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Informationen zur politischen Bildung (Heft 282)

Editorial


Christine Hesse

Übergänge, Veränderungen werden im menschlichen Dasein häufig als krisenhaft empfunden. In der deutschen Öffentlichkeit verbreitet sich zunehmend die Ansicht, dass sich unser Gemeinwesen derzeit in einer Phase des Übergangs befindet.
Christine Hesse, Redaktion Informationen zur politischen Bildung (Foto: L. Welding, Köln)
Christine Hesse, Redaktion Informationen zur politischen Bildung
(Foto: L. Welding, Köln)

Unter den Faktoren, die diese Veränderungen ausgelöst haben, steht zuvorderst die Globalisierung. Sie hat, durch technische Entwicklungen begünstigt, in den letzten Jahrzehnten an Intensität gewonnen und zwingt die Staaten in einen weltweiten Standortwettbewerb.
Aber auch schleichende Entwicklungen erzielen nachhaltige Wirkungen: Während in weiten Teilen der Welt immer noch die Übervölkerung Ressourcen aufzehrt, damit wirtschaftlichen Wohlstand gar nicht erst entstehen lässt und die Armut junge Menschen in die Emigration treibt, schrumpft in den wohlhabenden Staaten Europas die Bevölkerung.
Vielfältige Ursachen tragen zum Bevölkerungsrückgang bei: gesellschaftliche Trends wie die fortschreitende Individualisierung, der Vorrang materieller Werte, die Tendenz zu kurzfristigen Bindungen und fragmentierten Lebensläufen. Aber auch berufliche Zwänge wie der zu verstärkter Mobilität und Flexibilität führen dazu, dass sich immer weniger Menschen für Kinder entscheiden, obwohl laut Umfragen zum Beispiel in Deutschland weiterhin eine Mehrheit die Gründung einer Familie zu den Grundbedingungen eines erfüllten, glücklichen Lebens zählt. Eltern in entwickelten Ländern brauchen zu ihrer Entscheidung für Kinder jedoch ein Mindestmaß an materieller Sicherheit und mittelfristiger Festlegung.
Die Folgen des Bevölkerungsrückgangs sind ebenso komplex wie seine Ursachen. Sie betreffen alle Lebensbereiche, den allgemeinen Wohlstand, die Siedlungsstruktur und vor allem die sozialen Sicherungssysteme, die zu einer Zeit konzipiert wurden, als noch allgemein von stabilen Geburtenraten und wachsendem ökonomischen Wohlstand ausgegangen wurde. Sie müssen dringend den gewandelten Voraussetzungen angepasst werden.
Die deutsche Gesellschaft wird künftig ihr Gesicht verändern und zunehmend aus älteren Menschen bestehen. Speziell im urbanen Raum könnte sich die jetzige Mehrheitsgesellschaft mit kleineren Minderheiten allmählich in eine Mosaikgesellschaft aus gleichrangigen Minderheiten verwandeln, Kinder werden zur Rarität.
Diesen Entwicklungen sollte gestalterisch begegnet werden.
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10. Februar 2012
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