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Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)

Geschichte der Deutschen in Rumänien


Anneli Ute Gabanyi
Inhalt

Einleitung

Historischer Überblick

Anfang vom Ende: Krieg, Flucht, Verfolgung

Ausreisen

Chancen und Risiken des Verbleibs in Rumänien

Sinkende Akzeptanz in Deutschland

Stabilisierung und Wandel

Ausreisen
In den ersten Jahren nach dem Machtantritt des neuen rumänischen Staats- und Parteichefs Nicolae Ceauºescu im Jahre 1965 erreichten die begrenzten Liberalisierungsmaßnahmen des Regimes auch die Rumäniendeutschen. Im Jahre 1968 kam es zur Gründung eines so genannten „Rates der Werktätigen deutscher Nationalität“. Es wurden neue deutsche Zeitungen und Zeitschriften ins Leben gerufen, ein Minderheitenverlag gegründet, deutsche Fernsehsendungen eingeführt sowie der landeskundlichen Forschung mehr Spielraum gewährt. Die Minderung des innenpolitischen Drucks und die zeitweilige Liberalisierung fanden jedoch unter den Deutschen nicht das vom Regime erwünschte positive Echo.

Vieles von dem, was seit Kriegsbeginn geschehen war, ließ sich nicht mehr rückgängig machen: die Trennung zahlreicher Familien infolge Krieg, Flucht und Deportation, die Zerstörung der wirtschaftlichen Existenzgrundlage der Deutschen in Stadt und Land, die soziale Deklassierung, die Zerstörung der gewachsenen dörflichen Gemeinschaften sowie der städtischen Mittelklasse, die Liquidierung eines Teils der rumäniendeutschen Eliten, der Verlust des ethno-kulturellen Identitätsgefühls sowie die zunehmende Isolierung vom deutschen Sprach- und Kulturraum.

Nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Bonn und Bukarest 1967 trat für die Rumäniendeutschen das Ziel der Ausreise in den Vordergrund. Sie setzten auf die Fürsprache der Bundesregierung und auf die Bereitschaft der rumänischen Führung, humanitäre Fragen wie die Zusammenführung getrennter Familien im Einklang mit den bei der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte von 1975 eingegangenen internationalen Verpflichtungen zu lösen.

Die deutsche Bundesregierung hatte unter wechselnden Regierungen konsequent an ihrem doppelten Fürsorgeprinzip – Hilfe für die Bleibenden und zugleich Unterstützung für die Ausreisewilligen – festgehalten. Nach der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen stieg die Zahl deutscher Aussiedler aus Rumänien rasant an – von ungefähr 900 pro Jahr im Zeitraum 1950 bis 1967 auf durchschnittlich 3400 jährlich zwischen 1968 und 1971. Zwischen 1973 und 1977, als das Verfahren bereits in einigermaßen geregelten Bahnen verlief, erreichten die Aussiedlerzahlen durchschnittlich 7200 Personen pro Jahr. Anlässlich seines Rumänienbesuchs im Januar 1978 traf Bundeskanzler Helmut Schmidt mit Rumäniens Staats- und Parteichef Nicolae Ceauºescu eine Vereinbarung, wonach Rumänien sich verpflichtete, jährlich zwischen 12000 und 16000 Deutschen die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland zu gestatten. Im Gegenzug sagte der Bundeskanzler die Zahlung eines Pauschalbetrags pro Aussiedler zu. Dieser Betrag stieg von 5000 DM im Jahre 1978 auf 7800 DM zum Zeitpunkt der Wende an.

Seit Beginn der 1980er Jahre verschlechterte sich die Lage der deutschen Minderheit in Rumänien in erheblichem Maße. Infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise im Lande sank der Lebensstandard der gesamten Bevölkerung auf das niedrigste Niveau nach Kriegsende. Seitdem die rumänische Führung den Nationalismus der Mehrheitsbevölkerung zur Staatsideologie erhoben hatte, wuchs der Assimilationsdruck auf die Minderheiten. Der Gebrauch der Muttersprache in der Öffentlichkeit wurde eingeschränkt und viele der begrenzten Liberalisierungsmaßnahmen der sechziger Jahre im kulturellen und schulischen Bereich wurden zurückgenommen.

Die wachsenden Aussiedlerzahlen hatten einen verhängnisvollen Rückkoppelungseffekt zur Folge: Die örtlichen Gemeinschaften zerfielen sowie sinkende Lehrer- und Schülerzahlen an den deutschen Schulen führten zu einem verschlechterten Unterrichts- und Bildungsangebot. Als sich der Eiserne Vorhang nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Ceauºescu-Regimes am 22. Dezember 1989 öffnete, verließen innerhalb von sechs Monaten 111150 Deutsche Rumänien.
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10. Februar 2012
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Die Deutschen in Polen
Geschichte der Deutschen in Rumänien
Die Entwicklung in Russland und in der Sowjetunion
Die Situation in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)
Zuwanderung und Integration in der Bundesrepublik Deutschland
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