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Informationen zur politischen Bildung (Heft 243)
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Kirchen - Selbstbehauptung und Opposition |

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Wolfgang Benz
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Widerstand aus christlicher Überzeugung |
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Der "Kirchenkampf" war ursprünglich nicht Widerstand gegen ein Menschenrechte und göttliches Gebot verletzendes Regime, sondern vor allem die Verteidigung institutioneller und religiöser Ansprüche sowie kirchlicher Lebensräume der beiden Amtskirchen gegenüber einem Staat, der totale Verfügungsgewalt über Menschen beanspruchte. Widerstand aus christlicher Überzeugung übersetzt in politisches Handeln blieb im wesentlichen Sache einzelner. Aktive Christen, Geistliche und Laien, nahmen an den Überlegungen des Kreisauer Kreises zur Neugestaltung Deutschlands nach Hitler teil, wie sie auch an den Plänen der Goerdeler-Gruppe mitarbeiteten. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer nahm von Anfang an Partei gegen die Nationalsozialisten. Sie belegten Bonhoeffer, der 1935 Leiter des Predigerseminars der "Bekennenden Kirche" wurde, deswegen mit Redeverbot. Bonhoeffer suchte schon vor dem Krieg Kontakt zur Militäropposition und zum Goerdeler-Kreis; er warb in England für die Ziele der Opposition. Anfang April 1943 wurde er verhaftet, zwei Jahre später im KZ Flossenbürg ermordet.
Bonhoeffer leitete die Notwendigkeit des Widerstandes aus christlichen Grundpositionen ab. Im April 1933 schrieb er in einem Aufsatz zur Politik gegenüber den Juden: "Die Kirche ist den Opfern jeder Gesellschaftsordnung in unbedingter Weise verpflichtet, auch wenn sie nicht der christlichen Gemeinde angehören." Grundsätzlich vertrat er den Standpunkt, der ihn schließlich von der Kritik am NS-Regime zum politischen Widerstand führte: "Wenn die Kirche den Staat in seiner Recht und Ordnung schaffenden Funktion versagen sieht, d. h. wenn sie im Staat hemmungslos ein zuviel oder zuwenig an Ordnung und Recht verwirklicht sieht", müsse die Kirche an die Stelle des Staates treten und "unmittelbar politisch" handeln.
In München engagierte sich der Jesuitenpater Augustin Rösch seit 1941 in der Abwehr der nationalsozialistischen Angriffe auf die Klöster. Er sammelte einen Kreis von Hitler-Gegnern, unter ihnen Pater Alfred Delp und versuchte die katholische Bischofskonferenz zu einer schärferen Gangart gegen das NS-Regime zu bewegen. Ab Winter 1941 engagierten sich die Jesuiten Rösch, Delp und König im Kreisauer Kreis, von dort aus liefen auch Fäden zu den Verschwörern des 20. Juli 1944. Pater Delp wurde Ende Juli 1944 verhaftet und im Januar 1945 zum Tode verurteilt, Rösch war von Januar bis April 1945 in Gestapo-Haft, Pater König blieb unentdeckt.
Die Zeugen Jehovas
Eine christliche Glaubensgemeinschaft verweigerte sich dem nationalsozialistischen Staat bedingungslos: Die Zeugen Jehovas oder Ernste Bibelforscher, wie sie damals genannt wurden. Die in Deutschland 25000 Seelen zählende Gemeinde wurde 1933 verboten, etwa die Hälfte der Mitglieder setzte im Untergrund den "Verkündigungsdienst" fort. Die Zeugen Jehovas verweigerten den Heil-Hitler-Gruß und vor allem den Wehrdienst. Sie wurden unerbittlich verfolgt. Circa 10000 kamen in Haft. Etwa 1200 Todesopfer forderte der Widerstand dieser Glaubensgemeinschaft, die 1936/37 auch in Flugblattaktionen die Bevölkerung über den verbrecherischen Charakter des NS-Staats aufzuklären suchte und sich dadurch über die Verteidigung ihrer Interessen hinaus gegen das Unrechtsregime engagierte. |
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10. Februar 2012
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Dossier |
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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 55 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte? |
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