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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 14-15/2008)

1968 als transnationales Ereignis


Martin Klimke
Inhalt

Einleitung

Historische Rahmenbedingungen

Transnationale Protestkulturen vor "1968"

Transnationale Kooperation und Solidarität um "1968"

Schlussbemerkungen

Schlussbemerkungen
Als Rudi Dutschke im Interview mit Günter Gaus im Dezember 1967 proklamierte, die Studentenbewegung könne "eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat", lagen die Mai-Unruhen in Frankreich, die Niederschlagung des Prager Frühlings oder das Massaker von Tlatelolco kurz vor Eröffnung der Olympischen Spielen in Mexiko noch in weiter Ferne. Doch die von Dutschke implizierte transnationale Dimension der weltweiten Protestbewegungen speiste sich bereits durch eine kollektive Protestidentität, die sowohl kulturell als auch politisch gemeinsame Referenzpunkte aufweisen konnte und durch einen globalen Mediendiskurs verstärkt wurde. Aktivisten nahmen seit Mitte der 1960er Jahre zum Teil gestaltend an ausländischen Protestereignissen teil, pflegten transnationale Kontakte und brachten ihre Erfahrungen durch Import und Rekontextualisierung neuer Protestformen, -inhalte und -taktiken in ihren nationalen Kontext ein.[25] Ermöglicht wurde dies durch eine Lingua franca des Protest, die im Zuge einer kulturellen Globalisierung (oftmals amerikanischer Provenienz) nationalen Protest in einen internationalen Deutungshorizont einbettete. Antikolonialismus und Antiimperialismus bildeten eine weitere, zentrale ideologische Komponente in dieser Konstruktion einer globalen, revolutionären Bewegung.

Die rebellierenden Gegeneliten der 1960er Jahre stellten den geopolitischen Realitäten des Kalten Krieges somit eine eigene, transnationale Schicksals- und Wertegemeinschaft gegenüber, die eine wichtige Rolle als Wegbereiter soziokultureller Veränderungen in ihren eigenen Ländern spielen sollte. Denn es waren zumeist die Jahre und Jahrzehnte nach 1968, in denen die durch die Protestbewegungen popularisierte, alltagskulturelle Liberalisierung in vielen Ländern eine breite gesellschaftliche Basis erreichte und Neudefinitionen von Öffentlichkeit, demokratischer Partizipation und individuellen Freiheitsrechten nach sich zog. Und obwohl sich unmittelbare gesellschaftliche Reaktion, Langzeitwirkung und kollektive Erinnerung geographisch teils erheblich unterscheiden, waren die Protestbewegungen um "1968" Teil einer fundamentalen Zäsur in der Geschichte des Kalten Krieges.

Auch wenn es keiner dieser Bewegungen letztlich gelang, die etablierten Ordnungen vollständig zu überwinden, trugen sie doch mit ihrem utopischen Selbstverständnis und globalem Anspruch zur Überwindung einer bipolaren Weltsicht und zu einer Verschiebung des internationalen Koordinatensystems zugunsten des transnationalen Sektors bei. Dies zeigt sich in so disparaten Phänomenen wie dem internationalen Terrorismus der 1970er Jahre oder dem dramatischen Anstieg von weltweit operierenden, humanitären Nichtregierungsorganisationen in den Jahren nach 1968. Gerade im historischen Scheitern des durch die Protestbewegungen der 1960er Jahre vorangetriebenen, transnationalen revolutionären Projekts liegt somit die ungebrochene Faszinationskraft von "1968" als grenzüberschreitendem Erinnerungsort und einem der zentralen Wendepunkte des 20. Jahrhunderts.
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20. März 2010
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1968
Editorial
Demokratie als Lebensform. Mein Achtundsechzig - Essay
Mythos 1968
Die 68er: politische Verirrungen und gesellschaftliche Veränderungen
1968 als transnationales Ereignis
Revolutionäre Subjekte bei Frantz Fanon
Die Arbeiter und "1968" in West- und Südeuropa
Die 68er-Proteste in der DDR
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Die 68er-Bewegung
Die 68er-Bewegung
Sie protestierten gegen starre Strukturen, den Vietnamkrieg, die rigide Sexualmoral und die Nichtaufarbeitung des Nationalsozialismus: Tausende von Studenten gingen in den 1960er Jahren auf die Straße – und als 68er in die Geschichtsbücher ein. War diese Zeit notwendig für den Übergang in die moderne Gesellschaft?
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