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Informationen zur politischen Bildung (Heft 257)

Gesellschaftliche Strukturen


Joachim Betz
Inhalt

Einleitung

Bildungspolitik

Kinderarbeit

Gesundheitswesen

Familienplanung

Armut

Armutsbekämpfung

Unterprivilegierte Gruppen

Kastensystem

Religionen

Literatur und Film

Einleitung

Seit der Unabhängigkeit (1947) konnte Indien substantielle Erfolge bei der Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität seiner Bevölkerung erzielen. So hat sich die Einschulungsrate verfünffacht, ein landesweites Sonderprogramm für Kinderentwicklung wurde ins Leben gerufen und die Basisgesundheitsdienste erfuhren eine wesentliche Erweiterung. Hinzu kam ein System der nationalen Ernährungssicherung zur künftigen Vermeidung von Hungersnöten. Trotz dieser Fortschritte blieben die maßgeblichen Sozialindikatoren (also Alphabetisierungsgrad, durchschnittliche Dauer des Schulbesuchs, Lebenserwartung, Kinder- und Müttersterblichkeit) bislang deutlich hinter denen der meisten anderen asiatischen Staaten zurück und variierten beträchtlich nach Region, Geschlecht und Zugehörigkeit zu bestimmten Bevölkerungsgruppen. Der Süden und der Westen verzeichnen günstigere Werte als Ost- und Zentralindien, Männer schneiden besser ab als Frauen, und auch bei den Angehörigen der niedrigen Kasten und den Stammesangehörigen liegen die Werte noch recht niedrig. Generell ist das Niveau der "menschlichen Entwicklung" (human development) in Indien bescheiden. Nach dem neuesten Bericht über die menschliche Entwicklung (Human De-velopment Report) der Vereinten Nationen - der einen Gesamtindex aus Basis-indikatoren wie Lebenserwartung, Alphabetisierung, Schulbesuchsdauer und materiellem Wohlstand darstellt - belegt Indien nur Rang 135 von 174 Staaten, liegt also noch hinter Pakistan und weit hinter Sri Lanka. Dies ist nicht nur eine Folge des Bevölkerungswachstums, das in den letzten Jahren deutlich unter zwei Prozent im Jahr lag, sondern in wesentlich stärkerem Maße eine Folge der vergleichsweise geringen staatlichen Sozialausgaben und der nur mäßigen Ausrichtung der sozialen Dienste und des Ausbildungssystems auf die wirklich Bedürftigen.
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09. Februar 2012
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