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Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)
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Die Entwicklung in Russland und in der Sowjetunion |

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Alfred Eisfeld
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Deutsches und russisches Siedlungsgebiet grenzen nirgends unmittelbar aneinander, doch gab es seit dem Mittelalter immer häufiger Kontakte zwischen diesen beiden Völkern. Diplomaten, Geistliche und Kaufleute standen am Anfang dieser Entwicklung, doch bereits im 15. Jahrhundert versuchte Iwan III. (1462–1505) Fachleute für einen längeren Aufenthalt in Russland zu gewinnen.
Mit der Hinwendung Russlands zu Europa durch Peter I. (1689–1725) stieg der Bedarf an ausländischen Fachleuten sprunghaft. Unter den angeworbenen Offizieren, Wissenschaftlern, Baumeistern und Handwerkern waren zahlreiche Untertanen deutscher Fürsten. Die meisten von ihnen blieben in Russland nur für eine begrenzte Zeit, ein Teil aber für immer. Sie bildeten die Anfänge der städtischen deutschen Bevölkerung.
Mit dem Regierungsantritt der Zarin Katharina II. (1762–1796) erfuhr die russische Ausländerpolitik eine grundlegende Wandlung. Die außenpolitische Expansion mit der Stoßrichtung Schwarzes Meer und Balkan im Süden und Polen im Westen wurde von Bemühungen zur wirtschaftlichen Erschließung des Landes begleitet. Dabei ließ sich Katharina II. (Prinzessin Sophie Friederike Auguste von Anhalt-Zerbst) von denselben merkantilistischen, auf die Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstands des Landes zielenden Vorstellungen leiten, die auch in Preußen, Österreich-Ungarn, Dänemark und in den britischen Kolonien Nordamerikas zur Stärkung des jeweiligen Staates beitragen sollten. Der „Populationstheorie“ (mehr Arbeitskräfte = stärkere Wirtschaftskraft) entsprechend erhoffte man, den wirtschaftlichen Aufschwung des Landes vor allem durch die Einwanderung ausländischer Arbeitskräfte erreichen zu können.
Russland stand vor dem Problem, dass es über keine ausreichende Reserve an persönlich freien Siedlern verfügte. Die Bauern waren durch die Leibeigenschaft an ihre Grundherren gebunden. Siedler konnten daher nur im Ausland gewonnen werden.
Am 22. Juli 1763 erließ Katharina II. ein Einladungsmanifest, in dem ausländischen Kolonisten bei ihrer Umsiedlung nach Russland eine Reihe von Privilegien in Aussicht gestellt wurde. Dies waren: Religionsfreiheit, Befreiung vom Militär- und Zivildienst, Steuerfreiheit für bis zu 30 Jahren, Selbstverwaltung und staatliche Unterstützung bei der Umsiedlung. Das Manifest wurde an verschiedenen europäischen Höfen verbreitet. Das größte Echo fand es in den hessischen Territorien, in Nordbayern, in Nordbaden, in der Pfalz und in einigen Teilen der Rheinprovinz. Diese Landesteile hatten besonders stark unter dem Siebenjährigen Krieg (1756–63) gelitten.
Zwischen 1764 und 1767 wanderten zwischen 23000 und 29000 Personen aus Deutschland nach Russland aus. Unter den Auswanderern war auch eine kleinere Anzahl von Franzosen, Holländern und Schweden. Die Kolonisten kamen über Lübeck und die Ostsee nach Russland. Einen Teil der Einwanderer siedelte man in der Nähe Petersburgs an, die meisten jedoch wurden für die Kolonisation der Wolgasteppen in der Nähe des Städtchens Saratow bestimmt. Dort gründeten sie insgesamt 104 Kolonien, von denen einige durch Nomadenüberfälle vernichtet wurden.
Die Kolonisten bekamen je Familie rund 30 Hektar Land zur Bewirtschaftung. Das Land wurde der jeweiligen Kolonie zum erblichen Besitz überlassen. Der Rechtsstatus der Kolonisten war aber unterschiedlich. Der größte Teil der Kolonisten hatten sich von Regierungskommissaren anwerben lassen und bekam die im Einladungsmanifest genannten Privilegien. Sie waren formal freie Bauern. Eine Reihe von Kolonien wurden von privaten Lokatoren (von den Landesherren beauftragten Gründern) gegründet. Die Einwohner dieser Kolonien mussten von Anfang an den zehnten Teil ihrer Ernte an die Lokatoren bzw. deren Bevollmächtigten abführen. Sie gerieten in ein Hörigkeitsverhältnis und hatten mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Lage begann sich erst zu normalisieren, nachdem alle Kolonien im Jahre 1779 dem Fürsorgekomitee für Ausländer und dessen Kontor in Saratow unterstellt worden waren.
Die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien bei Petersburg und an der Wolga blieb in den ersten Jahrzehnten hinter den Erwartungen zurück. Die russische Regierung glaubte aber weiterhin an den Nutzen einer ausländischen Kolonisation. In den Jahren 1800 bis 1803 wurde die „Instruktion für die innere Ordnung und Verwaltung“ für die Kolonien gesetzlich verankert. Damit waren die Selbstverwaltung der Kolonien durch Personen ihres Vertrauens gesichert und die Voraussetzungen für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung geschaffen. |
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10. Februar 2012
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Dossier |
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Russland
Von Osteuropa bis in den äußersten Osten Asiens: So weit sich Russland erstreckt, so vielfältig ist auch das Land. Ein Überblick über Geschichte, Politik, Gesellschaft, Kultur und Geografie eines Landes zwischen Autokratie und Modernisierung. |
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