|
|
 |

 |

Massenmedien (Heft 260)
 |
 |
 |
 |
 |
Vielfalt und Aufgaben der Printmedien |

 |
 |
Hanni Chill / Hermann Meyn
|
 |
 |
 |
 |
Die föderalistische Struktur der Bundesrepublik spiegelt sich in ihrer Presse wider. In den Bundesländern haben sich am Sitz der jeweiligen Landesregierung und darüber hinaus in Großstädten rund 60 Tageszeitungen mit Auflagen über 100000 Exemplaren entwickelt, die sich in ihrer Berichterstattung schwerpunktmäßig mit der Region beschäftigen. Dank ihrer Auflage und ihres Anzeigenaufkommens gehören Regionalblätter wie das "Hamburger Abendblatt" oder die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Essen) zu den finanzkräftigen Zeitungen.
In der DDR spielte die SED-Presse in den Bezirken über Jahrzehnte eine beherrschende Rolle. Diesen Regionalzeitungen, die häufig über ein Dutzend lokaler Ausgaben herausbrachten, galt nach der Wende 1990 das besondere Interesse westdeutscher Verlage. Den größeren von ihnen erteilte die Treuhand den Zuschlag. Dabei spielten der Kaufpreis, Arbeitsplatzgarantien und Investitionszusagen eine Rolle.
Inzwischen nehmen die privatisierten ehemaligen SED-Bezirkszeitungen auf dem ostdeutschen Pressemarkt eine überragende Position ein. Auf sie entfallen 90 Prozent der Gesamtauflage der lokalen und regionalen Abonnementszeitungen. Die Verkaufspolitik der Treuhand wurde häufig kritisiert, weil sie die von der SED überlieferten Verbreitungsgebiete zementierte, die ohnehin großen westdeutschen Verlage noch größer machte und damit die Pressekonzentration verstärkte.
Ostdeutsche Zeitungen sind deutlich dünner als vergleichbare westdeutsche Titel. Vor allem die Lokalberichterstattung ist im Osten nicht so ausführlich und erreicht mit durchschnittlich vier Seiten täglich nur etwa zwei Drittel des Umfangs der Blätter im alten Bundesgebiet. Ost und West gleichen sich jedoch in einem Punkt: Sobald mehrere Zeitungen in der Lokalberichterstattung miteinander konkurrieren, berichten beide ausführlicher. |
 |
 |
|
 |
10. Februar 2012
 |
|