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Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)

Die Situation in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)


Ute Heinen
Inhalt

Einleitung

Staatenbildung und Migration

Aussiedlung und Bleibehilfen

Schwierige Lage

Autonomiebestrebung

Nationale Rayons in Westsibirien

Kirchengemeinden

Bildung

Kulturelles Leben und Identität

Staatenbildung und Migration
Alle Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion erlebten einen rasanten wirtschaftlichen Niedergang, wobei das traditionelle Nord-Süd-Gefälle grundsätzlich erhalten blieb. Produktivitätsrückgang durch den Abbau planwirtschaftlicher Lenkung ohne gleichzeitigen Aufbau marktwirtschaftlicher Strukturen, Importdruck durch den Wegfall der außenwirtschaftlichen Abschottung, mangelnde Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, sinkende Realeinkommen der Bevölkerung sowie ausbleibende Gehaltszahlungen, Kaufkraftverlust und Arbeitslosigkeit sind einige der Faktoren, die das Bild in den neunziger Jahren in mehr oder minder großem Umfang prägten. Verminderte staatliche Anwendungen für Bildung und Gesundheitsversorgung zählten zu den Folgen. Die soziale Lage der Bevölkerung verschlechterte sich, viele Menschen, insbesondere Alte, Alleinerziehende und kinderreiche Familien gerieten an den Rand der Verarmung. „Nach Angaben des Instituts für Wirtschaftsforschung im Wirtschaftsministerium Kasachstans kann das derzeitige Durchschnittseinkommen nicht einmal das vom Arbeitsministerium berechnete Existenzminimum sichern. Große Teile der Bevölkerung – Schätzungen schwanken zwischen 62 und 89 Prozent – leben in absoluter Armut. Auf drei Beschäftigte kommen zehn Arbeitslose. Zudem ist das staatliche Gesundheitswesen fast völlig zusammengebrochen. Medikamente sind für die Mehrheit der Bevölkerung kaum noch erschwinglich“ (Info Dienst 35/1999).

Die Konsolidierung neuer Nationalstaaten auf dem Territorium des Vielvölkerstaates Sowjetunion verschärfte die Lage. Das Fehlen klarer ethnischer Grenzen vieler Staaten, Konflikte innerhalb ethnischer Gruppen (zum Beispiel in Tadschikistan) und hohe Minderheitenanteile an der jeweiligen Landesbevölkerung (Kasachstan bildete den Spitzenreiter mit nur 40,1 Prozent Kasachen an der Gesamtbevölkerung) waren maßgebliche Faktoren dieser Problemsituation. 60 Millionen Menschen lebten außerhalb der Republiken ihrer Titularnation, 40 Millionen in ethnischen Mischehen.

Insbesondere in den mittelasiatischen Staaten bahnten sich Interessen zur Wiederbelebung der von der Sowjetunion unterdrückten kulturellen, sprachlichen und religiösen, das heißt islamischen, Identität den Weg.

Die Stärkung der jeweiligen Titularnation durch die Erhebung der eigenen Sprache zur Staatssprache wie auch die Unterstützung der Rückwanderung außerhalb des Staatsgebietes lebender Angehöriger der Titularnation (allein 60000 Kasachen kehrten mit Unterstützung der kasachischen Regierung aus der Mongolei zurück) bedingten einen verstärkten Verdrängungsdruck gegenüber den Minderheiten. Die russische Sprache hat jedoch in allen Staaten der GUS einen hohen Stellenwert als Verkehrssprache beibehalten. So wurde eine gigantische Bevölkerungsbewegung in Gang gesetzt, innerhalb derer zwischen 1989 und 1995 neun Millionen Menschen, oft unfreiwillig, ihre Siedlungsgebiete verließen, darunter Russen, Ukrainer, Weißrussen und Russlanddeutsche.
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10. Februar 2012
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