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Informationen zur politischen Bildung (Heft 272)
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Horn von Afrika |

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Konrad Schliephake
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Kräfte der Tektonik, die in Zusammenhang stehen mit den Grabenbrüchen des Roten Meeres und Ostafrikas, haben als einmalige Besonderheit in Afrika das Äthiopische Hochland geschaffen. Wie eine natürliche Festung ragt es über die randlichen, meist wüsten- und steppenhaften Ebenen hinaus, mehrere Gipfel erreichen über 4000 Meter (Ras Dashen: 4620 Meter).
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Die wegsamen Teile der Hochländer sind bis heute Bauern- und Kulturlandschaft. Hier wohnt die Mehrzahl der 69,8 Millionen (2001) Äthiopier, die immer noch zu 83 Prozent von der Landwirtschaft leben.
Durch die Höhenlage erhält Äthiopien mit durchschnittlich 744 Millimetern pro Jahr die höchste Regengabe aller Staaten Nord- und Nordostafrikas (Addis Abeba: 1144 Millimeter). Dies macht das Hochland mit seinen fruchtbaren Basaltverwitterungsböden zur Kornkammer, die sich auch heute noch selbst ernähren kann und Lebensmittel exportiert, vor allem Kaffee, Sesam und Hülsenfrüchte. Zum anderen ist es als "hydrologisches Steuerungszentrum" Heimat der Ströme Atbara, Abay/Blauer Nil und Sobat. Sie bringen dem Fremdlingsfluss Nil das notwendige Wasser und tragen daneben jährlich 130 Millionen Tonnen fruchtbare Sedimente von den Basaltböden in den Sudan und nach Ägypten.
Die Randstaaten Äthiopiens sind von der Natur weniger glücklich ausgestattet worden.
Zum 1993 ursprünglich friedlich abgetrennten Eritrea mit vier Millionen Einwohnern gehört der Küstenstreifen der Danakilwüste, wo Massawa, mit durchschnittlich 30 Grad Celsius Jahrestemperatur (gemeinsam mit Dschibuti) einer der heißesten Orte der Welt, liegt. Bevölkerung und landwirtschaftliche Nutzflächen (vier Prozent der Staatsfläche) konzentrieren sich auf die Hochländer im Westen mit der Hauptstadt Asmara.
Die Entstehung des Kleinstaates Dschibuti mit seinen 0,7 Millionen Einwohnern ist nur aus den Konzepten kolonialer Strategen zu verstehen. Hier wollte seit 1862/1892 das imperiale Frankreich an der Kontrolle des Seeweges von Indien zum Mittelmeer teilhaben und gleichzeitig den Zugang zum Äthiopischen Hochland kontrollieren, wohin es 1897 bis 1915 eine Eisenbahn baute. Geringe Niederschläge (durchschnittlich 147 Millimeter pro Jahr) und die von vulkanischen Laven beidseits des Afargrabens (tiefste Stelle: 173 Meter unter dem Meeresspiegel) geprägte Oberfläche erlauben kaum landwirtschaftliche Produktion jenseits der Viehzucht (Lebendviehexporte zur Arabischen Halbinsel). Die Auseinandersetzungen zwischen Äthiopien und Eritrea haben allerdings die nach Abzug eines Großteils der französischen Truppen (Fremdenlegion) stagnierende Transitfunktion des Hafens als Alternative zu Massawa und Assab wieder etwas gestärkt.
Somalia – das eigentliche Horn von Afrika – besteht im Nordteil des insgesamt durchschnittlich nur 253 Millimeter Niederschlag empfangenden Landes aus Küstenwüsten und bis 2400 Meter hohen trockenen Gebirgsländern. Daran schließt sich südlich ein breites, steppenhaftes Küstentiefland an. Lediglich die Fremdlingsflüsse aus dem Äthiopischen Hochland (Webi Shabeelli, Jubba) ermöglichen Bewässerungslandwirtschaft mit Bananen, Zuckerrohr und Hirse. Mit dem Zerfall des Staatswesens fehlt die Kraft zu Organisation und Ausbau von Landwirtschaft und Gewerbe. Der Weidedruck des Viehs als einzigem und wichtigstem (offiziellem) Exportgut zerstört die Reste der natürlichen Wald- und Strauchvegetation, die 1990 noch 25 Prozent der Landfläche bedeckten.
Im Unterschied zum nördlichen Afrika fehlen im Nordosten bedeutende Bodenschätze. Einzig der handwerkliche Goldabbau in Äthiopien sowie die Meersalzgewinnung (Salinen) an den Küsten, vor allem in Dschibuti, haben eine alte Tradition.
Bevölkerungsdruck und territoriale Konflikte verhindern heute die Inwertsetzung des – im Vergleich zum übrigen Nordafrika – durchaus günstig ausgestatteten Gebietes mit seiner uralten staatlichen Tradition. Es hat einmal der Welt so wertvolle Dinge wie Kaffee (Heimat: Äthiopisches Hochland), Weihrauch und Myrrhe (Somalia) geschenkt: Heute scheinen seine Ränder zu den hoffnungslosesten Dauerkrisengebieten der Welt zu gehören. |
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10. Februar 2012
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