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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 39/2008)
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Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert |

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Miriam Meckel
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Die Gesetze der Peer Production |
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Diese neuen Koordinationsmechanismen charakterisieren auch die veränderten Kommunikationsverhältnisse in der Netzwerkgesellschaft. Der Netzphilosoph David Weinberger beschreibt, wie das Web in seiner Grundstruktur auch unsere Kommunikationsformen prägt und verändert. Nachdem die zentralen Kontrollpunkte für die Verwaltung von Inhalten entfernt wurden, entsteht im Web eine locker verbundene Sammlung von Inhalten und Verbindungen (Links) in einem Ausmaß, das bislang einmalig und in seiner Entwicklung unabsehbar ist. In diesem Web finden sich unzählige Einzeldokumente ("small pieces loosely joined"), die beliebig verbunden und zusammengesetzt werden können. Was das Web mit den Inhalten gemacht hat, das macht es nun auch mit unseren Institutionen und Strukturen - und mit uns selbst: Auch wir Menschen sind flexibel und in vielen Varianten miteinander verbunden in diesem Netz der kommunikativen Verbindungen.
Dieser Prozess beschleunigt und verstärkt sich in den letzten Jahren: Das Web 1.0 war noch aus Seiten zusammengesetzt, die in einer bis dahin unbekannten Art und Form über Hypertext verlinkt waren, wodurch sich eine erste Stufe der dreidimensionalen (horizontal, vertikal und räumlich) Vernetzung ergab - im Vergleich zu heute allerdings in statischer Form. Das Web 2.0 konstituiert sich hingegen flexibel daraus, was Menschen im Netz anbieten und wie sie sich miteinander verbinden. Es sind nicht mehr nur die Seiten, die verlinkt sind, sondern auch die Menschen vernetzen sich täglich neu und anders. Sie bilden in diesen Vernetzungsprozessen flexible Communities, die immer neue Inhalte hervorbringen, indem sie Neues einstellen oder Bestehendes anders zusammensetzen.
Ein Beispiel hierfür ist Wikipedia: Die Internet-Enzyklopädie entsteht durch die gemeinschaftliche Produktion von Einträgen zu allen vorstellbaren Themen und Fragen dieser Welt. Eine beliebige Zahl von Autoren schreibt an den einzelnen Einträgen mit und überprüft sie permanent. Dieses Verfahren ist schnell und sehr flexibel; das Produkt ist viel aktueller als es beispielweise die gedruckte Ausgabe der "Encyclopaedia Britannica" jemals sein könnte. Und die Qualität der Ergebnisse ist - kürzlich belegt durch eine Studie der Wissenschaftszeitschrift "Nature" - interessanterweise nahezu gleichwertig. Dieser Prozess kann als Peer Production bezeichnet werden: die Kooperation Gleichgestellter und Gleichgesinnter in losen Netzwerken zur Herstellung von informationsbasierten Gütern und Dienstleistungen. Sie scheint durch drei Gesetzmäßigkeiten gekennzeichnet:
1. Partizipation: Jeder kann sich an allen Kommunikationsprozessen beteiligen - unabhängig von Hierarchien oder institutionellen Anbindungen. Für viele Macher und Nutzer des Netzes bedeutet das die Demokratisierung der Informations- und Medienwelt;
2. Emergente Vernetzung: Wer etwas Neues ins Netz einbringt, verändert mit seinem Beitrag Inhalt und Qualität des gesamten Angebots für alle Netznutzer. Nach dem Motto: Meine Produktivität wächst, wenn du ins Netz gehst; deine Produktivität wächst, wenn ich ins Netz gehe;
3. Transparenz: Diese Prozesse der Herstellung und Bereitstellung von Informationen und Kommentaren im Netz sind absolut transparent, also nachvollziehbar. Jeder Beitrag kann diskutiert, in seinen Einzelteilen überprüft, bestätigt oder in Frage gestellt werden.
Neu an dieser Veränderung der informationellen Güter in der Netzwerkgesellschaft ist die Kombination individueller Informationen, Bewertungen und Vorlieben zu einem Gesamten - ein Prozess, der unter dem Begriff der "Weisheit der Vielen" bekannt geworden ist. Ergebnis der kollaborativen Informationsherstellung und -verarbeitung durch ein vernetztes Kollektiv ist eben nicht ein kleinster gemeinsamer Nenner, sondern Exzellenz, die der Einzelne alleine für sich in der Regel nicht herstellen und gewährleisten kann. "Für gewöhnlich bedeutet Durchschnitt Mittelmaß, bei Entscheidungsfindungen dagegen oft Leistungen von herausragender Qualität. Allem Anschein nach sind wir Menschen also programmiert, kollektiv klug und weise zu sein."
Die Kraft des "kollektiven Wir" hat sich erst durch die Entwicklung der digitalen Technologien in Verbindung mit dem Internet voll entfalten können und die Kommunikationsprozesse in unserer Gesellschaft sowie deren Produkte, die immateriellen Informations-, Meinungs- und Kulturgüter, enthierarchisiert und dezentralisiert. Das gilt etwa auch für die Art und Weise, in der Themen in den öffentlichen Diskurs eingebracht und auf die aktuelle Agenda dieses Diskurses gesetzt werden. |
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10. Februar 2012
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Arbeitsmaterialien Medien |
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Medienpädagogik "Wissensgesellschaft"
Wir leben in einer "Informations-" und "Wissensgesellschaft" – aber was bedeutet das konkret? Die multimediale Publikation erschließt die Folgen der neuen Medien für Politik, Wirtschaft und Alltag. |
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