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Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)
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Die Deutschen in Polen |

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Joachim Rogall
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Im Jahre 1949 wurden die Ausweisungen eingestellt. Die noch im Lande befindlichen Deutschen wurden nun in erster Linie als wichtige Arbeitskräfte betrachtet, die man nach Möglichkeit halten wollte.
Die gesetzliche Diskriminierung wurde beendet und in den Oder-Neiße-Gebieten etwa 250000 Deutsche als Minderheit anerkannt. Die größten Gruppen gab es in Niederschlesien, vor allem im Industriegebiet von Waldenburg (Walbrzych) und in Hinterpommern um Stolp (Slupsk) und Köslin (Koszalin).
In den folgenden Jahren konnte sich dort ein bescheidenes kulturelles Leben entwickeln. Es entstanden deutsche Volks-, Berufs- und Oberschulen, Laienspiel- und Gesangsgruppen, Büchereien und Lesestuben. Seit 1951 wurde die deutschsprachige Zeitung „Arbeiterstimme“ herausgegeben, bis 1955 als Wochenblatt, dann bis Mitte 1958 als Tageszeitung, zuletzt bis Ende 1958 wieder als Wochenschrift.
1957 entstand in Breslau eine „Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft“ mit rund 7000 Mitgliedern in Niederschlesien und Pommern. Deutsche Gottesdienste gab es für Protestanten und Katholiken.
Ab 1955 wurde durch Vermittlung des Roten Kreuzes eine Familienzusammenführung ermöglicht, die durch die immer stärkere Abwanderung dem Kulturleben der deutschen Minderheit den Boden entzog. Von 1955 bis 1959 wurden im Rahmen der Familienzusammenführung rund 250000 Deutsche in die Bundesrepublik und West-Berlin sowie weitere 40000 in die DDR umgesiedelt. Es handelte sich in erster Linie um die Angehörigen der deutschen Minderheit, obgleich auch viele „Autochthone“ in Masuren und Oberschlesien die Ausreise beantragt hatten.
Angesichts der geringen Zahl der verbliebenen anerkannten Deutschen stellte Polen 1960 seine Förderung der deutschen Kulturpolitik ein und bestritt bis 1989 als einziges Land im sowjetischen Herrschaftsbereich die Existenz einer deutschen Minderheit.
Lage der zweisprachigen Deutschen
Der größte Teil der Deutschen in der Volksrepublik Polen, nämlich rund 1,4 Millionen, davon die meisten im oberschlesischen Industriegebiet, war als „Autochthone“ von der Förderung der deutschen Minderheit ausgeschlossen gewesen.
Trotz entsprechender Anträge wurden weder in Oberschlesien noch in Masuren deutsche Schulen eingerichtet. Hier wollten die polnischen Behörden ihre Polonisierungspolitik, die durch Kindergarten, Schule und Militär gefördert wurde, nicht gefährden.
Die polnischen Hoffnungen auf eine rasche Eingliederung der „Autochthonen“ in das polnische Volk erfüllten sich jedoch nicht. Die Eroberung durch die Rote Armee hatten viele Masuren und Oberschlesier keineswegs als „Befreiung vom deutschen Joch“ erlebt. Die nachfolgenden Plünderungen und das Verhalten der polnischen Zuwanderer, welche entgegen der offiziellen Propaganda die Einheimischen nicht als „befreite Landsleute“, sondern fast ausnahmslos als Deutsche betrachteten, waren ebenfalls nicht geeignet, Sympathien für Polen zu wecken. Das erzwungene Bekenntnis zum polnischen Staat hatte bei der Mehrheit der einheimischen Bevölkerung gerade eine innere Distanzierung von der polnischen Kultur zur Folge.
Die kulturellen Unterschiede zwischen Einheimischen und polnischen Zuwanderern waren groß und verhinderten die rasche Assimilierung.
Paradoxerweise war es gerade das auf dem Lande gesprochene Oberschlesisch, das eine Polonisierung erschwerte. Da es sich stark vom Hochpolnischen unterschied, wurde von den polnischen Behörden, besonders in der Schule, alles versucht, um diese Dialekte zugunsten der polnischen Schriftsprache zu verdrängen. Als Folge wurden diese Dialekte von den Einheimischen anstelle der lange Zeit verbotenen deutschen Sprache zur Abgrenzung von den Polen gebraucht. Zu Hause sprach man oft Deutsch, auf der Straße oberschlesischen Dialekt, in der Schule und mit Behörden Polnisch. Die polnischen Bemühungen, durch Zwangsassimilierung der so genannten Autochthonen einen einheitlichen polnischen Nationalstaat zu schaffen, bewirkten genau das Gegenteil: Die Verstärkung der sozialen und kulturellen Isolation der Deutschen.
Das schon früher stark ausgeprägte Regionalbewusstsein hat sich nach dem Kriege eher noch verstärkt. In erster Linie war man Oberschlesier, womit man sich von „den“ Polen, manchmal aber auch von „den“ Deutschen abgrenzte, wobei die gefühlsmäßige Bindung an Deutschland aber überwog. |
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10. Februar 2012
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Dossier |
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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Das Dossier Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg bietet einen umfassenden Überblick vom Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik bis zum Weltkriegsende 1945. Es beschäftigt sich zudem mit Fragen des Wiederaufbaus und der Erinnerung an diese Zeit. |
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