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Informationen zur politischen Bildung (Heft 268)

Von den Kolonien zur geeinten Nation


Jörg Nagler
Inhalt

Einleitung

Kolonialzeit

Unabhängigkeitskrieg und Revolution

Zeit der Expansion

Nord-Süd-Konflikt

Sozialkonflikte der Gründerzeit

Sozialkonflikte der Gründerzeit
Afroamerikaner blieben als Kleinpächter wirtschaftlich abhängig von den ehemaligen Sklavenbesitzern. Durch etliche Gesetze auf lokaler Ebene wurde die schwarze Bevölkerung daran gehindert, ihre nunmehr verbrieften Rechte auch wahrzunehmen, und Rassentrennung bestimmte zunehmend ihren Alltag. So wurde ihnen zum Beispiel der Zugang zu Parks, Hotels und anderen öffentlichen Einrichtungen untersagt. Der Supreme Court relativierte in mehreren Urteilen die Bestimmungen des 13., 14. und 15. Verfassungszusatzes, indem er die Umsetzung der Grundrechte der Afroamerikaner den Entscheidungen der Einzelstaaten überließ. 1896 entschied er im Fall "Plessy gegen Ferguson", dass eine Rassentrennung dann rechtmäßig sei, wenn Schwarzen gleichwertige Einrichtungen als Alternative zu denjenigen für Weiße angeboten würden. Diese als "Getrennt aber gleich" bezeichnete Doktrin (separate but equal) führte zu einer generellen Rechtfertigung der Rassentrennung (segregation) in den USA. Die Gewalt gegen Schwarze in Form von Lynchmorden nahm in den Südstaaten ein erschreckendes Ausmaß an. 1909 wurde die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), die älteste Bürgerrechtsbewegung, gegründet, die versuchte, die Rechte der Schwarzen durch Musterprozesse einzuklagen. Die noch heute etwa 500000 Mitglieder zählende Organisation konnte erhebliche Erfolge für sich verbuchen. Ein großer Migrantenstrom von Afroamerikanern vom Süden in die Städte des Nordens - zwischen 1890 und 1910 waren es etwa 200000 - führte dort zu einer Ghettobildung. Es kam zu ersten Rassenunruhen.
Zeitgleich erlebte die Nation eine rapide Industrialisierung, verbunden mit einer verbesserten Infrastruktur und Kommunikation, die wiederum die kontinentale Expansion begleitete. Ein Laissez-faire-Pragmatismus und harscher Materialismus kennzeichneten nunmehr das so genannte Vergoldete Zeitalter (Gilded Age) der amerikanischen Gründerzeit, dessen Namen auf einen Roman von Mark Twain und Charles Dudley Warner zurückging. Die massiven Einwanderungswellen seit den 1890er Jahren, Probleme der Urbanisierung und Arbeitskämpfe sowie die weit verbreitete Korruption führten zu einem angespannten sozialen Klima. Außenpolitisch setzte mit dem Spanisch-Amerikanischen Krieg (1898) die Phase des Imperialismus ein. Er definierte die globale Rolle der USA neu, und auf dem Weg zur Weltmacht trat auch das nationale Selbstverständnis in eine neue Phase.
Die amerikanische Zensusbehörde erklärte 1890 mit der Besiedlung der Pazifikregion die Zeit der frontier endgültig für abgeschlossen. Obwohl die Wanderungsbewegung in den Westen und ent-sprechende Bevölkerungsverschiebungen weiterhin stattfanden, bedeutete dies für viele Amerikaner das Ende einer Ära. Einerseits schien nun das "Sicherheitsventil" weggefallen zu sein, durch eine Abwanderung in den Westen Sozialkonflikte in den Ballungsgebieten zu entschärfen. Andererseits war fraglich, welche Entwicklung der Kontinent nach dem Abschluss der territorialen Expansion nun nehmen würde. Als das Land 1893 von einer schweren Wirtschaftskrise heimgesucht wurde, riefen nicht nur Unternehmen nach neuen Absatzmärkten für die heimische Überproduktion industrieller und agrarischer Produkte. Als nahe liegend boten sich die Märkte in Mittel- und Südamerika sowie Ostasien an, auf denen US-Firmen schon seit längerer Zeit präsent waren. Zunehmend wurden Stimmen laut, die für eine US-amerikanische Expansion, für den Ausbau einer großen Handelsmarine und einer sie schützenden starken Flotte plädierten und damit für einen Imperialismus, der dem europäischen sehr ähnelte, aber zusätzlich durch den spezifisch amerikanischen Sendungsgedanken ergänzt wurde.

Auseinandersetzung mit Spanien

Der 1898 ausbrechende Spanisch-Amerikanische Krieg kam vielen imperialistischen Befürwortern entgegen. Schon seit längerem war in den USA Kritik an den spanischen Herrschaftsmethoden auf Kuba laut geworden, und eine nationalistische Presse hatte ein Eingreifen gefordert. Im Februar 1898 explodierte das US-Kriegsschiff "Maine" im Hafen von Havanna, und 260 Menschen fanden den Tod. Umgehend wurde der spanischen Seite die Schuld an diesem Unglück zugesprochen.
Nach anfänglichem Zögern bat der republikanische Präsident William McKinley (1897-1901) schließlich den Kongress, einer Intervention auf Kuba zuzustimmen. Dieser forderte die spanische Regierung auf, ihre Streitkräfte zurückzuziehen, und betonte in einem Zusatz, dass die Vereinigten Staaten nicht beabsichtigten, Kuba zu annektieren (Teller Amendment). Nach Errichtung einer Seeblockade um Kuba durch die USA erklärte jedoch Spanien den Vereinigten Staaten den Krieg, und Ende Juni begann die amerikanische Invasion Kubas. Sie konnte in kurzer Zeit erfolgreich abgeschlossen werden, nachdem die dortige spanische Flotte zerstört worden war. Im Frieden von Paris (12. Dezember 1898) musste Spanien die Philippinen, Puerto Rico und die Insel Guam gegen Zahlung von 20 Millionen US-Dollar den USA überlassen und alle Ansprüche auf Kuba aufgeben, wo bis 1902 US-Streitkräfte und danach Flottenstützpunkte verblieben. Ferner behielten sich die USA das Recht einer Intervention im Falle von Gefährdung amerikanischen Lebens und Eigentums vor. Trotz vorheriger Beteuerungen des Kongresses, Kuba nicht annektieren zu wollen, wurde dieses nun zu einem Protektorat der Vereinigten Staaten, wenngleich mit eigener Verfassung und Regierung.
Der Spanisch-Amerikanische Krieg hatte die globale außenpolitische Bedeutung der Vereinigten Staaten schlagartig verändert: Im Pazifik waren Stützpunkte und mit den Philippinen sogar ein größerer territorialer Gewinn hinzugekommen. Dies wies auf den enormen Markt des asiatischen Festlandes, allem voran China. Für Mittel- und Südamerika hatten die USA deutlich dokumentiert, dass sie militärisch in der Lage und gewillt waren, in bestimmten Fällen zu intervenieren. Für Asien wurde der Weg eines "informellen Imperialismus" eingeschlagen, der im Gegensatz zu den europäischen Rivalen nicht das Land mit Truppen, sondern den Markt mit US-Dollars erobern wollte. Gleichwohl blieb es bei Visionen; so überstieg zum Beispiel der chinesische Anteil am US-amerikanischen Gesamtexportvolumen im ganzen 20. Jahrhundert keine drei Prozent. Innenpolitisch trug der Spanisch-Amerikanische Krieg nicht nur zu einer nationalistischen Aufbruchsstimmung, sondern auch zu einer anti-imperialistischen Bewegung bei, die innerhalb der Bevölkerung Befürworter eines allgemeinen Isolationismus aktivierte. Die parallelen Strömungen von Globalisierungsdrang und Isolationismus sollten noch über Jahrzehnte bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg die Auseinandersetzungen um die Ausrichtung der US-Außenpolitik bestimmen.
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10. Februar 2012
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Inhalt
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USA -Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft
Die Autoren
Editorial
Von den Kolonien zur geeinten Nation
Weg zur Weltmacht 1898 bis 1945
Kalter Krieg von 1945 bis 1989
Aufbruch in eine "Neue Weltordnung"
Grundzüge des Wirtschaftslebens
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Vereinigte Staaten im Vergleich
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Die Vereinigten Staaten von Amerika: Vorbild für die einen, Feindbild für die anderen. Kaum eine andere Nation vermag es, die Gemüter so intensiv zu vereinen oder zu spalten. Die USA, das Land der Superlative und Extreme, in einem Dossier.
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