Die bpbBestellenNewsletterPressePartnerImpressumKontakt

Home
   
FAQ Index
Suche

Themen
Publikationen
Arbeitsmaterialien Medien
Aus Politik und Zeitgeschichte
AV-Medienkatalog
CD-ROM/ CD/ DVD
Einzel-
publikationen
Entscheidung im Unterricht
Filmhefte
fluter
HanisauLand
Informationen zur politischen Bildung
Info aktuell
Internet-Angebote
Mobile Angebote
Karten
Pocket
Rechtsreihe
Schriftenreihe
Spicker Politik
Thema im Unterricht
Themenblätter im Unterricht
Themen und Materialien
Zeitbilder
Spiele
Sonstige
Was geht?
Suche
Veranstaltungen
Wissen
Lernen


Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 34-35/2006)

Kultur- oder "Kreativwirtschaft": Was ist das eigentlich?


Andreas Joh. Wiesand
Inhalt

Einleitung

Eine neue "kreative Klasse"?

"Kulturwirtschaft" oder "Creative Industries"?

Akademische und politische Hypotheken

Wer sind die "Kreativen"?

"Kulturwirtschaftsberichte" - Brücken zwischen Politik, Kultur und Ökonomie

Einige zentrale Ergebnisse der Berichte

Empfehlungen - nicht nur für die Schublade

Ein Vorschlag zur Diskussion: der "Kreativsektor"

Empfehlungen - nicht nur für die Schublade
Sicher wäre es verfehlt, eine Umsetzung aller Vorschläge in den diversen Berichten im Verhältnis 1 : 1 zu erwarten; manche sind ohnehin "programmbegleitend", reagieren also mehr auf politische Maßnahmen, als dass sie neue empfehlen würden, andere betreffen eher Fragen einer grundsätzlichen Neuorientierung der Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Kulturpolitik. Letzteres gilt teilweise für die NRW-Kulturwirtschaftsberichte, für deren Inhalt ja nicht das Ministerium selbst, sondern eine unabhängige Gruppe von Fachleuten aus Universitäten und Forschungseinrichtungen[23] verantwortlich zeichnet. Dennoch lassen sich auch für NRW beispielhaft einige Projekte nennen, die entweder direkt auf Empfehlungen der Berichte zurückgehen oder Defizite aufgreifen, die dort benannt wurden:

1. An der StartART- Gründungsinitiative des Landes NRW für Kunst und Kulturwirtschaft, die den Weg in die Selbständigkeit durch betriebswirtschaftliche Beratung und Qualifizierung fördern sollte, beteiligten sich 2001 bis 2003 in drei Wettbewerbsrunden 333 Existenzgründerinnen und -gründer mit insgesamt 227 Unternehmenskonzepten. Die meisten davon (55 Prozent) zielten auf kulturwirtschaftliche Dienstleistungen (wie Vermittlung, Marketing oder Veranstaltungsmanagement), 22 Prozent auf Existenzgründungen für künstlerische und Designtätigkeiten. 21 Konzepte wurden prämiert (Zuschuss für Gründungsaktivitäten bis zu 50 000 Euro). Das Programm erhielt in der Fachpresse gute Noten: "Die Besetzung der Jury, die Höhe der Zuschussgelder, die hohen Anforderungen an die Erstellung eines Businessplanes als Teilnahmevoraussetzung, verbunden mit dem Fokus auf innovative Vorhaben unterstrichen den besonderen Anspruch der in dieser Branchenausrichtung bundesweit einzigartigen Initiative."[24]

2. Mit ähnlicher Zielsetzung, aber primär an kommunale Träger gerichtet, wurde 2001 ein Landeswettbewerb zur Einrichtung Kultureller Gründerzentren ausgelobt. Drei Vorhaben erhielten Zuschüsse von 50 Prozent der Planungs- und Managementkosten.

3. Modellprojekte zur Nutzung kulturwirtschaftlicher Angebote für den Tourismus werden vor allem in den strukturschwächeren Regionen Ruhrgebiet und Ostwestfalen-Lippe gefördert.

4. Kulturwirtschaftstage und Branchenforen werden mit dem Ziel einer Verbesserung von Information, Know-how und Kommunikation in verschiedenen Branchen veranstaltet.

5. Die Förderung einer Beteiligung an Auslandsmessen ist intensiviert worden (so z.B. für vier Jahre bei der Leitmesse der Kunstfotografie Paris Photo).

6. Endogene Potenziale werden durch Schwerpunkte in der Kultur- und Kreativwirtschaft (" Clusterbildung") unterstützt. Beispiel: Ausbau der Zeche Zollverein als Design-Kompetenzzentrum.

Mit diesen Beispielen soll nicht der Eindruck erweckt werden, es ließe sich mit Statistiken über eine dynamische Kultur- und Medienwirtschaft und ihrer Fortschreibung in offiziösen Berichten nahezu alles an politischen Strategien und Fördermaßnahmen begründen, was jeweils gerade auf dem Markt en vogue ist oder von Interessengruppen hartnäckig gefordert wird. Grundsätzlich gilt wohl, dass nur dort eine öffentliche Förderung gerechtfertigt ist, wo an reale Marktpotenziale bzw. besondere Erfahrungen bei den Erwerbstätigen - ein "kulturelles Kapital" im Sinne von Pierre Bourdieu - angeknüpft werden kann oder Nachteile und Wettbewerbshemmnisse auszugleichen sind. Eine leistungsfähige Kulturwirtschaft lässt sich also nicht schematisch für alle Branchen und Regionen aus dem Boden stampfen.

Zu dieser Einsicht kam etwa der 1. Kulturwirtschaftsbericht für das Land Sachsen-Anhalt.[25] Dessen wirtschaftliche Lage und vor allem die auch durch hohe Arbeitslosigkeit bedingte geringe Kaufkraft ließen keine Empfehlungen für einen flächendeckenden Aufbau kulturwirtschaftlicher Infrastrukturen etwa im Buch-, Kunst- oder Musikmarkt zu. Allerdings wurde ein großes Potenzial im Kulturtourismus, bei der Produktion von Designgütern (Bauhaus-Tradition) und in der Medienwirtschaft ausgemacht. Letzteres galt insbesondere für Betriebe mit Aufgaben in der Gestaltung, der Produktion und beim Management von "Content" für die Neuen Medien - auch andernorts eine wichtige, Ressourcen schonende Entwicklungschance.
Themen | Wissen | Veranstaltungen |
Publikationen | Lernen |
Die bpb | Bestellen | Newsletter | Presse | Partner |
Impressum | Datenschutz | Kontakt | Home
10. Februar 2012
Druck-Version
Artikel versenden
PDF-Version
Inhalt
Bild vergrößern
Kulturwirtschaft
Editorial
Kulturwirtschaft und Raumentwicklung Essay
Kultur- oder "Kreativwirtschaft": Was ist das eigentlich?
Daten und Fakten zur Kulturwirtschaft
Kulturberufe und Kulturwirtschaft - Gegensatz oder Symbiose?
Strukturwandel durch Kulturwirtschaft
Lexikonsuche
Suchwort:
Lexika: