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Massenmedien (Heft 260)
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Vielfalt und Aufgaben der Printmedien |

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Hanni Chill / Hermann Meyn
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Deutschland gilt als das Ursprungsland der Zeitung. Als älteste Nachrichtenblätter gelten der "Aviso" (auch Avisa, Anzeiger) aus Wolfenbüttel und die Straßburger "Relation" (Mitteilung) von denen Ausgaben aus dem Jahr 1609 gefunden wurden. Während sie zumeist nur wöchentlich erschienen, kam 1650 in Leipzig mit den "Einkommenden Zeitungen" ("Zeitung" im damaligen Sprachgebrauch war gleichbedeutend mit Nachricht) die erste Tageszeitung der Welt heraus.
In der frühen deutschen Tagespresse (Auflage 350 bis 400 Exemplare) überwog die politisch-militärische Berichterstattung, die sich vorrangig an Zielgruppen wie den Hof, die Kirche und den Handel wandte. Eine Spartengliederung nach Kultur-, Wirtschafts- und Sportteil bildete sich erst im 19. Jahrhundert heraus. Neben Zeitungen entstanden im 17. Jahrhundert nach Gelehrtenblättern auch Zeitschriften mit Hofklatsch und politischem Hintergrund. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland politische Parteien entstanden, führte dies zum Erscheinen von konservativen, liberalen und sozialistischen Blättern.
Neben der Meinungspresse bildete sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als neuer Typ die General-Anzeiger-Presse heraus. Ihr Merkmal waren vorwiegend unpolitische, lokale und regionale Informationen. Neu waren breitgefächerte Anzeigenteile, die niedrige Bezugspreise ermöglichten und die Zeitungen zu einem billigen Massenprodukt für Haushalte machten, die sich bislang den Kauf periodischer Druckwerke nicht leisten konnten.
Die bis zum Ende des Ersten Weltkriegs stark gesunkene Zahl von Zeitungen stieg im Laufe der zwanziger Jahre explosionsartig an. 1932 wurden 4703 Tages- und Wochenzeitungen gezählt, von denen die Hälfte parteiamtlich war. Viele Blätter gerieten in die Abhängigkeit Alfred Hugenbergs, des Generaldirektors der Krupp-AG und Vorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei, der durch ein weitverzweigtes System von Subventionen (Kreditgewährung, Belieferung mit vorproduzierten Seiten) eine nicht sichtbare Einflußnahme ausübte.
Während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sorgte das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter der Leitung von Josef Goebbels für die zentrale Lenkung der Presse. Deren Gleichschaltung geschah 1933 durch das Reichsschriftleitergesetz, das alle Journalisten zu Vollstreckern des politischen Willens der Herrschenden machen sollte. Der Münchner NSDAP-Zentralverlag errichtete durch Aufkauf zahlreicher Verlage einen riesigen Pressekonzern.
Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes hatte die Pressepolitik der westlichen Besatzungsmächte die Umerziehung des deutschen Volkes zur Demokratie als oberstes Ziel. Die Herausgabe von Zeitungen und Zeitschriften war an eine Lizenz (Genehmigung) gebunden. Nur nachweislich politisch Unbelastete konnten solche Lizenzen erhalten. Die Presse war auf Nachrichtenmaterial der Agenturen der Besatzungsmächte angewiesen und unterlag der Nachzensur durch die Presseoffiziere der Alliierten. Erst vier Jahre nach Kriegsende erteilten die Besatzungsmächte eine Generallizenz. Sie beendete in Westdeutschland die Einschränkungen der Pressefreiheit.
Nach 1945 entwickelte sich in der Bundesrepublik rasch ein vielfältiges Pressewesen, das Mitte der fünfziger Jahre einen Höhepunkt mit 225 Vollredaktionen hatte. Dabei handelt es sich um Zeitungen, die alle Seiten ihres Produkts selbst herstellen, im Gegensatz zu Blättern, die ausschließlich ihren lokalen Heimat- und Sportteil eigenständig produzieren und alle allgemeinen Seiten, beispielsweise Politik, Wirtschaft und Kultur, von Zentralredaktionen beziehen.
Danach führte der Kostendruck (hohe Investitionen für neue Druck- und Satztechniken, Rückgang der Verkaufs- und Anzeigenerlöse) dazu, daß viele Zeitungen eingestellt wurden oder nur durch Zusammenarbeit mit Großverlagen überleben konnten - eine Konzentrationswelle, die zur Bildung großer Pressekonzerne führte.
Indessen bildete sich in der DDR nahezu ein Monopol der SED-Presse heraus. Die nicht von ihr beherrschten Partei-Zeitungen, die von den sogenannten Blockparteien (unter anderem CDU und Liberaldemokratische Partei Deutschlands) herausgegeben wurden, waren ebenfalls verpflichtet, für den Aufbau des Sozialismus im Sinne der SED zu werben. Die Redaktionen erhielten tagtäglich Weisungen von der SED-Zentrale, wie berichtet werden sollte. Dennoch fanden einige Journalisten gelegentlich Nischen, die es ihnen erlaubten, vorsichtig oder versteckt Kritik an Mißständen zu üben. |
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10. Februar 2012
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