Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Informationen zur politischen Bildung (Heft 273)

Tausend Jahre wechselvoller Geschichte


Dieter Bingen
Inhalt

Einleitung

Aufstieg zur Großmacht

Staatlicher Zerfall

Wiedererstehung zwischen den Weltkriegen

Zweiter Weltkrieg

Zeit der Volksdemokratie

Vorreiter des Umbruchs im Ostblock

Aufstieg zur Großmacht
Boleslaw I. Chrobry erwarb 1025 als erster polnischer Herrscher mit päpstlicher Billigung die Königswürde. Unter seinen Nachfolgern kam es zu Verlusten und Wiedergewinn von Grenzprovinzen im Westen (endgültiger Verlust Pommerns 1181) und im Osten, wobei festzuhalten bleibt, dass nur Groß- und Kleinpolen (Gebiet zwischen Krakau, Tschenstochau, Radom, Sandomierz), Masowien (Landschaft beiderseits der mittleren Weichsel, Zentrum Warschau) und Schlesien im frühen und hohen Mittelalter dauerhaft zum polnischen Staatsgebiet gehörten. 1339/53 schied Schlesien aus dem polnischen Staatsverband aus und wurde als Teil Böhmens mittelbar Bestandteil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1320 erfolgte die dauerhafte Erhebung Polens zum Königreich.

Verheerende Einfälle der heidnischen Pruzzen veranlassten Konrad I. von Masowien (Mazowiecki, 1194–1247) zu einem Hilferuf an den 1198 im Heiligen Land gegründeten Deutschen Ritterorden, dem er 1230 das Kulmer Land versprach. Der Orden entwickelte sich schnell zu einer völlig eigenständigen Militärmacht und zu einer Gefahr für die Stellung der piastischen Fürsten in den nördlichen Provinzen Polens. Er konnte erst in der Schlacht bei Grunwald (Tannenberg) im Juli 1410 durch ein vereintes polnisch-litauisches Heer bezwungen werden.

Diese Auseinandersetzung wurde in Polen lange zum Sinnbild eines dauerhaften deutsch-polnischen Gegensatzes stilisiert, während eine parallel zum Aufstieg des Deutschen Ritterordens stattfindende positive deutsch-polnische Begegnung im allgemeinen Bewusstsein zurückgedrängt wurde: Bereits seit dem 12. Jahrhundert vollzog sich die „deutsche Ostsiedlung“ auf Einladung der polnischen Herren. Sie war keine aggressive Bewegung, sondern eine ökonomische, rechtliche und kulturelle Leistung, von der Deutsche, Polen und andere im Königreich siedelnde Ethnien profitierten und die bis ins 14. Jahrhundert andauerte.

Polnisch-Litauische Personalunion

Unter den letzten Piasten im 14. Jahrhundert, die ohne männliche Erben blieben, musste die Zustimmung des polnischen Adels zur Nachfolge der Töchter mit weitreichenden Konzessionen erkauft werden, die diesem Stande eine fast völlige Steuerfreiheit, den politischen Alleinvertretungsanspruch und die Mitwirkung an der Königswahl garantierten.

Die Eheschließung Jadwigas, der Tochter von Ludwik I. (Wielki, 1370–82), mit dem bis dahin heidnischen Großfürsten von Litauen, Jagiello (1386–1434), begründete 1386 eine – mehrfach unterbrochene – polnisch-litauische Personalunion, die erst 1569 in Lublin in eine Realunion umgewandelt wurde. Mit der Taufe Jagiellos und der heidnischen Mehrheit des litauischen Volkes wurde die Christianisierung Europas zum Abschluss gebracht. Die Jagiellonen leiteten eine nach Osten und Südosten ausgerichtete Politik ein, im Unterschied zu der auf westlichen Territorien begründeten „piastischen Orientierung“ der Vergangenheit.

Erfolge im Konflikt mit dem Deutschen Orden führten 1466 zu Gebietsgewinnen: Pommerellen mit Danzig, das Kulmer und Michelauer Land, Elbing und die Marienburg, das so genannte königliche (= polnische) Preußen, fiel den Jagiellonen zu. Das östliche Preußen mit Königsberg verblieb zunächst beim Deutschen Orden und kam 1618 zu Brandenburg, das dem Königreich Polen im Westen zu einer schicksalhaften Herausforderung werden sollte. Im Osten und Südosten fanden sich die Jagiellonen der zunehmend ernster werdenden Bedrohung durch das aufstrebende Großfürstentum Moskau und durch die Osmanen ausgesetzt.

Der zu einer Einheit zusammenwachsende polnisch-litauische Adel nutzte die häufigen außenpolitischen Verwicklungen dazu, dem jeweiligen Herrscher weitergehende Rechte abzuringen. Nach einer Habeas-Corpus-Akte (Schutz der persönlichen Freiheit, 1430/33) wurde dem regionalen Kleinadel 1454 eine Mitwirkung an der Landesregierung zugestanden, die 1493 zur Einrichtung eines Reichstages (Sejm) mit zwei Kammern führte, dem aus höchsten königlichen Beamten bestehenden Senat und der Landbotenstube, besetzt mit Vertretern der Landtage des Adels der Provinzen (Wojewodschaften),. Nach 1505 musste der König den Reichstag im Zweijahresturnus zu sechswöchigen Beratungen einberufen und seine Beschlüsse ausführen.

Die bereits 1454 vom Adel durchgesetzte rechtliche Benachteiligung von Stadtbürgern und Bauern schritt weiter fort. Der Handel der Städte wurde durch Reichstagsbeschlüsse stark eingeschränkt. Um genügend Arbeitskräfte zu haben, banden die Grundherren die Bauern immer mehr an die Scholle. Seit 1496 war es den Bauern polnischen Rechts verboten, sich bei Streitigkeiten mit ihren Herren an ein königliches Gericht zu wenden. Das 1538 verschärfte Monopol des adligen Grundbesitzes und die privilegierte soziale und politische Stellung des Kleinadels ebneten den Weg zum Niedergang der Städte sowie zur Entrechtung und langandauernden Verelendung der Bauern. Insbesondere auf literarisch-künstlerischem Gebiet erlebte Polen unter den letzten Jagiellonen im 16. Jahrhundert dagegen sein „Goldenes Zeitalter“.

Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
Aus Politik und Zeitgeschichte (B 19-20/2002)
EU-Außenpolitik
EU-Außenpolitik
Die Außenpolitik der Europäischen Union befindet sich in einer merkwürdigen Lage: Es werden immer größere Anforderungen an sie gestellt, sie sieht sich vor immer weiter gehenden Erwartungen - aber eigentlich gibt es sie kaum, oder nur in Ansätzen.
EU-Außenpolitik