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Massenmedien (Heft 260)

Vielfalt und Aufgaben der Printmedien


Hanni Chill / Hermann Meyn
Inhalt

Historische Entwicklung

Struktur

Lokale Presse

Alternative lokale Publizistik

Anzeigenblätter

Regionale Presse

Überregionale Presse

Straßenverkaufspresse

Wochenzeitungen

Nachrichtenmagazine

Parteipresse

Zeitschriften

Bedeutung der Anzeigen

Pressekonzentration

Lokale Presse
Die regionalen Tageszeitungen berücksichtigen, daß sich ihre Leserinnen und Leser vor allem für Berichte aus ihrer näheren Region interessieren. Sie bringen deshalb Lokalausgaben heraus. Dabei handelt es sich um nichtselbständige örtliche Zeitungen, die nur ihren lokalen Teil selbst gestalten, den allgemeinen Teil aber einheitlich und unverändert von ihrer Hauptausgabe übernehmen. Mutter- und Tochterblatt befinden sich wirtschaftlich und rechtlich im selben Besitz (Bezirksausgabensystem).

Viele kleinere Zeitungsverlage, für die es zu teuer wäre, die Kosten für eine eigene Politik-, Wirtschafts- und Feuilleton-Redaktion aufzubringen, haben sich zu Redaktionsgemeinschaften zusammengeschlossen. Bei ihnen bleiben die einzelnen Verlage wirtschaftlich, aber nicht redaktionell selbständig, weil nur sie die lokalen Seiten vor Ort produzieren, alles andere aber von der Zentralredaktion beziehen (Redaktions- und Verlagsgemeinschaftensystem).

In der Berichterstattung zu überregionalen Ereignissen haben die Leserinnen und Leser in Deutschland überall die Möglichkeit, sich aus mehreren Blättern zu informieren, beispielsweise durch Korrespondentenberichte der großen überregionalen Zeitungen oder aus Lokalzeitungen, die das überregionale Ereignis durch den Bericht einer Nachrichtenagentur abdecken. Über das lokale Geschehen berichten zwar in Großstädten häufig zwei Konkurrenzblätter. Auch finden sich in Anzeigen- und Amtsblättern, in Stadtmagazinen, im lokalen Hörfunk und Fernsehen zusätzliche Informationen. Trotz dieser Informationsmöglichkeiten kann sich aber in Westdeutschland in einem Drittel aller Landkreise und kreisfreien Städte, in Ostdeutschland dagegen gar in zwei Dritteln die Bevölkerung nur aus einer Tageszeitung ausführlich über die Ereignisse vor Ort unterrichten. Gerade der Wettbewerb, der eine privatwirtschaftliche Presse ausmacht, ist in großen Teilen Deutschlands nicht mehr vorhanden, weil ein Blatt in der Lokalberichterstattung über ein Monopol verfügt.

Wenn die lokale Konkurrenz entfällt, fehlt häufig der Anreiz, sich zu fragen: Was haben die anderen gebracht, warum sind wir nicht auf das Thema gekommen oder welche Gesichtspunkte haben wir in unserem Kommentar zur Kommunalpolitik vergessen?

Unabhängig von der Marktposition, also auch dann, wenn mehrere Zeitungen miteinander konkurrieren, fällt vor allem kleineren Zeitungen mit einer Auflage von unter 20000 Exemplaren eine kritische Lokalberichterstattung häufig schwer. Für sie, die auf jedes Inserat angewiesen sind, kann es riskant sein, Anzeigenkunden durch Kritik zu verprellen. Sie schrecken, von Ausnahmen abgesehen, auch davor zurück, sich mit den Honoratioren der Kleinstadt anzulegen - etwa weil sie die, die sie mit den notwendigen Informationen versorgen, nicht verlieren wollen.


 

Quellentext
Kommunikationsziele
Kommunikation ist intentional, das heißt ein zielgerichteter, zur Verwirklichung bestimmter Absichten und Zwecke bestimmter Vorgang. Die Intentionalität geht sowohl vom Kommunikator als auch vom Rezipienten [Empfänger] aus. Dabei können sich die Ziele beider durchaus unterscheiden; tatsächlich unterscheiden sie sich oft ganz erheblich. Daß Mitteilungen von den Rezipienten mitunter in ganz anderer Weise wahrgenommen, interpretiert und genutzt werden als vom Kommunikator beabsichtigt, ist ein Faktum, das die Kommunikationsforschung zeitweise sehr überraschte und das in der Praxis, etwa bei Werbe-, Informations- und Aufklärungsmaßnahmen, immer wieder große Schwierigkeiten macht.

Als gemeinsames Ziel von Kommunikator und Rezipient wird oft das der Verständigung genannt. Dabei wird jedoch eine Antwort vorweggenommen, wo eigentlich eine Frage angebracht wäre. In welchem Maße und vor allem in welcher Weise stimmen die Intentionen von Kommunikator und Rezipient überein und wie werden sie verwirklicht? Das ist eine der Kernfragen für die Untersuchung von Kommunikation. Wenn man Kommunikation dagegen vorab als Verständigung oder, enger noch, als vollzogene Verständigung definiert [...], begibt man sich von vornherein bestimmter Analysemöglichkeiten. [...]

In allen [...] Phasen ist Kommunikation durch Selektivität, durch Auswahlprozesse gekennzeichnet, und zwar durch selektive Zuwendung [...], selektive Wahrnehmung und Verarbeitung der Mitteilung, durch selektives Behalten und Erinnern ihres Inhalts. Selektivität ist in den meisten Kommunikationssituationen schon deshalb notwendig, weil die jeweils angebotene Information die Aufmerksamkeits- und Verarbeitungskapazität des Rezipienten bei weitem übersteigt. [...]

[...]

Doch dem Rezipienten stehen nicht nur Selektionsmöglichkeiten zur Verfügung, Möglichkeiten der Annahme oder Ablehnung einer Mitteilung. Da er [...] die Bedeutung der übertragenen Signale aktiv rekonstruieren muß, bringt er sehr viel mehr an Eigenem in die Kommunikationssituation mit ein als Kriterien der Selektion. Er projiziert sein Wissen, seine Einstellungen und Werthaltungen, seine Motive und Handlungsdispositionen in das vom Kommunikator gesendete Signalmuster. Das Ergebnis, die empfangene Mitteilung, ist also stark abhängig von der Interpretationsleistung des Rezipienten.

Winfried Schulz, "Kommunikationsprozeß", in: Elisabeth Noelle-Neumann u. a. (Hg.), Publizistik - Massenkommunikation, Frankfurt/Main 1997, S. 160 ff.



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10. Februar 2012
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