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Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)

Geschichte der Deutschen in Rumänien


Anneli Ute Gabanyi
Inhalt

Einleitung

Historischer Überblick

Anfang vom Ende: Krieg, Flucht, Verfolgung

Ausreisen

Chancen und Risiken des Verbleibs in Rumänien

Sinkende Akzeptanz in Deutschland

Stabilisierung und Wandel

Stabilisierung und Wandel
Vordringliches Ziel der Politik der Bundesrepublik Deutschland nach der Wende war die Stabilisierung der deutschen Minderheit in Rumänien. Der Weg dazu führte über die Verbesserung der diplomatischen Rahmenbedingungen in den bilateralen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Rumänien sowie über ein weit verzweigtes Netz vielfältiger materieller Hilfeleistungen. So wurden aufgrund der am 21. April 1992 erfolgten Unterzeichnung des Vertrags über Freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien die rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen für das künftige Überleben der deutschen Minderheit in Rumänien verbessert. In Zusammenarbeit mit der rumänischen Regierung wurden Programme verabschiedet, die es ermöglichen sollen, den Bestand der deutschen Minderheit zu sichern und sie bei der Neugestaltung ihres gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens zu unterstützen. Förderprogramme im Bereich der Landwirtschaft und zur Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben sollen Unternehmern Starthilfen gewähren. Es wurden medizinische und soziale Hilfsprogramme eingeleitet und Maßnahmen zur Ausbildungsförderung sowie zur Sicherung des kulturellen Erbes in Angriff genommen. Allein in den ersten fünf Jahren nach der Wende betrugen die von der Bundesregierung geleisteten Hilfen für die deutsche Minderheit in Rumänien 122 Millionen DM.

Die noch in Rumänien verbliebenen Deutschen und ihre politischen Vertreter haben jedoch auch eigene Vorstellungen von den Rahmenbedingungen, die ihre Fortexistenz in Rumänien zudem positiv beeinflussen könnten. Hierzu gehören die Stabilisierung des sicherheitspolitischen Umfeldes Rumäniens, eine größere Freizügigkeit in der EU, verbesserte Arbeitsmöglichkeiten für Rumäniendeutsche in der Bundesrepublik Deutschland sowie ein breiteres Angebot an Studienmöglichkeiten für rumäniendeutsche Studierende an Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland.

Die Gemeinschaft der Deutschen ist nicht nur infolge der Auswanderung geschrumpft, sondern auch durch die demographische Entwicklung. Nach dem Dezember 1989 waren vor allem junge Menschen massiv ausgewandert. Entsprechend hoch ist das Durchschnittsalter der noch Verbliebenen; die Sterbeziffern betra- gen das Dreifache der Zahl der Neugeborenen.

Die Gründe, die Rumäniendeutsche zum Verzicht auf die Aussiedlung in die Bundesrepublik Deutschland bewegen, sind unterschiedlicher Art. Einige bleiben, weil sie sich in ihrer Eigenschaft als Pfarrer, Lehrer, Schriftsteller oder Wissenschaftler moralisch dazu verpflichtet sehen. Andere harren aus, weil sie Angehörige, die nicht mehr ausreisen wollen oder können, nicht im Stich lassen wollten. In Kreisen der Evangelischen Kirche in Siebenbürgen geht man davon aus, dass es sich bei den Siebenbürgern, die nicht auswandern werden, zunehmend um „Alte und Behinderte, also sozial und physisch Schwache“ handelt. Zur Kategorie jener, die ihre Ausreise hinauszögern, gehören auch Vertreter der mittleren Altersgeneration, die nicht bereit sind oder sich nicht in der Lage fühlen, in der Bundesrepublik einen beruflichen Neuanfang zu wagen. Doch auch viele der zum Bleiben Entschlossenen haben, sofern dies möglich war, vorsorglich einen Antrag auf Einreise in die Bundesrepublik gestellt.

Auch die Institutionen der Rumäniendeutschen als die traditionellen Grundpfeiler ihrer Minderheitenexistenz mussten sich den neuen politischen Rahmenbedingungen anpassen. An den deutschen Schulen gehören über 90 Prozent der Schülerinnen und Schüler nicht der deutschen Minderheit an. Damit sind sie längst zu einer Mischform zwischen fremd- und muttersprachlicher Bildungsanstalt und damit zu „Begegnungsschulen“ für Kinder deutscher, rumänischer und ungarischer Herkunft geworden. Gefahr für den Fortbestand deutscher Kindergärten und Schulklassen geht primär von dem Mangel an deutschen Lehrkräften aus.

Auch die Kirchen – die Evangelisch-Lutherische Kirche für die Siebenbürger Sachsen und Landler und die Katholische Kirche für die Banater und Sathmarer Schwaben – müssen sich neuen Herausforderungen stellen und neuen Aufgaben zuwenden. Gläubige und Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche müssen sich den Bedingungen einer „Diasporakirche“ anpassen. Es gelte, so ihr Bischof Christoph Klein, sich auf die traditionelle Rolle der „Volkskirche“ im Sinne einer „Kirche für das Volk“ zu besinnen, die „seit jeher Motor des wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Siebenbürger Sachsen“ gewesen sei.

Angesichts der durch die Aussiedlung entstandenen Alters- und Sozialstrukturen der Deutschen tritt die kirchliche Diakonie zunehmend in den Vordergrund. Zu den wichtigen neuen Funktionen der Kirchen gehört zudem die Sicherung wertvollen Kulturguts und der Kirchenarchive. Aufgelassene Kirchen werden anderen Konfessionen überlassen, leer stehende Pfarrhäuser in Begegnungszentren umfunktioniert. Eine weitere wichtige Aufgabe ist das Erteilen des – nach der Wende an den Schulen wieder zugelassenen – Religionsunterrichts.

Zu einer relevanten Rückwanderungsbewegung ausgesiedelter Deutscher nach Rumänien ist es seit 1989 nicht gekommen. Seit 1990 meldeten sich bei der einschlägigen Interessengemeinschaft weniger als hundert in Hermannstadt Interessierte.

Entscheidend für den Fortbestand der deutschen Minderheit wird letztlich die Fähigkeit der Rumäniendeutschen sein, ihre Identität zu wahren und sie in ein Europa der Vaterländer und der Regionen einzubringen. Traditionelle Formen sozialer Struktur und Organisation wie die „Nachbarschaften“ der Siebenbürger Sachsen und Landler, die sich unter den gewandelten Bedingungen zu Mustern eines neuen, multiethnischen Zusammenlebens gewandelt haben, könnten dabei wegweisend sein.
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10. Februar 2012
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Aussiedler
Einführung
Die Deutschen in Polen
Geschichte der Deutschen in Rumänien
Die Entwicklung in Russland und in der Sowjetunion
Die Situation in der Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS)
Zuwanderung und Integration in der Bundesrepublik Deutschland
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Das Dossier Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg bietet einen umfassenden Überblick vom Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik bis zum Weltkriegsende 1945. Es beschäftigt sich zudem mit Fragen des Wiederaufbaus und der Erinnerung an diese Zeit.
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