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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 29-30/2002)
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Armut und soziale Ausgrenzung im europäischen Kontext |

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Politische Ziele, Konzepte und vergleichende empirische Analysen Petra Böhnke
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IV. Möglichkeiten der empirischen Messung |
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Im Gegensatz zur Armutsanalyse lässt sich für eine schlüssige Dokumentation sozialer Ausgrenzung noch nicht auf eine etablierte Forschungstradition verweisen. Das bisher Gesagte legt nahe, dass es zwei grundlegende Richtungen zu unterscheiden gibt, in denen der Ausgrenzungsbegriff Verwendung findet: Ausschluss und Marginalisierung (vgl. die Übersicht).
Mit länderübergreifenden repräsentativen Bevölkerungsumfragen lassen sich vor allem Marginalisierungsprozesse operationalisieren. Dafür können wir auf Befunde zu relativer Einkommensarmut, Deprivation, mehrdimensionaler Unterversorgung, gesellschaftlicher Teilhabe und subjektiver Ausgrenzungserfahrung zurückgreifen. Unübersehbar sind dabei die Lücken, denn nicht alle Indikatoren sind für mehrere Länder verfügbar. Insbesondere die subjektive Perspektive auf Ausgrenzungsprozesse findet bislang wenig Beachtung.
Einkommensarmut ist der am weitesten verbreitete Indikator für prekäre materielle Lebenslagen (Kapitel V.1). Relative Einkommensarmut bemisst sich in diesem Fall an einer 50-Prozent-Schwelle eines durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens, das durch spezifische Gewichtungsverfahren Haushaltsgrößen berücksichtigt.
Die generelle Kritik an der Messung von Armut über das erhobene monatliche Haushaltseinkommen mündet darin, dass die Verwendung der finanziellen Ressourcen im Dunkeln bleibt. Diesem Defizit kann man mit Hilfe von Lebensstandard-Indikatoren begegnen.
Ein ungenügender Lebensstandard wird dabei als Mangel an Ressourcen definiert, die Menschen notwendigerweise zur Aufrechterhaltung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben brauchen. Relative Deprivation (Unterversorgung) als Einschränkung eines allgemein gültigen Lebensstandards bemisst sich an durchschnittlichen Versorgungsniveaus der Bevölkerung. Deprivation ist sowohl in materieller als auch in sozialer Hinsicht denkbar, entsprechend vielfältig können die Dimensionen eines notwendigen Lebensstandards sein (Kapitel V.2).
Indikatoren zur gesellschaftlichen Teilhabe sind bislang nur spärlich in europäischen Umfragen enthalten, so dass sich deren Abhängigkeit von prekären Versorgungslagen vergleichend nur für eine eingeschränkte Länderauswahl darstellen lässt. Mit Euromodul-Daten können wir deren Zusammenspiel in Ungarn, Spanien, Slowenien, Schweiz und Deutschland beschreiben (Kapitel V.3). Abschließend werden für Deutschland Daten vorgestellt, die Gründe für subjektive Ausgrenzungserfahrung benennen (Kapitel V.4). |
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10. Februar 2012
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