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Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)
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Die Situation in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS) |

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Ute Heinen
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Kulturelles Leben und Identität |
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In den neunziger Jahren zeigten sich positive Ansätze der Wiederbelebung kultureller Gemeinschaften. Mit dem Ziel der Koordinierung aller Bemühungen durch die Zusammenfassung der örtlichen politischen und gesellschaftlichen Vertretungen der Russlanddeutschen wurden mit bundesdeutscher Unterstützung deutsche Häuser eingerichtet. Sie gibt es beispielsweise in Moskau, Nowosibirsk, Tomsk, Almaty, Bischkek oder in Odessa, in denen auch die Projektkoordinatoren angesiedelt sind. Die Häuser sollen auch zu Begegnungsstätten zwischen den Russlanddeutschen und Menschen anderer Nationalitäten werden und Brücken zwischen den Kulturen schlagen. Träger der deutschen Häuser sind die staatlichen Stellen des jeweiligen Gebiets und auf deutscher Seite die GTZ.
Mit großen Begegnungszentren wie der Petrikirche in St. Petersburg und dem 1996 eingerichteten Kirchen- und Kulturzentrum in Omsk wird die Integration zwischen kulturellem und kirchlichem Leben gesucht. Wichtig für die Belebung kultureller Gemeinschaften sind jedoch vor allem die vielen unterschiedlich großen Begegnungsstätten. Sie bieten ein vielfältiges, an der Bedarfslage und den Interessen der Menschen orientiertes Kultur- und Bildungsprogramm. Neben Sprachkursen für verschiedene Altersgruppen sind hier vor allem Laienkunst (Theater, Chöre), Kindergruppen, verschiedene Arbeitsgruppen, Gesprächskreise, Jugendangebote (Ferienlager), Ausbildungsgruppen und Austauschprogramme zu nennen. Bibliotheken, die auch regelmäßig deutsche Zeitschriften erhalten, ermöglichen die Beschäftigung mit deutscher Literatur und verbessern die Informationen über Deutschland. Die Begegnungsstätten werden vielfach auch von nicht-deutschen Besuchern aufgesucht und fördern damit den kulturellen Austausch.
In enger Verbindung mit den Begegnungsstätten hat auch der 1992 gegründete „Internationale Verband der Deutschen Kultur“ (IVDK) seine Arbeit entwickelt, der in dem 1998 fertig gestellten Deutschen Haus Moskau ansässig ist. Mit einem umfassenden Kulturprogramm, das Stadt und Land gleichermaßen erreichen soll und auch Großveranstaltungen wie zum Beispiel das Festival der russlanddeutschen Kultur im Sommer 1997 an der Wolga umfasst, bietet er eine breite kulturelle Plattform. Ferner zählt die Jugendbildung mit der Veranstaltung von Ferienlagern zu den Kernbereichen seiner Tätigkeit. Mit dem Verlag Gotika wurde im Jahr 1996 ein russlanddeutscher Verlag gegründet.
In den letzten Jahren entstanden verschiedene Lehrbücher für den muttersprachlichen Unterricht. An der Staatlichen Universität Nowosibirsk wurde ein Deutsches Forschungszentrum eingerichtet.
Die russlanddeutsche Presse hatte sich in den achtziger Jahren zu einem der wichtigsten Förderer der Informationsverbreitung über russlanddeutsche Geschichte und die Autonomiediskussion entwickelt. Zum Ende der neunziger Jahre zählten zu den wichtigsten Zeitungen: Neues Leben (Moskau), Deutsche Allgemeine Zeitung (ehemals Freundschaft, Almaty), die Zeitung für Dich (ehemals Rote Fahne, Slawgorod) sowie die Moskauer Deutsche Zeitung (wiedergegründet 1998). Viele der Zeitungen, insbesondere die kleineren, stehen vor Problemen, da die hohen Ausreisezahlen die Auflagen schrumpfen lassen. Um dennoch interessierte Leserinnen und Leser zu erreichen, werden viele zweisprachig oder gänzlich in russischer Sprache produziert.
Auch zum Ende des 20. Jahrhunderts haben die Russlanddeutschen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion noch keine volle Rehabilitierung erhalten. Ihre Lebenswirklichkeit ist durch den Niedergang der Volkswirtschaften im Transformationsprozess in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten gekennzeichnet, mit je nach Staat mehr oder weniger weit reichenden Folgen für Lebensstandard, Bildungsmöglichkeiten und nicht zuletzt ihre Minderheitensituation. Trotz umfangreicher Förderangebote und im Einzelnen erfolgreicher Projekte zur Stabilisierung der Minderheiten in ihren Siedlungsgebieten ist die Aussiedlung bei weitem nicht abgeschlossen. Die Frage nach Bleiben oder Gehen stellt sich für jede russlanddeutsche Familie bis heute. |
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10. Februar 2012
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Dossier |
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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Das Dossier Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg bietet einen umfassenden Überblick vom Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik bis zum Weltkriegsende 1945. Es beschäftigt sich zudem mit Fragen des Wiederaufbaus und der Erinnerung an diese Zeit. |
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