|
|
 |

 |

Informationen zur politischen Bildung (Heft 267)
 |
 |
 |
 |
 |
Zuwanderung und Integration in der Bundesrepublik Deutschland |

 |
 |
Ute Heinen
|
 |
 |
 |
 |
Seit 1950 kamen über vier Millionen Angehörige der deutschen Minderheiten aus den Staaten Ostmittel-, Südost- und Osteuropas in die Bundesrepublik Deutschland. Ebenso lang ist die Geschichte ihrer Eingliederung in die deutsche Gesellschaft. Während die Integration bis zum Ende der achtziger Jahre weitgehend erfolgreich gelang, begründeten im Laufe der neunziger Jahre eine Reihe von Entwicklungen eine Verschlechterung der Eingliederungssituation. Sie betrafen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ebenso wie die mitgebrachten Voraussetzungen auf Seiten der Aussiedler.
Die Öffnung Osteuropas hatte einen sprunghaften Anstieg der Zuwanderungszahlen von Aussiedlern zur Folge. So stieg die Zahl in nur zwei Jahren von 78498 (1987) auf 202645 (1988) und weiter auf 377042 (1989) an. Hinzu kam eine große Anzahl von Asylbewerbern. Unter dem Eindruck der ansteigenden Zuwanderungszahlen sowie hoher Arbeitslosigkeit und einer verschlechterten wirtschaftlichen Lage der Bundesrepublik Deutschland verringerte sich die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber den Zuwanderern, die zunehmend als Konkurrenz um Arbeitsplätze und um staatliche Leistungen wahrgenommen wurden.
In der politischen und öffentlichen Diskussion geriet die rechtliche Grundlage der Aussiedleraufnahme, ein Kriegsfolgenschicksal, das sie in ihren Siedlungsgebieten in der Folge des Zweiten Weltkrieges erlitten, in die öffentliche Diskussion. So wurde angesichts der Demokratisierungsprozesse in Osteuropa die Frage diskutiert, ob noch von einem Kriegsfolgenschicksal der deutschen Minderheiten in den Herkunftsländern auszugehen sei. Im Ergebnis wurde die Aufnahme von Aussiedlern mit dem Kriegsfolgen-Bereinigungsgesetz 1993 auf eine neue Grundlage gestellt. Wurde bis dato ein kollektives Kriegsfolgenschicksal vermutet, so musste es fortan von jedem Antragsteller und von jeder Antragstellerin individuell nachgewiesen werden. Diese Regelung gilt für alle Herkunftsländer mit Ausnahme von Deutschen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. Ein 1996 in den Bundesrat eingebrachter Antrag, auch bei den Russlanddeutschen auf dem Nachweis des Kriegsfolgenschicksals zu bestehen, fand keine Mehrheit. Die Russlanddeutschen stellen mit über 90 Prozent seit 1993 und über 98 Prozent seit 1997 die dominante Zuwanderungsgruppe.
Parallel erfolgten weit reichende Reduzierungen der Eingliederungsleistungen (zum Beispiel der Sprachförderung), die mit den hohen Zuwanderungszahlen und leeren Haushaltskassen begründet wurden. Ihnen gegenüber stehen die schlechteren Voraussetzungen, welche die russlanddeutschen Zuwanderer für die Eingliederung mitbringen. Es handelt sich zunehmend um gemischt-nationale Familien, die nur noch geringe bis keine Deutschkenntnisse mitbringen. Geprägt durch ein anderes nationales Lebensumfeld (zum Beispiel in Russland oder Kasachstan) sind sie weiter von hiesigen Normen, Werten und kulturellen Entwicklungen entfernt, als dies bei anderen Aussiedlergruppen der Fall war. Nicht zuletzt erschwert die hohe Arbeitslosigkeit auch die berufliche Integration der Aussiedler.
In den neunziger Jahren zeigten sich zunehmend Eingliederungsrisiken, die bis hin zur drohenden sozialen Isolierung von Aussiedlergruppen reichen. Bemerkenswert ist dabei, dass die Probleme insbesondere bei Jugendlichen zu beobachten sind, die gemeinhin als eine vergleichsweise leicht integrierbare Gruppe gegolten hatten.
Zum Ende der neunziger Jahre besteht Einigkeit zwischen Politik, Wissenschaft und Praktikern, die Spätaussiedler mit effektiven Eingliederungshilfen zu unterstützen mit dem Ziel, die chancengleiche Teilhabe der Menschen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu fördern. |
 |
 |
|
 |
10. Februar 2012
 |
 |
 |
Dossier |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Das Dossier Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg bietet einen umfassenden Überblick vom Aufstieg der NSDAP in der Weimarer Republik bis zum Weltkriegsende 1945. Es beschäftigt sich zudem mit Fragen des Wiederaufbaus und der Erinnerung an diese Zeit. |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
|