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Massenmedien (Heft 260)

Funktionen der Massenmedien in der Demokratie


Hanni Chill / Hermann Meyn
Inhalt

Einleitung

Informationsfunktion

Meinungsbildungsfunktion

Kritik- und Kontrollfunktion

Politische Funktionen

Kritik- und Kontrollfunktion
Im parlamentarischen Regierungssystem obliegt in erster Linie der Opposition die Aufgabe der Kritik und Kontrolle. Diese wird unterstützt und ergänzt durch die Kritik- und Kontrollfunktion der Medien. Ohne Presse, Hörfunk und Fernsehen, die Mißstände aufspüren und durch ihre Berichte unter anderem parlamentarische Anfragen und Untersuchungsausschüsse anregen, liefe die Demokratie Gefahr, der Korruption oder der bürokratischen Willkür zu erliegen. Gegen den Einwand, Kritik könne dem Ansehen des Gemeinwesens schaden, wird eingewandt: Nicht jene, die Mängel aufdecken, schaden dem Staat, sondern all diejenigen, die für solche Mißstände verantwortlich sind. Andererseits wird argumentiert, die Kontrolle der Medien dürfe sich nicht auf den Staat beschränken, sondern müsse sich auf die gesamte Gesellschaft erstrecken. Den Medien als Teil dieser Gesellschaft könne dabei nicht zugestanden werden, eine Art eigenständige vierte Gewalt neben den Institutionen des demokratischen Staates zu sein.

Wie die Wirkungsforschung hervorhebt, haben viele Medien über die erwähnten Funktionen hinaus weitere übernommen, zum Beispiel die Thematisierungsfunktion. Diese "agenda setting function", wie sie in den USA heißt, bedeutet, daß diejenigen, die die unterschiedlichen Medien lesen, hören und sehen, genau die Themen für wichtig halten, die darin behandelt werden. Die Medien sind jedoch nicht nur entscheidend dafür verantwortlich, welche Themen auf der Tagesordnung stehen, sondern sie legen auch fest, in welcher Rangfolge der Dringlichkeit diese Themen behandelt werden.

Öffentliche Meinung

Die von den Medien veröffentlichten Meinungen sind nicht mit der sogenannten öffentlichen Meinung gleichzusetzen, einem Begriff, um dessen genaue Beschreibung sich die Gelehrten seit Sokrates bis heute streiten. Öffentliche Meinung, darin spiegeln sich nach dem Verständnis der einen die ungeschriebenen Gesetze wider, beispielsweise die Mode, lange oder kurze Haare zu tragen. Öffentliche Meinung, das ist für die anderen das Urteil der politischen Elite. Auf welche Definition man sich auch immer verständigt, fest steht, daß die öffentliche Meinung die Regierenden wie die einzelnen Bürgerinnen und Bürger mehr oder weniger zwingt, sie zu respektieren - die einen, um nicht die Macht zu verlieren, die anderen, um nicht in Isolation zu geraten und aus der Gemeinschaft ausgegrenzt zu werden.

Die Publizistikwissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann, die sich mit dem Problem der Entstehung der öffentlichen Meinung befaßt hat, bietet als Beschreibung des wissenschaftlich so umstrittenen wie ungeklärten Phänomens an: "Öffentliche Meinung ist gegründet auf das unbewußte Bestreben von in einem Verband lebenden Menschen, zu einem gemeinsamen Urteil zu gelangen, zu einer Übereinstimmung, wie sie erforderlich ist, um zu handeln und wenn notwendig entscheiden zu können."

Der Presserechtler Martin Löffler bietet in seinem Handbuch des Presserechts eine andere Definition an. Sie lautet: "Öffentliche Meinung ist die während eines gewissen Zeitraums in einem größeren, individuell nicht bestimmten Teil der Bevölkerung vorherrschende übereinstimmende Ansicht bzw. Einstellung zu Personen, Ereignissen oder Zuständen."

So umstritten der Begriff der öffentlichen Meinung ist, so widersprüchlich sind auch die Versuche der Wissenschaftler, ihre Entstehung zu klären. Eine Erklärungsmöglichkeit bietet Elisabeth Noelle-Neumann mit ihrer Theorie der Schweigespirale an. Sie besagt: Die Menschen wollen sich nicht isolieren und beobachten deshalb ihre Umwelt. Wer sieht, daß seine Meinung über einen Sachverhalt oder eine Person zunimmt, redet öffentlich darüber. Wer hingegen merkt, daß seine Meinung seltener zu hören ist, schweigt. "Indem die einen laut reden, öffentlich zu sehen sind, wirken sie stärker, als sie wirklich sind, die anderen schwächer, als sie wirklich sind. Es ergibt sich eine optische und akustische Täuschung für die wirklichen Mehrheits-, die wirklichen Stärkeverhältnisse, und so stecken die einen andere zum Reden an, die anderen zum Schweigen, bis schließlich die eine Auffassung ganz untergehen kann" (Elisabeth Noelle-Neumann).
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10. Februar 2012
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