Die Prinzipien einer "Ökonomischen Bildungsreform", die ich nun skizzieren will, sind: Effektivität, Effizienz, Evidenz, Erfolgsorientierung. Griffig ließe sich bei diesem Konzept von den "4 E" der Schulreform sprechen.
Effektivität thematisiert, ob und inwieweit ein Ziel, das man sich gesetzt hat, erreicht wird. Der Begriff verweist auf Wirksamkeit. Ein Effektivitätsvergleich stellt auf das Verhältnis unterschiedlicher Arbeitsergebnisse zueinander ab. Es wird beispielsweise gefragt, welche Maßnahme oder welche Organisationsform besser zur Erreichung eines definierten Ziels beiträgt.
Effizienz bedeutet Zweckmäßigkeit. Hier steht die Frage im Vordergrund, welche Anstrengungen (Kosten, Energie) nötig sind, um ein Ziel zu erreichen. Während Effektivität Ziele und Ergebnisse vergleicht, setzt "Effizienz" Inputs (z.B. Ressourcen wie Zeit oder Geld) und Ergebnisse ins Verhältnis. Effizienz - so kann man populär formulieren - heißt, das Beste aus den zur Verfügung stehenden Mitteln zu machen. Wenn also bessere Lerneffekte bei Schülerinnen und Schülern mit gleichem Umfang an Mitteln (Geld, Zeit, Engagement etc.) erreicht werden können, ist ein solches Vorgehen effizient. Bei gleichem Lerneffekt und gleichzeitig geringerem Aufwand gilt das ebenfalls.
Evidenz meint, dass (pädagogische) Maßnahmen nachweisen müssen, dass sie ihren Zweck oder ihre Zwecke erreichen und mit welchen Mitteln das geschieht. Fehlende empirische Erfolgskontrollen geben der These von der (möglichen) Verschwendung oder wenigstens mangelnden Zieltreue von Ressourcen in (vielen) pädagogischen Prozessen Nahrung.
Erfolgsorientierung fordert, dass Prozesse geplanten Wandels - Reformen also - vor allem dann eingeleitet und erfolgreich abgeschlossen werden, wenn es entsprechende Anreize für die relevanten Akteure gibt, im Sinne der Zielbeschreibung erfolgreich zu sein. Leistungsanreize oder "Incentives" sind Belohnungen oder Bestrafungen als Folge von spezifischen Handlungsergebnissen (Outcomes). Anreizsysteme verfolgen unter anderem das Ziel, die Arbeit der Akteure auf das Organisationsziel oder bestimmte Organisationsziele hin ausrichten.
Diese vier Leitideen beschreiben im Kern ein "ökonomisches Programm", das auf die Notwendigkeit verweist, im Bildungswesen Ressourcen intelligent einzusetzen. Bei einer schlichten Erhöhung von Ressourcen bei gleichzeitigem Absehen von der Frage, wie diese Mittel eingesetzt werden, kann Vergeudung erwartet werden. "Intelligenter Ressourceneinsatz" ist keine Absage an die These möglicherweise notwendiger Ressourcenzuwächse, allerdings werden Belege dafür erwartet, dass Ressourcen - Geld, Zeit, Personal - so eingesetzt werden, dass intendierte Wirkungen wenigstens wahrscheinlich sind. Normative Entscheidungen sind Voraussetzung für die Anwendung der Prinzipien: Ohne eine Orientierung an Zielen, also konkreten, messbaren, realistischen und terminierten Beschreibungen dessen, was erreicht werden soll, ergibt das ganze Unterfangen keinen Sinn. Und in unserem Fall würden sich Ziele auf Versuche beziehen, herkunftsbedingte, also soziale Selektion im Schulsystem zu reduzieren.
Wenn mittels Bildung solche Ziele erreicht werden sollen, wie zum Beispiel die deutliche Reduktion der Verkopplung von Herkunft und Schulerfolg, muss zunächst eine entsprechende gesellschaftliche bzw. bildungspolitische Prioritätensetzung erfolgen - wenn man so will: eine strategische (Neu-)Orientierung von öffentlicher Bildung. Ein Programm, das die ernsthafte und politisch gestützte Absicht verfolgt, Gleichheitsgewinne zu erzeugen, müsste an den grundsätzlichen Leitprinzipien orientiert sein. |
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