Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 39/2008)

Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert


Miriam Meckel
Inhalt

Einleitung

Die Netzwerkgesellschaft

Die Gesetze der Peer Production

Weblogs: Agenda Setting im Web 2.0

Social Networking: die Dynamik der Netzwerkkommunikation

Triangulärer Kommunikationsmodus

Weblogs: Agenda Setting im Web 2.0
Kommunikationsplattformen der "Netzwerkgesellschaft" sind vor allem Weblogs, deren Anzahl inzwischen laut Technorati auf weltweit mehr als 70 Millionen gewachsen ist. Die Blogosphäre (Gesamtheit aller Weblogs) wächst mit 120 000 neuen Weblogs pro Tag ebenso rasant, wie sich das Mitteilungsbedürfnis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Blogger) entwickelt hat: Sie stellen weltweit pro Tag etwa 1,4 Millionen Postings ein.[10]

Weblogs gelten als eigenständiges Format in der neuen Kommunikationsmatrix der Netzwerkgesellschaft, weil ihre Inhalte in chronologischer Form geordnet und in dialogorientierter Weise auf einer Website dargestellt werden und die Teilnehmer in einem zuweilen sehr persönlichen Kommunikationsstil über persönliche Einstellungen, Bewertungen und Erfahrungen schreiben können. Weblogs sind zwar oftmals hochgradig subjektiv, haben sich aber vielleicht gerade deshalb zu einer nachhaltigen kommunikativen Einflussgröße entwickelt. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass ihre wissenschaftliche Analyse bislang nur kursorisch erfolgt. Viele wissenschaftliche Veröffentlichungen aus den vergangenen Jahren konzentrieren sich auf die Beschreibung des Phänomens (Andrew O'Baoill) sowie dessen Klassifizierung (Ansgar Zerfass/Dietrich Boelter),[11] während die Faszination dieser neuen Kommunikationsplattformen davon ausgeht, dass sie eben nicht klassifizierbar oder steuerbar sind. Dennoch macht die Vernetzung der Teilnehmer über Blogs die "Mundpropaganda" inzwischen zu einem wichtigen Multiplikations- und Verstärkungsinstrument für das Agenda-Setting im Netz.[12] Ein Beispiel aus der Wirtschaft: Im Juni 2005 beschwerte sich der professionelle US-Blogger Jeff Jarvis in seinem Blog "buzzmachine" über seinen neuen DELL-Computer. Er hatte beim Kauf zusätzlich für einen Service bezahlt, der garantieren sollte, dass der PC durch einen Techniker im Falle eines Problems bei ihm zu Hause repariert würde. Die Firma DELL war offenbar nicht in der Lage, diesen Service zur Verfügung zu stellen. Nach einigen Auseinandersetzungen mit DELL begann Jeff Jarvis in seinem Blog über das Problem zu berichten. In seinem zweiten Posting über den mangelhaften Kundenservice von DELL kreierte Jeff Jarvis den Begriff "DELL Hell". Eine Abfrage bei Google ergab vier Wochen nach Beginn der Weblog-Debatte über die Servicequalität von DELL 3,5 Millionen Treffer. Inzwischen hatten sich unzählige weitere unzufriedene Kunden der Diskussion im Blog von Jeff Jarvis, aber auch auf weiteren Kommunikationsplattformen angeschlossen. Eine Diffusionsanalyse der Kommunikationsbeziehungen in der Netz-Community zur Servicequalität von DELL zeigt,[13] dass erstens Weblogs die Kommunikationsstrukturen rund um das Issue Kundenzufriedenheit bei den Produkten und Services des Unternehmens DELL dominieren und zweitens 37 Prozent aller Verlinkungen der Informationsströme rund um dieses Issue auf den Blogger Jeff Jarvis zurückgehen. Fazit: Die beschriebenen Besonderheiten der informations- und kommunikationsbasierten Güter, hergestellt in einem Prozess der Peer-Production, ermöglichen es einem einzelnen Kommunikator, im Netz ein Thema zu setzen und ein Unternehmen zeitweilig kräftig unter Druck zu setzen. In der Politik beobachten wir ähnliche Prozesse: Im US-Präsidentschaftswahlkampf musste sich der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama monatelang für eine auf einer nicht-öffentlichen Fundraisingveranstaltung im April 2008 geäußerte Bemerkung verantworten. Er hatte in San Francisco über Kleinstadtamerikaner gesprochen, die ob ihrer ökonomischen Situation verbitterten und sich an ihre Waffen klammerten, ihre Religion oder ihre Ablehnung gegenüber Menschen, die anders seien als sie selbst. Dies wurde von einer Bloggerin für OffTheBus.net aufgegriffen, eine Website, die vom populären Nachrichten-, Gerüchte- und Blogportal Huffingtonpost.com veröffentlicht wird. Dieses eine Blogposting diffundierte innerhalb von wenigen Stunden in die Medien und geriet zur Sensationsnachricht.[14] Alle traditionellen Medien griffen die Obama-Bemerkung auf und bis zur eigentlichen Entscheidung über die Kandidatur Obamas beherrschte sein Zitat die mediale Berichterstattung.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
PDF-Version
Inhalt
Bild vergrößern
Neue Medien - Internet - Kommunikation
Editorial
Raumzeitliche Struktur im Internet
Globalisierung der Medien und transkulturelle Kommunikation
Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert
Perspektiven eines alternativen Internet
Internetnutzung von Migranten - ein Weg zur Integration?
Kinder und Jugendliche zwischen Virtualität und Realität
Psychische Folgen der Internetnutzung
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika:
Arbeitsmaterialien Medien
Medienpädagogik Wissensgesellschaft
Medienpädagogik "Wissensgesellschaft"
Wir leben in einer "Informations-" und "Wissensgesellschaft" – aber was bedeutet das konkret? Die multimediale Publikation erschließt die Folgen der neuen Medien für Politik, Wirtschaft und Alltag.
Medienpädagogik Wissensgesellschaft