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Aus Politik und Zeitgeschichte (B 42-43/2002)

Religion und Politik in den postkommunistischen Staaten Ostmittel- und Osteuropas


Detlef Pollack
Inhalt

I. Einleitung

II. Religionsgemeinschaften in Ostmittel- und Osteuropa

III. Probleme des religiösen Pluralismus

IV. Wovon die Vitalität von Religion und Kirche abhängt

V. Überblick über die Häufigkeitsverteilung der verwendeten Variablen

VI. Erklärungsversuch

V. Überblick über die Häufigkeitsverteilung der verwendeten Variablen

Zunächst sei dargestellt, wie sich die Häufigkeit der in Betracht gezogenen Einflussfaktoren verteilt. Eine Analyse des Grades der Trennung von Staat und Kirche zeigt sowohl innerhalb West- als auch innerhalb Osteuropas große länderspezifische Unterschiede (vgl. Tab. 1). [20] Neben Ländern mit einer hohen Regelungsdichte wie Norwegen oder Tschechien stehen Länder wie etwa Frankreich oder Russland, in denen Kirche und Staat strenger getrennt sind. [21] Dabei lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen, dass ein hoher Säkularisierungsgrad mit einer hohen Regulierungsdichte und eine hohe soziale Signifikanz von Religion und Kirche mit einer scharfen Trennung von Staat und Kirche einhergehen. Vielmehr sind alle vier genannten Länder für ihre vergleichsweise niedrigen Kirchlichkeits- und Religiositätswerte bekannt (vgl. Tab. 2). In Frankreich und Russland treffen wir jedoch auf eine hohe, in Norwegen und Tschechien hingegen auf eine geringe staatliche Regulierungsdichte.

Tabelle 2 enthält alle in die Untersuchung aufgenommenen Variablen und zeigt deren Verteilung im Überblick. Bei einem Vergleich der Kirchlichkeits- und Religiositätsdaten von Ost- und Westeuropa fällt zunächst die größere Diversität der religiösen Situation in Osteuropa auf. In keinem Land Westeuropas sind die Kirchgangsraten und die Anteile der Gottesgläubigen so gering wie in Ostdeutschland oder Tschechien. Gleichzeitig gehört Polen zu den kirchlich und religiös am stärksten gebundenen Ländern Europas und übertrifft bei einigen Indikatoren sogar Irland. Auch wenn alle Kirchen und Religionsgemeinschaften während der Zeit des Staatssozialismus eine repressive Kirchenpolitik erdulden mussten, haben sie die kirchenfeindlichen Maßnahmen des atheistischen Staates offenbar unterschiedlich gut überstanden. Rückschläge mussten wohl alle Religionsgemeinschaften hinnehmen. In manchen Ländern - wie etwa in Russland oder Albanien, in welchem die kommunistischen Machthaber bereits das Aussterben der Religion proklamiert hatten -, nahm die Zahl der Kirchenmitglieder und Gläubigen nach 1989 jedoch wieder zu. Vor allem aber scheinen die großen Differenzen in den Kirchlichkeits- und Religiositätsindikatoren zwischen den Ländern darauf hinzudeuten, dass die repressive Kirchenpolitik der sozialistischen Staaten nur einer unter vielen Faktoren ist, die das gegenwärtige religiös-kirchliche Niveau in den einzelnen osteuropäischen Ländern erklären. Nach diesem kurzen Überblick sollen nunmehr die Einflüsse der herausgestellten Faktoren auf die Kirchgangshäufigkeit, das Vertrauen in die Kirche und den Glauben an Gott systematisch analysiert werden.
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10. Februar 2012
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Religion und Politik
Editorial
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