut wie gar nicht vor. Es gibt also deutlichen Nachholbedarf. Schön, wenn mit WE ARE PART OF CULTURE ein weiterer Schritt in die richtige Richtung gelingt.

Ich freue mich sehr, dass die Bundeszentrale für politische Bildung zu den Förderern von WE ARE PART OF CULTURE gehört.

Vielen herzlichen Dank an alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler, an die Organisatoren und alle Unterstützer, die diese Ausstellung und die Tour durch Deutschland möglich machen

- Es gilt das gesprochene Wort -


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