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Schriftenreihe (Bd. 382)
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Anonymität im Internet |

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Patrick Goltzsch
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5. Forschungsprojekte und Gedankenspiele |
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Neben den funktionierenden und frei verfügbaren Ansätzen existieren eine ganze Reihe von Projekten in unterschiedlichen Stadien, die ebenfalls die Privatsphäre im Internet sichern wollen.
Abgeschlossen, funktionstüchtig und patentiert, aber nicht öffentlich zugänglich ist das Projekt Onion-Router. Entwickelt in den Laboratorien der US-Marine, unterstützen Onion-Router mittlerweile eine ganze Reihe von Diensten, vom Web über E-Mail bis zur Kommunikation über das Usenet. Der Name des Projekts verweist bereits auf die Funktionsweise. Im Internet funktioniert die Kommunikation über Pakete. Sie lassen sich grob zweiteilen: Das Paket enthält die Adresse, an die es gehen soll (etwa ein Web-Server), und den Inhalt ("bitte die Seite index.html liefern"). Die Router als Vermittlungsstellen übernehmen es, das Paket anhand der Adresse zuzustellen. Ein Onion-Router verschlüsselt das Paket inklusive der Zieladresse mit der Chiffre eines zweiten Routers und übermittelt ihm das Paket. Der Zweite entschlüsselt das Paket und stellt es zu. Die Kommunikation läuft über mehrere Stationen, die der erste Router festlegt. Beim Durchlaufen der Kette schält jeder Router, wie bei einer Zwiebel, seine kryptografische Schale herunter. Damit entspricht das Funktionsprinzip dem oben geschilderten Verketten anonymer Remailer. Um auch die Verkehrsdaten zu verschleiern, verwenden die Onion-Router ebenfalls die Chaum’sche Idee des Mixes.
Mit dem Entwurf für Free Haven möchten Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) ähnlich wie Freenet eine Möglichkeit der anonymen und zensurresistenten Veröffentlichung schaffen. Auch bei Free Haven ist eine Peer-to-Peer-Infrastruktur vorgesehen, die wiederum durch Mixe die Verkehrsdaten verschleiert. Zusätzlich sollen sich die beteiligten Knoten gegenseitig bewerten, um ein ausreichendes Maß an Verlässlichkeit herzustellen: Knoten, die sich als unzuverlässig erweisen, rücken dadurch in den Hintergrund. Zu veröffentlichende Dokumente werden bei Free Haven so in Teile zerlegt und auf den Knoten gespeichert, dass eine bestimmte Anzahl der Teile erlaubt, das Dokument zu rekonstruieren (Publius verwendet die gleiche Technik für die Schlüssel).
Auf Einladung von Scott Bradner von der Harvard-Universität und der kanadischen Firma Zero Knowledge Systems im November 2000 haben sich in der unabhängigen NymIP-Forschungsgruppe ausgewiesene Spezialisten zusammengefunden, um kontrollierte Anonymität beziehungsweise Pseudonymität im Netz zu ermöglichen. Nicht nur US-Universitäten, sondern auch die Technische Universität Dresden und das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein sind beteiligt. NymIP arbeitet dem internationalen Standardisierungsgremium IETF (Internet Engineering Task Force) zu.
Mit "kontrollierter Anonymität" meint die Gruppe, dass es im Ermessen der Anwender liegen soll, ihre Identität aufzudecken oder zu verbergen. Der Entwurfsprozess soll öffentlich verlaufen. Das Projekt setzt bereits auf der grundlegenden Protokollebene an und macht die ersten Schritte mit der Erkundung der Probleme und dem Entwurf eines gemeinsamen Vokabulars. Die Entwicklungsarbeit von NymIP ist damit eine Gegenbewegung zur Entwicklung des neuen Internetprotokolls IPv6, das eine lückenlose Überwachung auf Geräteebene ermöglicht.
Das jüngste und kleinste Entwicklungsprojekt im Bereich der Anonymität nennt sich Fling und wird derzeit von einem Entwickler betreut. Die Orientierungspunkte für Fling sind einmal mehr Freenet und Mixmaster, aber auch Onion-Router. Fling folgt, wie Freenet, dem Entwicklungsmodell von Open-Source. Ziel ist es, zwischen den Internet-Protokollen und den Anwendungen eine anonymisierende Schicht einzuziehen. Bislang arbeiten die Entwickler von Fling jedoch noch an ihrem Realisierungskonzept. |
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10. Februar 2012
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