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Schriftenreihe (Bd. 382)
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Anonymität im Internet |

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Patrick Goltzsch
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Parallel zum Web eine Möglichkeit zu schaffen, anonym publizieren zu können, ist das Ziel des Projekts Publius. Auch Publius verwendet eine Proxy-Konstruktion, um sein Ziel zu erreichen. Die Software kann auf einem entfernten Rechner angesprochen, aber auch lokal installiert werden. Für den Anwender funktioniert Publius nach dem gewohnten Modell: im Browser klicken und lesen. Ähnlich einfach gestaltet sich das Publizieren. Dabei verwendet die Software kryptografische Methoden, um das Dokument abzusichern. Der Text wird chiffriert und der Chiffrierschlüssel anschließend so in Teile zerlegt, dass sich aus einer bestimmten Anzahl von Teilen der ursprüngliche Schlüssel wieder herstellen lässt. Die Software sorgt dann für die Lagerung des Dokuments mit den Einzelteilen des Schlüssels auf verschiedenen Servern. Um den Text wieder lesbar zu machen, muss die Software einmal das Dokument holen. Zusätzlich benötigt sie eine ausreichend große Zahl von Schlüsselteilen, um den ursprünglichen Schlüssel wieder herzustellen und das Dokument zu dechiffrieren.
Publius schafft mit diesem Vorgehen ein relativ hohes Maß an Ausfallsicherheit. Selbst wenn einige Server ausfallen sollten, bleibt das Dokument an anderen Stellen erhalten und auch sein Schlüssel lässt sich immer noch rekonstruieren. Mit der Verschlüsselung der Dokumente stellt das System zudem sicher, dass die Administratoren der beteiligten Rechner nicht wissen können, was sie lagern. Letztlich räumt Publius den Autoren durch die zusätzliche Absicherung mit Passworten auch weiterhin Einfluss auf ihre Texte ein: Sie können sie verändern oder löschen.
Die bisherigen Erfahrungen mit dem Projekt fasst Marc Waldman, einer der Autoren der Software, so zusammen: "Publius erlebte eine zurückhaltende, wenn auch stetige Benutzung – meistens Nachfragen nach Dokumenten." In einem im November 2001 erschienenen Bericht umreißt Waldman zusammen mit seinen Ko-Autoren Aviel Rubin und Lorrie Cranor einige mögliche Ergänzungen für Publius. So könnten Autoren die Möglichkeit erhalten, ihre Veröffentlichungen bei einem Index anzumelden, damit Außenstehende einen Eindruck bekommen können, was im Publius-Netzwerk lagert.
Während Publius sich noch deutlich am Web orientiert, schlägt das Projekt Freenet eine vollkommen andere Richtung ein. Freenet realisiert ein Peer-to-Peer-Netzwerk. In Peer-to-Peer-Netzwerken entfällt die harte Unterscheidung von Client und Server (der Client, etwa das E-Mail-Programm, erfragt eine Leistung – eine E-Mail zustellen – und der Server erledigt sie). Stattdessen übernehmen die beteiligten Rechner beide Rollen. Sie stellen selbst Anfragen und beantworten die Anforderungen anderer. Das bekannteste Peer-to-Peer-Netzwerk dürfte Gnutella sein. Das entscheidende Merkmal des Netzes besteht darin, keinen zentralen Punkt zu kennen über den die Kommunika-
PROBLEM
tion läuft. Es handelt sich um ein "verteiltes Netz", das einen hohen Grad an Stabilität aufweist. Auch wenn einzelne Knoten ausfallen, ist die Kommunikation gewährleistet. Erkauft wird die Stabilität mit Einbußen bei der Leistungsfähigkeit, weil Bandbreite unter anderem für Kontrollinformationen verloren geht.
"Freenet" sieht die hohe Stabilität in Peer-to-Peer-Netzwerken als Vorteil und baut darauf auf. Es erweitert jedoch die Mechanismen, um daraus ein eingriffsresistentes Netzwerk zu machen. Bei Publius haben die Autoren Einfluss auf jene Daten, die sie dem Netz zur Verfügung stellen. Sie können ihre eigenen Daten hinzufügen, verändern und löschen. Freenet erlaubt den Nutzern zwar, Daten in das Netz zu speisen, entzieht sie dann aber weitgehend ihrer Kontrolle. So können Autoren aktualisierte Fassungen bereitstellen, aber die älteren Versionen ihrer Arbeiten bleiben erhalten. Um die Menge des Inhalts trotzdem in Grenzen zu halten, werden wenig nachgefragte Inhalte nach einiger Zeit gelöscht.
Daten werden auch bei Freenet verschlüsselt und über das Netz verteilt. Wie die Server bei Publius wissen die einzelnen Teilnehmer unter diesen Umständen nicht, was von dem Angebot im Freenet von ihrem eigenen Rechner stammt. Zugleich anonymisiert Freenet weitgehend sämtliche interne Prozesse: Es erschwert den Aufschluss darüber, wer Informationen einspeist und wer sie abruft.
Auch bei Freenet kann der Browser als Benutzeroberfläche dienen und über einen Proxy den lokal laufenden Freenet-Server ansprechen. Darüber lassen sich in vom Web gewohnter Weise Inhalte erreichen: Jede Datei im Freenet ist mit einem Schlüssel verbunden, der gleichzeitig als URL dient. Die Schlüssel können durchsucht und die Treffer angefordert werden. Dabei werden die Suchanfragen wie im Gnutella-Netzwerk von Knoten zu Knoten weitergereicht.
Inzwischen bietet Freenet den Beweis, dass das Konzept funktioniert. Allerdings ist die effektive Benutzung der Software-Version 0.4 ohne Hintergrundkenntnisse nicht möglich. Ian Clarke, der Initiator und Ideengeber, schätzt die Beteiligung dennoch auf 200 bis 1 000 Rechner. Die Entwicklung von Freenet folgt dem Open-Source-Modell und hat mit den eigenen hoch gesteckten Zielen zu kämpfen: "Niemand hat bisher ein Projekt wie Freenet umgesetzt. Wir versuchen nicht nur Software für den allgemeinen Gebrauch herzustellen. Freenet ist auch ein Forschungsprojekt, das einige der jüngsten Ideen der Informatik verwendet", so Clarke. |
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10. Februar 2012
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