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Massenmedien (Heft 260)

Vielfalt und Aufgaben der Printmedien


Hanni Chill / Hermann Meyn
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Wochenzeitungen
Die Wochenzeitungen (Gesamtauflage 1998: gut eine Million Exemplare) bemühen sich darum, die Tagesereignisse in größere Zusammenhänge einzuordnen, Hintergrundinformationen zu vermitteln und Nachrichten zu analysieren. "Die Zeit" (Erscheinungsort Hamburg) nimmt unter den Wochenzeitungen eine Spitzenstellung ein. Sie versteht sich als ein liberales Blatt, das bei kontroversen Themen auch mehrere Autorinnen und Autoren mit unterschiedlichen Standpunkten zu Wort kommen läßt. Die wegen ihres publizistischen Niveaus zu den besten Blättern Europas zählende Wochenzeitung gehört zu den großen meinungsführenden Blättern in der Bundesrepublik. Sie gibt Denkanstöße und beeinflußt immer wieder die Diskussionen über politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Fragen. Seit Anfang 1998 präsentiert sich "Die Zeit" in neuer graphischer Gestaltung (größere Überschriften, mehr Graphiken, mehr unbedruckte Flächen zwischen den Artikeln), um der technischen Weiterentwicklung und den veränderten Lesegewohnheiten Rechnung zu tragen.

Kennzeichnend für die sowohl im Format, im Umfang und in der Auflage kleinere Wochenzeitung "Die Woche" (Erscheinungsort Hamburg) ist die Verwendung vieler farbiger Diagramme, Karten- und Schaubilder. Die Redaktion bedient sich prominenter Autoren und Autorinnen von außen und konzentriert sich häufig auf Porträts von Meinungsführern aus der Politik, Wirtschaft und Kultur.

Finanzielle Sorgen plagen vor allem zwei Wochenzeitungen: Das "Sonntagsblatt" ist auf Subventionen der Evangelischen, der "Rheinische Merkur" auf Zuschüsse der Katholischen Kirche angewiesen. Trotz ökumenischer Tendenzen, die beide Zeitungen unterstützen, wendet sich das "Sonntagsblatt" eher an protestantische, der "Merkur" mehr an katholische Leserinnen und Leser, wenngleich religiöse Themen im Gesamtspektrum eine eher untergeordnete Rolle spielen. In den vergangenen Jahren haben die Wochenzeitungen verstärkt damit zu kämpfen, daß sich die Tageszeitungen auf ihr ureigenes Terrain begeben und ihre Hintergrundberichterstattung ausbauen.

Die Wochenzeitung "Das Parlament", die von der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn herausgegeben und finanziert wird, veröffentlicht Analysen zu gesellschaftspolitischen Themen und kommentiert nur selten politische Vorgänge; das Blatt dokumentiert sie eher, darunter vor allem die Debatten im Deutschen Bundestag, im Bundesrat, den Landesparlamenten und in europäischen Entscheidungsinstanzen. Sie bringt darüber hinaus regelmäßig einen umfangreichen Rezensionsteil für politische Bücher. Ein Markenzeichen der Wochenzeitung "Das Parlament" ist die regelmäßige Beilage "Aus Politik und Zeitgeschichte", die die größte politikwissenschaftliche Zeitschrift im deutschsprachigen Raum ist.

Die beiden auflagenstärksten Sonntagszeitungen "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" stammen aus dem Axel Springer Verlag. Sie sind streng genommen eher zu den Wochenzeitungen zu rechnen, weil sie nur einmal wöchentlich erscheinen. Sie berichten sonntags tagesaktuell und lösen häufig durch Exklusiv-Interviews mit Politikern lebhafte Diskussionen am Wochenende aus. Über viele Jahre stießen sie damit in eine Lücke, die von den Tageszeitungen nicht gefüllt wurde. Inzwischen sind viele Tageszeitungen, beispielsweise die "Berliner Morgenpost", der Berliner "Tagesspiegel" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" dazu übergegangen, auch sonntags zu erscheinen.
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10. Februar 2012
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