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Informationen zur politischen Bildung (Heft 270)
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Wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik |

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Werner Bührer
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In der ersten Hälfte der siebziger Jahre mehrten sich die Anzeichen, dass der gut zwei Jahrzehnte dauernde, nur durch die Rezession von 1966/67 kurz unterbrochene Boom mit hohen Wachstumsraten, steigenden Einkommen und niedriger Arbeitslosigkeit allmählich zu Ende ging:
- Im August 1971 beschloss die amerikanische Regierung, Dollars nicht länger gegen Gold einzulösen, und brachte damit die 1944 in Bretton Woods vereinbarte internationale Währungsordnung zu Fall. Das Bretton-Woods-System, dem die westlichen Industrieländer und später auch einige „Entwicklungsländer“ angehörten, beruhte auf dem „Gold-Dollar-Standard“, das heißt einer Einlösepflicht der Leitwährung Dollar in Gold und festen Wechselkursen der übrigen Mitgliedswährungen gegenüber dem Dollar;
- 1972 schärfte der „Club of Rome“, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern und Industriellen, mit seinem alarmierenden Bericht über die „Grenzen des Wachstums“ den Blick für die drohende Erschöpfung der natürlichen Lebensgrundlagen;
- im Juli 1972 trat Karl Schiller von seinem Amt zurück, weil seine Forderung nach einer stabilitätspolitischen Kurskorrektur im Bundeskabinett auf taube Ohren stieß; als Wirtschafts- und zuletzt auch als Finanzminister war er zuvor der wichtigste Fürsprecher einer antizyklischen, auf die Stimulierung der Nachfrage zielenden und Haushaltsdefizite bewusst in Kauf nehmenden staatlichen Wirtschafts- und Fiskalpolitik gewesen, wie sie der britische Wissenschaftler John Maynard Keynes (1883–1946) als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise seit den dreißiger Jahren propagiert hatte;
- im Oktober 1973 nahmen die arabischen Erdöl exportierenden Länder den „Yom-Kippur-Krieg“ mit Israel zum Anlass, den Preis für Erdöl drastisch zu erhöhen und die Liefermengen zu verringern – ein Schritt, auf den die Bundesregierung mit energiesparenden Maßnahmen wie Sonntagsfahrverboten und Geschwindigkeitsbegrenzungen reagierte;
- die Inflationsrate erreichte 1973 die Sieben-Prozent-Marke;
- schließlich stagnierte das Bruttosozialprodukt 1974 im Vergleich zum Vorjahr – nach einem Anstieg um 4,7 Prozent von 1972 auf 1973.
Einige dieser Probleme waren ohne Verschulden der Bundesregierung entstanden; andere, etwa die im Vergleich zur Entwicklung in den beiden Jahrzehnten zuvor hohe Inflationsrate und das wachsende Haushaltsdefizit, resultierten zumindest teilweise aus einer expansiven staatlichen Ausgabenpolitik und einer „Lohnoffensive“ der Gewerkschaften und waren insofern durchaus „hausgemacht“.
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10. Februar 2012
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