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Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)
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Kampf um die Republik 1919-1923 |

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Reinhard Sturm
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Finanzpolitik und Wirtschaftsentwicklung |
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Weimarer Verfassung und Versailler Vertrag steckten den innen- und außenpolitischen Rahmen ab, innerhalb dessen die Republik zahlreiche schwierige Probleme zu lösen hatte. Die Umstellung der Kriegs- auf Friedenswirtschaft und die Wiedereingliederung der Kriegsteilnehmer in den Arbeitsprozess waren noch nicht abgeschlossen. Die Gebietsabtrennungen führten einerseits zum Abbruch eingespielter Binnenwirtschaftsbeziehungen, andererseits zu einem Zustrom von Flüchtlingen und Ausgewiesenen. Der Staat war hoch verschuldet, seine Finanzmittel waren äußerst knapp. Die Reparationen - vorab bis zum 1. Mai 1921 Leistungen im Werte von 20 Milliarden Goldmark (eine inflationssichere Verrechnungseinheit, die dem 1395. Teil eines Pfundes Feingold entsprach) - bedeuteten eine schwere Belastung. Da das Kaiserreich den Krieg von 1914 bis 1918 nicht nur mit Krediten finanziert hatte, sondern auch - bei einem rückläufigen Warenangebot - durch eine Vervierfachung sowohl der umlaufenden Bargeldmenge als auch des Giralgeldes (Buchgeld für den bargeldlosen Zahlungsverkehr), war eine erhebliche Nachkriegsinflation die Folge.
Für die Bedienung der Staatsverschuldung (153 Milliarden Mark), die Erfüllung des Friedensvertrages und vor allem für den Aufbau des neuen Staates und seiner Sozialpolitik benötigte die Republik enorme finanzielle Mittel. Reichsfinanzminister Erzberger schuf daher 1919/20 eine eigene Finanzverwaltung des Reiches (das bis 1918 von den Finanzzuweisungen der Bundesstaaten abhängig gewesen war) und gliederte das Steueraufkommen in Reichs-, Länder- und Gemeindesteuern. Das Reich erhielt unter anderem 100 Prozent der Einkommensteuer und der Verbrauchssteuern, 85 Prozent der Umsatzsteuer und 80 Prozent der neu eingeführten Erbschaftssteuer. Mit einmaligen Abgaben für Vermögende (Kriegsabgaben, "Reichsnotopfer") demonstrierte Erzberger, dass es ihm nicht einfach um die Füllung der Staatskasse, sondern auch um die Abschöpfung von Kriegsgewinnen und um Steuergerechtigkeit ging. 39 Prozent des gesamten Steueraufkommens erhielt das Reich, 23 Prozent die Länder, 38 Prozent die Gemeinden. Diese notwendige Steuerreform war freilich nicht unproblematisch: Länder und Gemeinden gerieten infolge der Schmälerung ihres Steueranteils in finanzielle Schwierigkeiten und in Abhängigkeit vom Reich. Die Inflation wurde zusätzlich angeheizt, weil sich das Reich zur Überbrückung der Anlaufzeit noch mehr verschulden musste und weil in der Wirtschaft die Einkommens- und Vermögensabgaben teilweise auf die Preise abgewälzt wurden.
Trotz der schwierigen Ausgangslage nahm die wirtschaftliche Entwicklung in den ersten Nachkriegsjahren einen relativ günstigen Verlauf. Mit der Aufhebung der alliierten Seeblockade am 12. Juli 1919 entfiel ein schweres Hindernis für den Außenhandel und die Nahrungsmittelversorgung. Danach kam es zu einer Wiederbelebung der Friedensproduktion bei annähernder Vollbeschäftigung und, trotz der Inflation, zu einer leichten Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards. Die Nachkriegsinflation wurde vorläufig von Unternehmerverbänden, Gewerkschaften und Staat stillschweigend akzeptiert, denn sie bildete die Grundlage des bis Mitte 1921 anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs: Die Industrie konnte lohnkostengünstig produzieren und sich auf dem internationalen Markt Wettbewerbsvorteile verschaffen. Auch Staatsaufträge, unter anderem im Eisenbahnbereich, kurbelten die Wirtschaft an; sie erhöhten allerdings die Staatsverschuldung. Zwischen März 1920 und Juli 1921 strömte amerikanisches Spekulationskapital ins Land, da der Wechselkurs der deutschen Währung in diesem Zeitraum einigermaßen stabil bei etwa 60 Mark für den Dollar lag. Ging die Industrieproduktion 1920/21 weltweit um 15 Prozent zurück (was damals als starker Einbruch galt), so stieg sie in Deutschland um 20 Prozent an. Freilich erreichte sie hier 1920 erst wieder 55 Prozent des Vorkriegsniveaus, 1921 immerhin schon 66 Prozent. Die Arbeitslosigkeit fiel 1921 unter drei Prozent, 1922 sogar unter zwei Prozent, während sie im Ausland durchweg im zweistelligen Bereich lag. Der Wirtschaftsaufschwung blieb aber an zwei Bedingungen geknüpft: Die Inflation durfte nicht außer Kontrolle geraten, und die Reparationen mussten sich als bezahlbar erweisen. |
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20. März 2010
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Dossier |
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Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 55 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte? |
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Dossier: Deutsche Demokratie |
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Weitere bpb-Angebote zum Thema Demokratie
Demokratie bedeutet Herrschaft, die vom Volk ausgeht und durch das Volk in seinem Interesse ausgeübt wird. Die Einflussnahme der Bürger auf die Politik hat jedoch viele Facetten. |
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Aus Politik und Zeitgeschichte |
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1918/19
1918/19 waren Jahre des Umbruchs. Aber der Übergang von der Monarchie zur Republik prägte sich nicht nachhaltig im kollektiven Gedächtnis der Deutschen ein. Der Weimarer Republik fehlten entschlossene Demokraten – und Vertrauen in die Demokratie. |
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