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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 40-41/2008)

Aktivieren als Form sozialer Kontrolle


Olaf Behrend
Inhalt

Einleitung

Arbeitsverwaltungen und soziale Kontrolle

Gesetzesvorgaben

Zur Vermittlungskonstellation

Aktivierende Gespräche

Maßnahmen

Postpolitische Reziprozität

Fazit

Arbeitsverwaltungen und soziale Kontrolle
Wenn man einen Gegenstand soziologisch erforschen möchte, so ist es geboten, dessen Handlungstypik vorderhand zu bestimmen. Bei der Konstellation in den Arbeitsverwaltungen handelt es sich um den Handlungstyp der sozialen Kontrolle. Für diese ist spezifisch, Handeln in Hinblick auf das Verletzen von gesellschaftlich geteilten oder vorgeschriebenen normativen Grenzen zu kontrollieren und die handelnde Person ggf. - bei Abweichung bzw. Überschreitung der Grenze - zu sanktionieren. Im Falle herrschaftlich organisierter sozialer Kontrolle durch öffentliche Sozialverwaltungen wird außerdem die Einhaltung des Allgemeinwohls (dessen formale Ausgestaltung in Gesetzen fixiert ist, die im Volkssouverän gegebenenfalls strittig sein kann) kontrolliert und ggf. sanktioniert. Das geschieht etwa dann, wenn aus dem temporären Bezug von Solidarleistungen ein dauerhafter zu werden scheint, was nicht dem aktuell wohl gültigen Verständnis von Solidarität entspricht, die sich Bürgerinnen und Bürger im Volkssouverän wechselseitig gewähren. Allerdings stellen sich hier schwierige Fragen: Wann ist dies der Fall? Wann wird der Bezug ungerechtfertigter Weise dauerhaft? Wer könnte sich selbst ökonomisch versorgen? Wann liegen Missbrauch und Sozialbetrug vor? Dies sind Fragen, die auch von Gesetzen, vor allem aber von den aktuell gesellschaftlich geteilten bzw. als geteilt angenommenen Normen abhängen und die Arbeitsvermittler als Repräsentanten herrschaftlich organisierter sozialer Kontrolle beantworten und in entsprechenden Entscheidungen umsetzen müssen. Für die Durchsetzung dieser normativ gültigen kulturellen Standards gegenüber den Bürgern benötigen die Akteure der sozialen Kontrolle notwendigerweise Handlungsspielräume, worauf Pierre Bourdieu und Jean-Claude Passeron aufmerksam gemacht haben.[2]

Soziale Kontrolle erfolgt in unserem Fall heutzutage nicht, wie es dem Klischee entspräche, primär autoritär. Sie erfolgt vielmehr kooperativ zugewandt oder auch pädagogisierend, dabei nicht selten subtil übergriffig, ggf. zynisch, manchmal latent verachtend und nur hier und da noch in Resten paternalistisch oder offen autoritär. Dies hängt von der Persönlichkeit der Arbeitsvermittler, von ihren subjektiven Dispositionen und den von ihnen geteilten gesellschaftlichen Deutungsmustern ab. Insofern ist die genaue Bestimmung der Art und Weise der sozialen Kontrolle abhängig von der Rekonstruktion sowohl der jeweiligen Zuwendung der Arbeitsvermittler als auch der Gesetzesvorgaben.
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20. März 2010
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