|
|
 |

 |

Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 31/2008)
 |
 |
 |
 |
 |
Corporate-Citizenship- Forschung in Deutschland |

 |
 |
Judith Polterauer
|
 |
|

Herausforderungen für die Forschung |
   |
 |
 |
 |
 |
 |
Daher ist für die wissenschaftliche Diskussion die Offenlegung des Referenzpunkts von CC und CSR wichtig. Dies schließt zunächst die Unterscheidung der Konzepte von Unternehmensverantwortung und -engagement ein, aber auch die Reflektion der gesellschaftstheoretischen Basis, denn ein kommunitaristisches Citizenship-Verständnis hat ein völlig anderes Referenzsystem als ein liberales. Ähnlich wie beim Zivilgesellschaftsbegriff werden also auch bei CC und CSR auf unterschiedlichen Ebenen normative Annahmen getroffen, etwa über die "richtige" Aufteilung politischer Aufgaben oder die Definitionshoheit von Gemeinwohl. Diese Annahmen dienen dann entweder der Bewertung von "gutem" oder "erfolgreichem" CC oder generell zur Anerkennung der legitimen Verwendung des CC-Begriffs und müssen deswegen offengelegt werden.
Nach der Phase der Begriffsab- und Verständniserarbeitung des Phänomens wird es essentiell sein, zentrale themenspezifische Fragestellungen als empirische Forschungsfragen voranzutreiben. Ausgangspunkte mit Aussicht auf Erkenntnisgewinn verspricht dabei die Berücksichtigung von thematischen Bezügen in unterschiedlichen Disziplinen, auch wenn diese begrifflich nicht als CC/CSR gekennzeichnet sind. In den Sozialwissenschaften ist beispielsweise im Bereich der Elitenforschung Informatives über sich wandelnde Gesellschaftsbilder und Selbstverständnisse von Managerinnen und Unternehmern zu erwarten, die mit organisationstheoretischen Überlegungen erweitert werden müssten. Die Nonprofit-Forschung und die Umweltsoziologie können die Diskussion über die Erstellung von Kollektivgütern und damit zu Chancen und Potentialen von Corporate Citizenship befruchten.
Die Entwicklungssoziologie und die Transformationsforschung sind einerseits auch mit der spezifischen Herausforderung konfrontiert, soziales Handeln vor dem Hintergrund unterschiedlicher kultureller Blickwinkel zu untersuchen, was bei CC und CSR zum Beispiel bei Fragen globalen Engagements relevant ist. Andererseits stehen dort insbesondere gesellschaftliche Wandlungsprozesse im Fokus - eine Perspektive, die für die CC/CSR Forschung erkenntnisreich sein kann.
Trotz der Vielzahl der derzeit am Markt erhältlichen Publikationen zum Thema CC und CSR besteht also beachtlicher Forschungsbedarf. Und trotz der multidisziplinären Anknüpfungspunkte des Themas scheint zu diesem Zeitpunkt vor allem eine profunde fachspezifische Auseinandersetzung notwendig. Ein fachübergreifender Austausch ist freilich begrüßenswert, jedoch gilt es zu verhindern, dass die disziplintypischen Blickwinkel mit ihren jeweils legitimen und eigenlogischen Fragestellungen zu Gunsten einer interdisziplinär harmonisierten Forschungsarbeit geopfert werden. |
 |
 |
|
 |
17. März 2010
 |
 |
 |
Dossier |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Wirtschaft
Wirtschaftliche Grundkenntnisse sind so wichtig wie das kleine 1x1. Das Dossier liefert Hintergründe und Themenbeiträge zu den wichtigsten aktuellen Wirtschaftsdebatten. |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
 |
 |
Schriftenreihe |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Fegefeuer des Marktes
Kapitalismuskritik ist en vogue, vom linken Politiker bis zum Konzernchef. Elf namhafte Autoren formulieren in diesem Band ihre Gedanken zur Zukunft des Kapitalismus. |
 |
|
 |
 |
 |
|
 |
 |
|