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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 12/2005)

Soziale Auslese und Bildungsreform


Wolfgang Böttcher
Inhalt

Einleitung

Herkunft und Ungleichheit

Ökonomische Bildungsreform

Mit Pädagogik gegen Ungleichheit

An den Problemen vorbei

Einleitung
Ein zentraler Befund der internationalen Schulleistungsstudien lautet, dass die deutsche Schule so wenig wie keine andere dazu beiträgt, Schülerinnen und Schülern mit schlechten Startchancen zu guten Leistungen zu verhelfen: In keinem anderen Land ist der Schulerfolg der Kinder in dem Maße abhängig von ihrer sozialen Herkunft wie im reichen Deutschland. Wie setzt sich soziale Ungleichheit innerhalb des Schulwesens fort, und was kann getan werden, die Chancen bildungsbenachteiligter Kinder zu verbessern? Der folgende Beitrag beschränkt sich auf ausgewählte pädagogische Antworten auf diese Fragen.

Zur Person
Wolfgang Böttcher
Dr. rer. pol. habil, geb. 1953; Professor an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, Georgskommende 33, 48143 Münster; Leiter der Abteilung Qualitätsentwicklung und Evaluation in der Lehreinheit Erziehungswissenschaft.
E-Mail: wolfgang.boettcher@uni-muenster.de
Internet: egora.uni-muenster.de

Zunächst werde ich ein Modell der Erklärung von Ungleichheit im Bildungswesen skizzieren, das insbesondere die Rolle der Schule und des Unterrichts betont. Dann folgen einige Vorschläge, den engen Zusammenhang von Herkunft und Schulerfolg zu lockern. Zu diesem Zwecke werde ich ein Plädoyer für ein "ökonomisches Programm" einer Schulreform begründen. Auf dieser Grundlage werden zwei Maßnahmen skizziert, die im Kern pädagogischer Natur sind, denn sie sind gedacht, den Unterricht zu verändern: "Reflexive Pädagogik" und eine verbindliche Einführung von "starken Bildungsstandards".

Der vorliegende Beitrag ist also ausgesprochen selektiv, indem er ein Bündel anderer möglicher Maßnahmen zur Stärkung von Chancengleichheit im weiteren Kontext von Schulorganisation oder Bildungspolitik (z.B. spezifische Fördermaßnahmen, zielgerichteteBildungsfinanzierung, Umgestaltung der Schulstrukturen, Einbeziehung der Eltern) nicht behandelt.

Abschließend werde ich kurz zu erläutern versuchen, warum solche Maßnahmen der aktuellen Bildungspolitik, welche die Ungleichheitsthematik betonen, kaum geeignet sein dürften, eine Reduktion von Ungleichheit zu bewirken. Ob freilich die von mir vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich überlegen sind, vermag letztlich nur die Prüfung ihrer Wirkungen in der Praxis - eine wissenschaftliche Evaluation also - zu belegen.
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19. März 2010
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Editorial
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