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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 09-10/2005)
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Die Aktualität eines Idealisten |

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Norbert Oellers
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Als der 25-jährige Friedrich Schiller im Jahr 1784 seine Zeitschrift "Rheinische Thalia" öffentlich ankündigte, resümierte er mit einigem rhetorischen Aufwand seine bisherige poetische Laufbahn und sparte dabei nicht mit Selbstkritik, die er allerdings mit den Verhältnissen, denen er von 1773 bis 1780 als Zögling der "Militär-Akademie" des württembergischen Herzogs Carl Eugen ausgesetzt gewesen war, zu begründen suchte: "Neigung für Poesie beleidigte die Gesetze des Instituts, worin ich erzogen ward, und widersprach dem Plan seines Stifters. Acht Jahre rang mein Enthusiasmus mit der militärischen Regel; aber Leidenschaft für die Dichtkunst ist feurig und stark, wie die erste Liebe. (...) Verhältnissen zu entfliehen, die mir zur Folter waren, schweifte mein Herz in eine Idealenwelt aus - aber unbekannt mit der wirklichen, von welcher mich eiserne Stäbe schieden - unbekannt mit den Menschen (...) - unbekannt mit Menschen und Menschenschicksal mußte mein Pinsel notwendig die mittlere Linie zwischen Engel und Teufel verfehlen (...)."
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Zur Person |
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Norbert Oellers Dr. phil., geb. 1936; bis 2002 Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; seit 1991 alleiniger Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe.
Rüngsdorfer Straße 11,
53173 Bonn.
E-Mail: n.oellers@uni-bonn.de
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Als Schiller diese Sätze schrieb, hatte er sein Jugendwerk bereits hinter sich: die eine Epoche der deutschen Literatur abschließenden Sturm-und-Drang-Dramen "Die Räuber", "Die Verschwörung des Fiesko zu Genua" und "Kabale und Liebe", dazu zahlreiche Gedichte, zum Teil schwülstige Liebesgedichte, mächtig auftrumpfende Hymnen und Oden, die pathetisch von antithetischen Spannungen zwischen Diesseits und Jenseits, Tod und Ewigkeit, Hinfälligkeit und Glücksbegehren handeln. |
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10. Februar 2012
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