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Informationen zur politischen Bildung (Heft 270)
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Gesellschaft und Alltag in der DDR |

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Günther Heydemann
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Anfang der siebziger Jahre war auch die DDR zu einem Land des Massentourismus geworden – parallel zur jetzt einsetzenden Massenmotorisierung, wobei Reisen allerdings fast nur im Bereich der "sozialistischen Bruderstaaten" möglich waren. Freizeit und Urlaub waren eingebunden in die Zielstellung der SED, eine sozialistische Kulturgesellschaft zu schaffen, was allerdings nicht gelang. Entsprechend nahmen staatliche Institutionen, vor allem aber Betriebe und der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), insbesondere bei der Zuteilung von entsprechenden Plätzen, in der Urlaubsplanung eine wichtige Rolle ein.
So vergaben der Feriendienst des FDGB im Jahr 1989 an der Ostsee, dem beliebtesten Urlaubsgebiet der DDR, 18 Prozent der "Erholungsplätze", die Betriebe 25 Prozent, und 26 Prozent stellten öffentliche Zeltplätze zur Verfügung. Damit wurden fast drei Viertel aller Erholungsplätze durch den Staat und die Betriebe vergeben. Die restlichen Plätze verteilten sich auf Privatquartiere sowie Zeltlager für Kinder und Jugendliche. Um den begehrten "Ferienscheck" zu bekommen, spielte beim Auswahlverfahren für die durchweg zu knappen Urlaubsplätze durch Betriebe und FDGB das politische sowie das Arbeitsverhalten durchaus eine Rolle, daneben die Zahl der Kinder sowie die Anzahl der bereits erhaltenen Ferienplätze.
Mitte der achtziger Jahre hatte die DDR mit 137.000 Betten und 1,9 Millionen Gästen die Höchstzahl an Übernachtungskapazität und -auslastung erreicht. Doch langte dies nie für den tatsächlichen Bedarf aus. Das gegenüber den staatlich subventionierten "Erholungsplätzen" teurere Camping verzeichnete in diesem Zeitraum einen stetigen Zuwachs; es erfreute sich auch deshalb ungebrochener Beliebtheit, weil es in politischer Hinsicht größeren Freiraum, weniger Reglementierung und damit mehr individuelle Freiheit bot.
Reisen in die Bundesrepublik waren bei Familienfesten und dem Tod von Verwandten für die DDR-Bürgerinnen und -Bürger unterhalb des Rentenalters nur als Einzelperson und nur auf Antrag möglich, wobei die Genehmigung oft sehr willkürlich erteilt wurde. Trotz dieser erneut "systembedingten" Eingrenzungen (im wahrsten Wortsinn) sowie Einschränkungen und Behinderungen des Reisens entwickelte sich die DDR in den siebziger und achtziger Jahren zum Land mit dem größten Massentourismus innerhalb des Ostblocks – mit einer für die Planwirtschaft allerdings zu hohen Finanzbelastung von rund zehn Prozent des Staatshaushalts . |
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10. Februar 2012
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