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Massenmedien (Heft 260)
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Vielfalt und Aufgaben der Printmedien |

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Hanni Chill / Hermann Meyn
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Im Vergleich zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik erscheinen in der Bundesrepublik relativ wenige überregionale Tageszeitungen.
Die mit nur knappem Vorsprung auflagenstärkste ist die in München erscheinende "Süddeutsche Zeitung" (Auflage 1998: rund 400000). Kennzeichnend für sie sind die großen Reportagen auf Seite drei, stilistisch geschliffene Glossen ("Streiflicht" auf Seite eins), Korrespondentenberichte aus aller Welt und Serien zu aktuellen Themen. Fast täglich läßt das Blatt in Wortinterviews politische Prominenz Stellung beziehen, die durchaus im Gegensatz zur liberalen Grundhaltung der Zeitung stehen können. In ihrer politischen Tendenz wird eine beträchtliche Distanz zu den Unionsparteien erkennbar. Die "Süddeutsche" steht nach eigenen Angaben "ein wenig links von der Mitte".
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Auflage: rund 400000) übertrifft die Konkurrenz in der Dichte ihres Korrespondenznetzes und ist daher weithin unabhängig von Nachrichtenagenturen. Unter allen deutschen Zeitungen bringt sie die umfangreichste Berichterstattung zu außenpolitischen Themen. Besondere Beachtung verdient ihr Wirtschaftsteil; unter den führenden Geschäftsleuten steht sie beispielsweise als Informationsquelle an erster Stelle, übrigens noch weit vor speziellen Wirtschaftsblättern wie dem "Handelsblatt", der "Wirtschaftswoche" und dem "Manager Magazin".
In ihrer politischen Linie gilt die FAZ als liberal-konservativ. Sie gehört keinem Privatverleger, sondern ist mehrheitlich im Besitz einer Stiftung.
Die im Axel Springer Verlag erscheinende "Welt" (Auflage: rund 217000) versteht sich ebenfalls als liberal-konservativ. Sie hat ihre politische Linie mehrfach gewandelt. In den sechziger Jahren stand sie den von Adenauer geführten Bundesregierungen recht kritisch gegenüber und von 1969 bis 1982 bekämpfte sie entschieden die sozial-liberal geführten Bundesregierungen, insbesondere deren Ostpolitik.
Für die "Welt" gelten, wie für alle Erzeugnisse des Verlages, publizistische Grundsätze des Hauses Springer:
Daß die "Welt" seit vielen Jahren rote Zahlen schreibt, hängt sicherlich auch damit zusammen, daß die "Süddeutsche" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" mehr Leserinnen und Leser und damit erheblich mehr Anzeigen wegen ihres größeren Informationsangebots haben, und daß ihr Image unter dem mehrfachen politischen Kurswechsel gelitten hat.
Die "Frankfurter Rundschau" (Auflage: 188000) setzt den größten Teil ihrer Auflage, ähnlich wie die "Süddeutsche Zeitung", in der Stadt und Umgebung ihres Erscheinens ab. In den Leitlinien der Zeitung heißt es, "die Frankfurter Rundschau ist eine von Parteien und Interessengruppen unabhängige Tageszeitung. Ihre Grundhaltung ist sozial und liberal (links-liberal). [...] (Sie) tritt für eine ständige Reform unseres Gemeinwesens ein, um es im Zuge der gesellschaftlichen Entwicklung moderner, liberaler und sozial gerechter zu gestalten. [...] Sie tritt [...] für die Rechte der Minderheiten ein, auch für ihr Recht, sich zu organisieren und für ihre Auffassungen zu werben."
Die "Frankfurter Rundschau", das "Leib- und Magenblatt der Linksintellektuellen", wie man sie genannt hat, ist in ihrem Nachrichtenteil nicht so umfangreich wie die anderen überregionalen Blätter, befaßt sich jedoch, entsprechend ihren Leitlinien, häufig mit Themen, die von der Konkurrenz nicht beachtet werden.
Als "links-alternativ" gilt "die tageszeitung" (TAZ), eine der ganz wenigen Tageszeitungsneugründungen in Westdeutschland, die erstmals 1979 erschien. Die in Berlin ansässige Zeitung (Auflage: 62000) mit Lokalteilen in Hamburg und Bremen, die sich überwiegend aus Vertriebserlösen finanziert, war lange ein selbstverwaltetes Unternehmen. Ihre Themenschwerpunkte entsprechen vielfach den Politikfeldern der Grünen. Nach finanziellen Krisen bildete die TAZ eine Verlagsgenossenschaft, deren Anteile von gegenwärtigen und früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Leserinnen und Lesern gehalten werden.
Von den zentralen DDR-Blättern mit Auflagen, die zum Teil über einer Million Exemplare lagen, ist neben der heute bedeutungslosen "Jungen Welt" (vor der Wende hatte sie eine Auflage von 1,5 Millionen) nur das "Neue Deutschland" übrig geblieben. Das Organ der PDS kommt auf rund 70000 Exemplare. Zu DDR-Zeiten betrug die Auflage weit mehr als eine Million. |
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10. Februar 2012
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