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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 39/2008)

Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert


Miriam Meckel
Inhalt

Einleitung

Die Netzwerkgesellschaft

Die Gesetze der Peer Production

Weblogs: Agenda Setting im Web 2.0

Social Networking: die Dynamik der Netzwerkkommunikation

Triangulärer Kommunikationsmodus

Triangulärer Kommunikationsmodus
Social Networking verändert die Rolle und Bedeutung von Informationen im Kommunikationsprozess und räumt endgültig mit den Vorstellungen einer "Sender-Empfänger-Beziehung" zwischen Kommunikator und Rezipient auf. Unter den neuen Regeln der Peer Production ist jeder, unabhängig von institutioneller Anbindung und Legitimation, ein Kommunikator unter vielen. Er macht Informationsangebote, deren Nutzung im Prozess der sozialen Vernetzung kaum vorhersagbar ist. Er sendet nicht einmalig eine Botschaft, sondern wird zum dauerhaften Kommunikations- und Interaktionspartner mit seinen Communities und einer undefinierten, nicht abgrenzbaren Öffentlichkeit. Dabei scheint sich zunehmend ein triangulärer Kommunikationsmodus herauszukristallisieren, der den einzelnen Kommunikator in drei Funktionen im Netz aktiv zeigt: express: Eine der wichtigsten Funktionen der Netznutzung besteht darin, sich selbst und den eigenen Interessen Ausdruck zu verleihen. Bei einer Befragung US-amerikanischer Blogger geben 52 Prozent der Befragten als Hauptmotiv für die Kommunikation im Web an, sich selbst kreativ mitteilen zu wollen ("to express yourself creatively").[22] Eine Studie über deutsche Blogger kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: 66,8 Prozent der Befragten gaben an, Weblogs zu nutzen, "weil ich was zu sagen habe und selber gerne schreibe".[23] connect: Die zweitwichtigste Funktion der Web 2.0 basierten Kommunikation ist die Vernetzung und der Austausch mit anderen Nutzern und mit Gleichgesinnten. Wenn das eindrucksvolle Wachstum und die Erfolgsgeschichte der Social Networking Website nicht schon als Beleg dafür reichen, dass Menschen mit Menschen im Internet in Kontakt treten wollen, dann mag die Motivlage der Blogger diese Erkenntnis noch unterstreichen: In den USA wollen 37 Prozent der Blogger über das Netz mit Freunden und Bekannten in Kontakt bleiben, 16 Prozent wollen neue Menschen über das Netz kennen lernen. In Deutschland wollen sich 55 Prozent mit anderen austauschen, 18 Prozent wollen mit neuen Leuten in Kontakt kommen.[24] share: Ein drittes wichtiges Moment in der vernetzten Kommunikation ist die Teilhabe an Informationen, Meinungen und Wissen anderer sowie der Drang, anderen auch die eigenen für wichtig gehaltenen Informationen zur Verfügung zu stellen. Das hinterlegte Grundprinzip dieser Teilhabe- und Verweisfunktion der Netzwerkkommunikation geht auch in die im Web entstandenen und fortgeschriebenen kollektiven Empfehlungs- und Indexierungsprozesse ein, die unter dem Begriff der "Folksonomy" zusammengefasst werden.[25] Im Web 2.0 wird das relevant, was durch andere, zur eigenen Community gehörige oder aus anderen Gründen wichtige Personen im Netzwerk empfohlen und weiterverbreitet wird. Im Web ist daher der "share-button", mit dem man Freunden oder der Peer Group Informationen weiterleiten kann, ein wichtiges Instrument, das über Verbreitungs- und Kommunikationserfolg wesentlich mit entscheidet.

Individualisierter Ausdruck, Vernetzung und Austausch als neue Formen der Kommunikation sind wichtige Belege dafür, dass Web 2.0 eben nicht nur eine technologische Veränderung der Netzwerkkommunikation im Sinne eines Softwareupgrades darstellt, sondern eine neue Qualität in die Funktionen und Formen gesellschaftlicher Kommunikation eingeführt hat. Es sind nicht mehr allein die "Biographien großer Männer", die Weltgeschichte schreiben, wie es der schottische Philosoph Thomas Carlyle im 19. Jahrhundert beschrieben hat.[26] Es ist heute vielmehr jeder Einzelne, der als Teil der Vielen ein Netzwerk ausmacht, der vernetzt kommuniziert und dabei die Geschichte der Mediengesellschaft in die einer Netzwerkgesellschaft umschreibt. Aus Vielen wird das Eins gefunden, das als Prozess der kommunikativen These und Gegenthese die Synthese hervorbringt - das sich wandelnde Eins als die Öffentlichkeit unserer Gesellschaft. In den Worten des Internetphilosophen David Weinberger: "We are the true small pieces` of the Web and we are loosely joining ourselves in ways that we're still inventing."[27]
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10. Februar 2012
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Inhalt
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Neue Medien - Internet - Kommunikation
Editorial
Raumzeitliche Struktur im Internet
Globalisierung der Medien und transkulturelle Kommunikation
Aus Vielen wird das Eins gefunden - wie Web 2.0 unsere Kommunikation verändert
Perspektiven eines alternativen Internet
Internetnutzung von Migranten - ein Weg zur Integration?
Kinder und Jugendliche zwischen Virtualität und Realität
Psychische Folgen der Internetnutzung
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