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Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)
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Die Situation in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) |

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Ute Heinen
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In den deutschen Kirchengemeinden ist die Aussiedlungswelle und der Erhalt der deutschen Sprache ein zentrales Thema. Insbesondere in den asiatischen Staaten der GUS werden deutsche Gemeinden aufgelöst oder als russischsprachige Gemeinden weitergeführt. Die mennonitischen Gemeinden haben sich durch die Aussiedlung vieler Mitglieder stark verkleinert. Durch die hohe Fluktuation auch bei den Geistlichen verloren die Gemeinden an Autorität.
Mit der Genehmigung zur Einsegnung eines lettischen Pastors als Bischof in Riga 1988 ließ die Sowjetunion ihr Einverständnis mit dem Aufbau einer lutherischen deutschen Kirche in der Sowjetunion erkennen, die sich als „Evangelisch-lutherische Kirche in Russland und anderen Staaten“ (ELKRAS) konstituierte. Seither werden in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion Superintendenturen eingerichtet. Nach der Rückgabe der Petrikirche an die ELKRAS im Jahr 1992 wurde Sankt Petersburg zum Bischofssitz. Die Kirche, die nach der Säkularisierung zunächst als Lagerhalle und von 1963 bis 1992 als Schwimmbad gedient hatte, wurde renoviert und im September 1997 feierlich wieder eingeweiht. Auch in vielen anderen Städten werden von den Russlanddeutschen mit wechselndem Erfolg Verhandlungen über die Rückgabe von Kirchen geführt. Viele Gemeinden sind jedoch mit der Restaurierung der oft in sehr schlechtem Zustand befindlichen Bauwerke überfordert.
Die Evangelisch-lutherische Kirche steht Ende der neunziger Jahre im Spannungsfeld zwischen den überwiegend noch in den Deportationsgebieten bestehenden, sehr traditionalistisch orientierten und zum Teil überalterten Brüdergemeinden einerseits und der Amtskirche andererseits, gegen die die Brüdergemeinden seit jeher starke Vorbehalte haben. Parallel dazu haben sich seit 1990 vor allem in den russischen Städten aus deutschen Klubs und Vereinigungen neue liberale Kirchengemeinden gebildet, die großen Wert auf deutschen Gottesdienst legen und deren Mitglieder intensiv Deutsch lernen. Mit ihrer liberalen Orientierung und ihrem Anspruch an Kultur und Bildung bilden sie einen Gegenpol zu den Brüdergemeinden, von denen sie als „Kulturprotestantismus“ abgelehnt werden. Die Auseinandersetzung gipfelte im Januar 1996 in der Abspaltung der „Evangelischen Brüdergemeinde Odessa und Umgebung“ von der Amtskirche. Die Evangelisch-lutherische Kirche versucht, die Ausbildung der Geistlichen seit 1991 durch Fortbildungskurse zu stärken und gründete in der Nähe von Sankt Petersburg ein Predigerseminar, das am 12. April 1997 mit drei Dozenten und zwölf Studierenden – in russischer Sprache – seinen Betrieb aufnahm. Angesichts der großen Auswanderung fällt die Konsolidierung jedoch schwer.
Dies gilt in ähnlicher Weise für die Katholische Kirche, wo sich in den Deportationsgebieten in erster Linie ein sehr konservatives Kirchentum erhalten hat. Die Gemeinden waren weitgehend isoliert vom kirchlichen Zentrum im Vatikan. Im Zuge der Perestroika wurden Kirchenadministrationen eingerichtet. Nowosibirsk wurde zum Bischofssitz. Unabhängig davon sind Hierarchien in Weißrussland und in der Ukraine. Eine große Zahl von Gemeindegruppen ließ sich registrieren. In vielen Städten Russlands, der Ukraine und Kasachstans entstehen neue katholische Gemeinden in einer eher modernen Ausprägung, welche den konservativen Gemeinden der ehemaligen Deportationsgebiete fremd sind. Neue Kirchen werden zum Beispiel in Marxstadt, Nowosibirsk oder Pawlodar gebaut. Andere, wie etwa die Kirche der unbefleckten Empfängnis in Moskau, wurden den Gemeinden nach zähem Ringen zurückgegeben. Insgesamt ist dabei die Stellung der Katholischen Kirche wegen historisch begründeter Differenzen mit der orthodoxen Kirche umstrittener als die der protestantischen Kirchen. Nicht nur die Ausreisen in die Bundesrepublik Deutschland, sondern auch die „Entchristlichung“ in der Sowjetzeit tragen bis heute spürbar zu einem eklatanten Mangel an Geistlichen bei.
Während die mennonitischen Gemeinden durch die Aussiedlung keine Rolle mehr spielen, sind seit dem Ende der Sowjetzeit verschiedene Freikirchen aktiv geworden. Neben Baptisten zählen hierzu auch die Neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas und die Pfingstler. Durch großen Aufwand an finanziellen wie personellen Ressourcen aus dem Ausland erzielen sie nicht unerhebliche missionarische Erfolge. |
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19. März 2010
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Dossier |
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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Das Dossier Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg bietet einen umfassenden Überblick vom Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik bis zum Weltkriegsende 1945. Es beschäftigt sich zudem mit Fragen des Wiederaufbaus und der Erinnerung an diese Zeit. |
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