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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 39/2008)
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Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert |

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Miriam Meckel
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Weblogs: Agenda Setting im Web 2.0 |
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Kommunikationsplattformen der "Netzwerkgesellschaft" sind vor allem Weblogs, deren Anzahl inzwischen laut Technorati auf weltweit mehr als 70 Millionen gewachsen ist. Die Blogosphäre (Gesamtheit aller Weblogs) wächst mit 120 000 neuen Weblogs pro Tag ebenso rasant, wie sich das Mitteilungsbedürfnis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Blogger) entwickelt hat: Sie stellen weltweit pro Tag etwa 1,4 Millionen Postings ein.
Weblogs gelten als eigenständiges Format in der neuen Kommunikationsmatrix der Netzwerkgesellschaft, weil ihre Inhalte in chronologischer Form geordnet und in dialogorientierter Weise auf einer Website dargestellt werden und die Teilnehmer in einem zuweilen sehr persönlichen Kommunikationsstil über persönliche Einstellungen, Bewertungen und Erfahrungen schreiben können. Weblogs sind zwar oftmals hochgradig subjektiv, haben sich aber vielleicht gerade deshalb zu einer nachhaltigen kommunikativen Einflussgröße entwickelt. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass ihre wissenschaftliche Analyse bislang nur kursorisch erfolgt. Viele wissenschaftliche Veröffentlichungen aus den vergangenen Jahren konzentrieren sich auf die Beschreibung des Phänomens (Andrew O'Baoill) sowie dessen Klassifizierung (Ansgar Zerfass/Dietrich Boelter), während die Faszination dieser neuen Kommunikationsplattformen davon ausgeht, dass sie eben nicht klassifizierbar oder steuerbar sind. Dennoch macht die Vernetzung der Teilnehmer über Blogs die "Mundpropaganda" inzwischen zu einem wichtigen Multiplikations- und Verstärkungsinstrument für das Agenda-Setting im Netz.
Ein Beispiel aus der Wirtschaft: Im Juni 2005 beschwerte sich der professionelle US-Blogger Jeff Jarvis in seinem Blog "buzzmachine" über seinen neuen DELL-Computer. Er hatte beim Kauf zusätzlich für einen Service bezahlt, der garantieren sollte, dass der PC durch einen Techniker im Falle eines Problems bei ihm zu Hause repariert würde. Die Firma DELL war offenbar nicht in der Lage, diesen Service zur Verfügung zu stellen. Nach einigen Auseinandersetzungen mit DELL begann Jeff Jarvis in seinem Blog über das Problem zu berichten. In seinem zweiten Posting über den mangelhaften Kundenservice von DELL kreierte Jeff Jarvis den Begriff "DELL Hell". Eine Abfrage bei Google ergab vier Wochen nach Beginn der Weblog-Debatte über die Servicequalität von DELL 3,5 Millionen Treffer. Inzwischen hatten sich unzählige weitere unzufriedene Kunden der Diskussion im Blog von Jeff Jarvis, aber auch auf weiteren Kommunikationsplattformen angeschlossen. Eine Diffusionsanalyse der Kommunikationsbeziehungen in der Netz-Community zur Servicequalität von DELL zeigt, dass erstens Weblogs die Kommunikationsstrukturen rund um das Issue Kundenzufriedenheit bei den Produkten und Services des Unternehmens DELL dominieren und zweitens 37 Prozent aller Verlinkungen der Informationsströme rund um dieses Issue auf den Blogger Jeff Jarvis zurückgehen. Fazit: Die beschriebenen Besonderheiten der informations- und kommunikationsbasierten Güter, hergestellt in einem Prozess der Peer-Production, ermöglichen es einem einzelnen Kommunikator, im Netz ein Thema zu setzen und ein Unternehmen zeitweilig kräftig unter Druck zu setzen.
In der Politik beobachten wir ähnliche Prozesse: Im US-Präsidentschaftswahlkampf musste sich der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama monatelang für eine auf einer nicht-öffentlichen Fundraisingveranstaltung im April 2008 geäußerte Bemerkung verantworten. Er hatte in San Francisco über Kleinstadtamerikaner gesprochen, die ob ihrer ökonomischen Situation verbitterten und sich an ihre Waffen klammerten, ihre Religion oder ihre Ablehnung gegenüber Menschen, die anders seien als sie selbst. Dies wurde von einer Bloggerin für OffTheBus.net aufgegriffen, eine Website, die vom populären Nachrichten-, Gerüchte- und Blogportal Huffingtonpost.com veröffentlicht wird. Dieses eine Blogposting diffundierte innerhalb von wenigen Stunden in die Medien und geriet
zur Sensationsnachricht. Alle traditionellen Medien griffen die Obama-Bemerkung auf und bis zur eigentlichen Entscheidung über die Kandidatur Obamas beherrschte sein Zitat die mediale Berichterstattung. |
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10. Februar 2012
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Arbeitsmaterialien Medien |
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Medienpädagogik "Wissensgesellschaft"
Wir leben in einer "Informations-" und "Wissensgesellschaft" – aber was bedeutet das konkret? Die multimediale Publikation erschließt die Folgen der neuen Medien für Politik, Wirtschaft und Alltag. |
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