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Informationen zur politischen Bildung (Heft 261)

Kampf um die Republik 1919-1923


Reinhard Sturm
Inhalt

Einleitung

Versailler Vertrag

Finanzpolitik und Wirtschaftsentwicklung

Politische Polarisierung

Rechtsradikalismus

Aufstände und Putschversuche

Reparationsprobleme

Deutsch-russisches Abkommen

Ruhrbesetzung

Hyperinflation

Diktatur in Bayern

Kommunistische Umsturzversuche

Hitler-Putsch

Separatistenbewegungen

Ablösung Stresemanns

Politische Polarisierung
Mitte 1919 klagte Ludendorff in einem Gespräch mit dem Chef der britischen Militärmission, Generalmajor Malcolm, über die mangelnde Unterstützung der deutschen Front durch die Heimat im letzten Kriegsjahr. "You mean that you were stabbed in the back?" fragte Malcolm erstaunt zurück. Diese Formulierung griff Ludendorff sofort auf: "Ja, genau das. Man hat uns einen Dolchstoß in den Rücken versetzt." Dies war (auch wenn sich der Begriff bis zum Dezember 1918 zurückdatieren lässt) die eigentliche Geburt der berüchtigten so genannten Dolchstoßlegende.

Hindenburg, seit dem 25. Juni 1919 im Ruhestand, machte am 18. November vor dem Ausschuss der Nationalversammlung für die Schuldfragen des Weltkriegs eine Aussage über die "Ursachen des deutschen Zusammenbruchs im Jahre 1918". Er las einen Text vom Blatt ab, der in der Öffentlichkeit ungeheures Aufsehen erregte: "In dieser Zeit setzte die heimliche planmäßige Zersetzung von Flotte und Heer als Fortsetzung ähnlicher Erscheinungen im Frieden ein [...]. So mussten unsere Operationen misslingen, es musste der Zusammenbruch kommen; die Revolution bildete nur den Schlussstein. Ein englischer General sagte mit Recht: ,Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden.' [...] Wo die Schuld liegt, ist klar erwiesen."

Damit stellte Hindenburg die Tatsachen auf den Kopf. Niemand wusste besser als die kaiserlichen Generäle, dass der Krieg unter ihrer Führung bereits militärisch verloren war, bevor die Auflösungserscheinungen an der Westfront begannen; dass diese nicht so sehr auf "Zersetzung" zurückzuführen waren (obwohl es solche Versuche gegeben hatte), sondern auf Erschöpfung und Verzweiflung; dass die OHL selbst die von ihr gewünschte parlamentarische Regierung sofort zu einem kapitulationsähnlichen Waffenstillstandsgesuch gezwungen hatte und dass sich die Revolution erst Bahn gebrochen hatte, als die Illusion vom "Siegfrieden" geplatzt war. Selbst Ludendorff bezeichnete in seinen 1919 erschienenen "Kriegserinnerungen" Amerika als "kriegsentscheidende Macht". Aber kaum einer besaß die Aufrichtigkeit des Generals von Schönaich, der in der "Frankfurter Zeitung" vom 23. August 1924 nüchtern feststellte: "Der deutsche Militarismus beging einfach Selbstmord".

Die republikanischen Parteien unterschätzten die politische Sprengkraft der Dolchstoßlegende. Sie unterließen es, die deutsche Öffentlichkeit unablässig darüber aufzuklären, dass allein das Regime Wilhelms II. die Verantwortung für Kriegsniederlage, Waffenstillstandsabkommen und Friedensvertrag trug. Dieses Versäumnis hatte fatale Folgen: Unter den als hart und demütigend empfundenen Bedingungen des Versailler Vertrages, bei anhaltender offizieller Kriegsunschuldspropaganda, stieß die von prominenten kaiserlichen Militärs und Politikern mit Unterstützung konservativer und rechtsradikaler Zeitungen unermüdlich verbreitete Dolchstoßlegende in breiten Bevölkerungskreisen, die sich mit der Sinnlosigkeit ihrer Entbehrungen und Opfer im Krieg nicht abfinden mochten, auf Zustimmung - vom rechtsradikalen Lager und der DNVP über die Freikorps und die Reichswehr bis weit in die Reihen der bürgerlichen Parteien und der Kirchen. Dadurch wirkte sie ihrerseits wie ein Dolchstoß "in den Rücken des neuen Staates" (Albert Schwarz).

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Die Verwendung dieser Karikatur ist honorarpflichtig.
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10. Februar 2012
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