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Informationen zur politischen Bildung (Heft 290)

Das "Fußballwunder" von 1954


Franz-Josef Brüggemeier
Inhalt

Ein Ereignis und seine Interpretation

Politisches und gesellschaftliches Umfeld

Auswirkungen des WM-Gewinns

Ein Ereignis und seine Interpretation
Am 4. Juli 1954 wurde die Nationalmannschaft der Bundesrepublik zum ersten Mal Fußballweltmeister. Im Endspiel von Bern, Schweiz, gewann sie überraschend mit 3:2 Toren gegen Ungarn. Als sich 2004 der Titelgewinn zum fünfzigsten Mal jährte, fand dieses Jubiläum großes öffentliches Interesse. Zahlreiche Bücher und Fernsehsendungen, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel sowie Radiobeiträge griffen es ebenso auf wie ein erfolgreicher Spielfilm. Der Gewinn der Weltmeisterschaft wurde übereinstimmend als eines der wichtigsten Ereignisse der deutschen Nachkriegsgeschichte angesehen. Besonders bemerkenswert war ein Leitartikel der Süddeutschen Zeitung vom 3. Juli 2004, fast auf den Tag genau fünfzig Jahre nach dem Endspiel. Er stammte von Hans Werner Kilz, einem der beiden Chefredakteure, und enthielt alle Deutungsmuster, die zu diesem Thema im Umlauf waren (und noch sind).
Dem Artikel zufolge löste der Titelgewinn seinerzeit in der Bundesrepublik ein "Wir-sind-wieder-wer"-Gefühl aus. Er bot der Bevölkerung erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg die Möglichkeit, sich an einem Erfolg zu berauschen, der "quasi gemeinschaftlich" erzielt worden sei. Der Autor beschrieb Jubelfeiern, die zu patriotischen Kundgebungen gerieten, und sah in den Feiern sogar das "wahre Gründungsdatum der Bundesrepublik". Der Gewinn des WM-Titels sei wichtiger als die Währungsreform, die Verabschiedung des Grundgesetzes und der Fall der Mauer.
Die öffentlichen Reaktionen auf den Titelgewinn fielen in der Tat ungewöhnlich aus. Zeitgenössischen Berichten zufolge haben fast alle Bewohner der Bundesrepublik - und der DDR - das Endspiel verfolgt. Die Straßen wirkten wie leer gefegt, die wenigen Fernseher - es gab circa 40.000 in Westdeutschland - waren umlagert, während die übergroße Mehrheit die Übertragung im Radio verfolgte, alleine oder in kleineren wie größeren Gruppen. Der überraschende Sieg löste großen Jubel aus. Als die Mannschaft aus der Schweiz zurückkehrte und mit dem Zug über Konstanz nach München fuhr, waren die Bahnhöfe und deren Umgebung voller Menschen. Allein in München haben etwa 400.000 bis 500.000 Männer, Frauen und Kinder die Mannschaft begeistert empfangen.
Vergleichbare Begeisterungsstürme und Menschenansammlungen hatte es zuletzt während des Nationalsozialismus gegeben. Daher drängt sich die Frage auf, wie sie zu verstehen sind und welche Botschaften im Frühsommer 1954 damit verbunden waren. Handelte es sich um patriotische Kundgebungen? War gar ein Wiederaufleben des Nationalismus zu erkennen? Gab die nationale Begeisterung Grund zur Sorge? Wie haben Medien, Politik und andere zeitgenössische Beobachter reagiert?
Wenn man die damaligen Zeitungen und Zeitschriften auswertet und die Archive aufsucht, ergibt sich ein überraschender Befund: Journalisten, Politiker und andere öffentliche Personen haben sich fast gar nicht zum Gewinn der Fußballweltmeisterschaft geäußert. Die Tageszeitungen haben vor allem über das sportliche Ereignis berichtet. Auf die Heimkehr der Spieler gingen sie nur am Rande ein. Das gilt auch für die kulturellen und politischen Zeitschriften, mit Ausnahme des Spiegels. Falls also im Juli 1954 die Bundesrepublik "neu" gegründet wurde, haben zumindest Politik und Medien dies nicht bemerkt.
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12. März 2010
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Fußball - mehr als ein Spiel
Editorial
Vom Randphänomen zum Massensport
Anfänge des modernen Fußballs
Entwicklung zum Volkssport
Juden im deutschen Fußball
Das "Fußballwunder" von 1954
Aufstieg des Frauenfußballs
Zuschauer, Fans und Hooligans
Geld und Spiele
Fußball weltweit
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Schriftenreihe (Bd. 519)
Fußball unterm Hakenkreuz
Fußball unterm Hakenkreuz
Der Historiker Nils Havemann beschreibt in seiner Darstellung, mit welchen Mitteln es den Nationalsozialisten gelang, den vordergründig "unpolitischen" Volkssport Fußball zur Stabilisierung ihres Systems zu missbrauchen.
Fußball unterm Hakenkreuz