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Informationen zur politischen Bildung (Heft 255)

Zu diesem Heft


Jürgen Faulenbach

“Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts europäische und amerikanische Reisende ihre Aufmerksamkeit verstärkt den abgelegenen Inseln Japans zuwandten, ließen sie es sich kaum träumen, daß innerhalb eines Jahrhunderts das geheimnisvolle ,Reich des Mikado‘ sich in einen der führenden Staaten der modernen Welt verwandelt haben würde.” Mit diesen Sätzen beginnt John W. Hall seine “Geschichte des japanischen Kaiserreiches”. In ihrem Erscheinungsjahr, 1968 lag Japan in der Rangfolge der wichtigsten Industriestaaten an sechster Stelle. Heute, kaum 30 Jahre später, ist es auf Platz zwei der Weltwirtschaftsmächte vorgerückt und hat damit auch die Bundesrepublik Deutschland überflügelt. Die Erfolge Japans auf den Weltmärkten und gerade auch in Europa waren wegen ihrer zum Teil zweistelligen Zuwachsrate für alle Beobachter Langezeit atemberaubend. Deshalb wird der fernöstliche Staat vielfach noch immer als “Japan AG”, das heißt als “Nur-Wirtschaftsfaktor” angesehen.

Trotz des selbstverständlichen Umgangs mit japanischen Produkten gibt es in Deutschland oft nur geringe Kenntnisse und begrenztes Interesse am Land, seiner Politik oder an der Lebenssituation seiner Menschen. Dabei hat es in den letzten etwa 130 Jahren zeitweise enge staatliche Beziehungen - Deutschland galt vor allem Ende des 19. Jahrhunderts als das Vorbild Japans - und in mancherlei Hinsicht eine parallele Entwicklung beider Staaten gegeben. Nahezu gleichzeitig traten sie in die Weltpolitik ein, nachdem die Meiji-Restauration 1868 und die Reichsgründung 1871 jeweils zu einer zügigen Modernisierung und zu einer Beschleunigung der Industriealisierung geführt hatten. In den 30er Jahren betrieben beide Staaten eine expansionistische Außenpolitik; Seite an Seite forderten sie dann in verbrecherischer Selbstüberhebung die übrigen Staaten der Welt militärisch heraus. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erlebten beide Gesellschaften ein staunenswertes Wirtschaftswunder. Derzeit müssen sich beide Staaten mit einer tief empfundenen Wirtschaftskrise auseinandersetzen. Auch wenn Japan unter einer vergleichsweise niedrigen Arbeitslosigkeit von 3,4 Prozent leidet, wird dort in sehr ähnlicher Weise wie in Deutschland über grundlegende Strukturreformen in Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert.

Das vorliegende Heft versucht, einen Einblick in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft Japans, in seine aktuellen Probleme und in seine strukturbestimmenden Traditionen zu geben. Bei der Schreibweise der japanischen Begriffe haben wir uns wegen der leichteren Lesbarkeit weitestgehend nach den in der hiesigen Publizistik üblichen Versionen gerichtet.
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17. März 2010
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Japan
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